Reporter Eutin
17. Dezember 2016 | Allgemein

„Niemand sollte allein sein beim Sterben”

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Die beiden Hospizhelferinnen Sabine Grein und Birgit Losert sowie Koordinatorin Martina Wendler freuen sich auf neue Hopsizhelfer, die Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten wollen.

Die beiden Hospizhelferinnen Sabine Grein und Birgit Losert sowie Koordinatorin Martina Wendler freuen sich auf neue Hopsizhelfer, die Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten wollen.

Eutin (ed). Ab Mitte Januar bietet die Hospizinitiative Eutin wieder einen Befähigungskurs für Hospizhelfer an – für Menschen, die mehr über sich erfahren und vielleicht im Anschluss Mitmenschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten, nicht alleine lassen wollen. Seine Freizeit mit fremden Sterbenden verbringen, sich mit sich selbst und dem Tod auseinandersetzen – wieso sollte man das tun? Was gibt diese Tätigkeit zurück? Fragen, auf die Hospizhelferinnen wie Birgit Losert und Sabine Grein eine Antwort haben. Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt – und doch werden nur die Geburten gefeiert. Den Tod blenden wir am liebsten aus – und werden dann plötzlich und sehr persönlich mit ihm konfrontiert, wenn einer unserer Liebsten stirbt. “Wir begleiten Menschen in ihrer letzten Lebensphase”, sagt Birgit Losert, “einem Stück des Lebens, das genauso viel Berechtigung hat wie alle anderen auch.” Und diesem Stück Leben können Hospizbegleiter mehr Würde, mehr Qualität verleihen – “wir können dem Leben nicht mehr Zeit geben”, so das Motto, “aber der Zeit mehr Leben.” “Und meistens ist es ein sehr intensiver Lebensabschnitt”, hat Sabine Grein die Erfahrung gemacht – sie begleitet schon seit zwölf Jahren Sterbende. “Ausschlaggebend waren damals Fragen zur Lebensqualität am Lebensende – und automatisch setzt man sich dann mit dem eigenen Ende auseinander. Da habe ich mich entschieden, den Kurs zu machen.” Ihre Kollegin Birgit Losert hatte ein Foto strahlender Absolventinnen des letzten Kurses gesehen und spontan bei der Hospizinitiative angerufen – ein Jahr später saß sie im Kurs und dachte: “Hier bin ich richtig.” Der Kurs sei sehr intensiv, sind die beiden sich einig. “Er behandelt wesentliche Lebensfragen und man kommt nicht umhin, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.” Zudem bekommt man in den 136 Stunden Theorie Kenntnisse im Umgang mit den Angehörigen, in Gesprächsführung oder auch in medizinischen Grundsätzen vermittelt. Ein Praktikum auf der Palliativstation des St. Elisabeth-Krankenhauses schließt sich an. Im Kurs lernt man aber auch, auf sich zu achten. “Man muss gut bei sich sein, um auf den Sterbenden achten zu können, aber auch auf sich selbst.” Kein Hospizbegleiter wird alleingelassen – regelmäßige Supervisionen, Gespräche mit den Koordinatorinnen Martina Wendler und Hannelore Radloff, die immer ein offenes Ohr für ihre Hospizbegleiter haben, und Gruppengespräche mit den “Kollegen” sind ein wichtiger Baustein und stellen sicher, dass niemand an seine Grenzen gerät. “Und wenn die Anfrage kommt, muss man auch nicht begleiten”, sagt Martina Wendler, “nur wenn man sich dazu in der Lage fühlt.” Was bei einer Begleitung passiert, wie lange sie dauert, was der begleitete Mensch sich wünscht, das ist zu Anfang noch ungewiss – jede Begleitung ist anders. “Wir gehen ganz offen rein, um zu erspüren, was der Mensch sich wünscht”, sagt Sabine Grein. Das sei seltsamerweise auch dann nicht schwierig, wenn der Sterbende nicht mehr in der Lage ist zu kommunizieren. “Man merkt trotzdem, was er braucht”, ob es reicht nur dazusein, ob es ihm angenehm ist, vorgelesen zu bekommen, Musik zu hören, “man spürt es einfach, was ihm guttut.” Sie sei auch schon mit einer Patientin, deren Zustand es erlaubte – immer in Absprache mit dem Arzt natürlich – in die Stadt gefahren zum Eisessen, ein dringlicher Wunsch wurde damit erfüllt, erzählt Martina Wendler. “Und ich habe auch schon einfach einer Dame die Hand gehalten und mit ihr Fußball geschaut”, so Birgit Losert – die Wünsche der Begleiteten stehen im Mittelpunkt. “Trotzdem ist es ein gegenseitiges Geben und Nehmen”, sagt Sabine Grein, “einfach weil man seinen Blickwinkel ändert und reflektiert, was wichtig ist im Leben.” Pflegerische und hauswirtschaftliche Arbeiten gehören nicht zur Tätigkeit eines Hospizbegleiters – und “wir sind kein Besuchsdienst”, erklärt Martina Wendler, die zusammen mit Hannelore Radloff, beide selbst Hospizbegleiterinnen, die Hospizbegleiter koordiniert und immer für sie da ist. “Wir wollen die Sterbenden und ihre Familien stützen.” Für die Angehörigen sei die Hospizbegleitung ein großer Entlastungsfaktor – einfach mal zwei Stunden lang nur für sich etwas tun, um wieder Kraft zu schöpfen. Die Begleitung dauert in der Regel drei Monate – wird eine Begleitung von der Familie oder anderer Stelle angefragt, wird der passende Hospizbegleiter gesucht und angefragt, ob er Zeit hat. Die Begleitung dauert kurze Zeit über den Tod hinaus, kurze Zeit nach dem Todesfall werden die Familien ein Stück weit begleitet, dann aber übernehmen die Trauerbegleiter auf Wunsch. “Wir würden sehr gern noch mehr Menschen und auch gern noch länger in ihrer letzten Lebensphase begleiten”, sagt Martina Wendler, “aber wir haben schlicht nicht genug Hospizbegleiter.” Besondere Fähigkeiten brauche man für diese Tätigkeit nicht, sind die Damen sich einig – aber die Bereitschaft, sich mit sich selbst zu befassen und sich zu öffnen, sich selbst aber auch zurückzunehmen, Offenheit und Aufgeschlossenheit, Sensibilität und Bodenständigkeit. Alle weiteren Fragen beantworten Martina Wendler und Hannelore Radloff sehr gern am Hospiz-Telefon unter 04521-790776 Montag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr oder per E-Mail: info@hospizinitiative-eutin.de.


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