Reporter Eutin
05. November 2016 | Allgemein

Die Karl Gustav Jürgensen-Stiftung stellt sich vor

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Eutin (ed). Eine Stiftung muss ihre Zinsen ausschütten – eine Ausnahme sind die Jahre direkt nach ihrem Inkrafttreten, währenddessen darf eine Summe anwachsen. Für die Karl Gustav Jürgensen-Stiftung sind diese Jahre vorbei und ihre Vertreter Günther Schröder und Hans-Peter Klausberger stellten die von ihnen verwaltete Stiftung des Bosauers Karl Gustav Jürgensen, ihre Zwecke und Aktivitäten nun vor. Die erste “öffentliche” Aktion ist ein Vortrag zur Postwachstumsökonomie von Christian Felber am kommenden Mittwoch in der Kreisbibliothek. Karl Gustav Jürgensen ist auf St. Pauli als Sohn eines Schlachters geboren und aufgewachsen – “er hat die tollsten Geschichten über seine Kindheit erzählt”, lacht Günther Schröder, “dass er Fleisch in der Herbertstraße ausgeliefert hat – hier haben sich bereits sein Hang zur Sparsamkeit und sein ökonomisches Talent gezeigt.” Er habe zugesehen, dass er immer Fleischstücke im Wert von 8,50 Mark auslieferte – so konnte er sicher sein, von dem Damen runde 10 Mark zu bekommen und den Rest als Trinkgeld behalten zu dürfen. Später dann in Kriegszeiten wurde er eingezogen und kam erst spät aus der Gefangenschaft zurück ins zerstörte Hamburg. Hier machte er mit Grundstückskauf und -verkauf auf ganz legale Weise ein Vermögen – das er durch große Sparsamkeit weiter vergrößerte. Als älterer Herr zog er mit seiner Liebsten Anna nach Bosau und suchte sich 2009 mit Günther Schröder einen vertrauenswürdigen Steuerberater. “So haben wir uns kennen gelernt und nach und nach angefreundet”, erzählt er. Einmal in der Woche besuchte Karl Gustav Jürgensen seinen Steuerberater. Hier hat ihn auch Hans-Peter Klausberger kennengelernt – “wir kamen ins Schnacken”, erinnert er sich, “und haben uns angefreundet.” Der Gedanke, dass sein Vermögen nach seinem Tod an den Staat fällt, der dann damit womöglich die Bundeswehr finanzieren würde, war ihm ein Gräuel. Mit dem Krieg und allem drumherum wollte Karl Gustav Jürgensen nach seinen Erlebnissen an der Front und in Gefangenschaft nichts mehr zu tun haben. Also zog er seinen Steuerberater zu Rate und beratschlagte mit ihm, was zu tun sei – man zog den befreundeten Hans-Peter Klausberger hinzu und gründete eine Stiftung, deren Zwecke Karl Gustav Jürgensen ganz bewusst festlegte. Die Stiftung solle in Eutin und der gemeinde Bosau wirken und die Jugend- und Altenhilfe fördern sowie die Erziehung, Volks- und Berufsbildung, das mildtätige bürgerschaftliche Engagement, die Mildtätigkeit, die Rettung aus Lebensgefahr, Feuer-, Katastrophen- und Zivilschutz, den Sport sowie Natur- und Landschaftspflege. Das wünschte er sich, solle mit seinem Vermögen bewirkt werden. “Und das wollen wir für ihn bewirken”, so Hans-Peter Klausberger. Denn 2013 verstarb Karl Gustav Jürgensen mit 95 Jahren an seinem Prostatakrebs, an dem er 25 Jahre lang gelitten hatte. Seither verwalten Günther Schröder als Vorsitzender und Hans-Peter Klausberger das Vermächtnis des alten Herrn als Stiftung in seinem Sinne. Das Kapital der Stiftung besteht vor allem aus 52 vermieteten Wohnungen in guter Lage in Hamburg – grundsätzlich sichere Einnahmequellen, da sie aber nahezu allesamt stark renovierungsbedürftig seien, könne es durchaus passieren, dass in einem Jahr soviel an Kosten aufgewendet werden müsse, dass nichts ausgeschüttet werden könne, erklären die Stiftungsverwalter. “Ansonsten haben wir pro Jahr rund 50.000 Euro zu vergeben”, so Günther Schröder. Und damit wurden bereits die Teilnahme an VHS-Kursen für Kinder mit Behinderung oder auch Flüchtlinge finanziert ebenso wie Inklusionsprojekte in Sportvereinen, die Förderung von Spitzensportlern im Stabhochsprung, das Projekt “Kein Kind ohne Sport”, ein Comic-Workshop des Fördervereins der Kreisbibliothek, der Lungenautomat der Liensfelder Feuerwehr oder die Bosauer Weihnachtsgeschenke für Mitbürger über 80 – noch in Arbeit ist die Unterstützung der Eutiner Tafel, der Jugendfeuerwehren und der DLRG. Ebenso soll die Idee der Altenhilfe umgesetzt werden – Gespräche mit Seniorenheimen laufen bereits über die einen Minijobber, der kleine Wünsche erfüllt. “Das wäre ganz im Sinne von Karl Gustav”, sagt Günther Schröder, “jemand der kleine Erledigungen ausführt, mal was vom Bäcker holt, einen Spaziergang mit ihnen macht.” Und über die Förderung solcher Zwecke hinaus sollen Veranstaltungen in Jürgensens Sinne stattfinden – “wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, soweit es uns finanziell möglich ist”, erläutert Günther Schröder, “einmal im Jahr zu gesellschaftlich relevanten Themen wie “Alternativen zum jetzigen wirtschaftlichen Handeln” Vorträge stattfinden zu lassen.” Hier sollen verschiedene Denkrichtungen zu Worte kommen, es soll auf die Bedürfnisse vieler Menschen eingegangen werden. So wird Christian Felber, Autor und Referent zu Wirtschaftsthemen, am kommenden Mittwoch, dem 9. November um 19 Uhr zum Thema “Gemeinwohl-Ökonomie”. “Eine Stiftung ist immer nachhaltig”, so Hans-Peter Klausberger, “und das gehört ebenfalls zur Nachhaltigkeit.” Güther Schröder nimmt gern Anträge auf Unterstützung und Förderung entgegen – alle Infos sind zu finden unter www.juergensen-stiftung.de.


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