Reporter Eutin
16. Dezember 2016 | Allgemein

Wirtschaftsvereinigung Eutin kämpft für einen Stopp der Baumaßnahmen

Eutin (ed). Zu einer Sitzung trafen sich am gestrigen Freitag rund 40 Geschäftsleute und Anlieger der Innenstadt – eigeladen hatte die Wirtschaftsvereinigung Eutin, Thema war vor allem die anstehenden Baumaßnahmen zur Stadtsanierung. Hans-Wilhelm Hagen, der neue Vorsitzende der WVE, teilte mit, dass die Vertreter der WVE das Mandat, das ihnen die Geschäftsleute aufgetragen hätten, nämlich einen Stopp der Baumaßnahmen zu erreichen, nicht hätten erfüllen können. Die Stadt sei nicht bereit gewesen einzulenken, da von dem Beginn der Baumaßnahmen erhebliche Fördergelder von Bund und Land abhingen. Die WVE werde jedoch nicht nachlassen in ihrem Bemühen um eine Verzögerung der Baumaßnahmen, denn die Existenzängste der Geschäftsleute seien absolut berechtigt, so Hagen. Die Baumaßnahmen zur Innenstadtsanierung sollen im Mai 2017 auf Höhe des Schuhhauses Aldrup beginnen und sich in mehreren Abschnitten bis Ende September 2018 hinziehen. Viele Geschäftsleute seien an ihn herangetreten mit dem Vorwurf, die WVE vertrete sie nicht, berichtet Marcus Gutzeit, „aber das stimmt so nicht. Wir versuchen eine Situation zu schaffen, mit der wir alle leben können, die Stadt will aber nicht einlenken.“ Er betont, dass nicht, wie angenommen, die Stadtwerke Eutin der Betreiber der Baumaßnahmen seien sondern die Stadt selbst - denn die Peterstraße sei erst 1985 komplett saniert worden, ein Bedarf, die Leitungen auszutauschen, bestehe also gar nicht. Wenn aber die Stadt ohnehin die Oberflächen austauschen wolle, dann würden die Stadtwerke bei dieser Gelegenheit die Hausanschlüsse erneuern – was immense Kosten für die Eigentümer mit sich bringt. „Ich bin nicht gegen eine Verschönerung oder Modernisierung der Stadt Eutin“, so Marcus Gutzeit, „ich bin aber gegen unkalkulierbare Maßnahmen, die nicht notwendig sind.“ Und unkalkulierbar seien bei den Maßnahmen nicht nur die Kosten sondern auch die Zeit, die sie dauern: Zwischen drei und vier Jahren für Kosten von dreieinhalb Millionen Euro. „Unvorhergesehene Schäden an Häusern sind dabei vorprogrammiert.“ Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt gab zu Bedenken, dass es sich hier um Baumaßnahmen handele, die bereits 2013 geplant worden seien, um die Innenstadt – auch auf Wunsch der Geschäftsleute – attraktiver, lebenswerter und moderner zu gestalten, auch im Hinblick auf die sich rasant entwickelnde Ostseeküste. „Natürlich wird es schwierig, aber da kommen wir durch“, so Stein-Schmidt, das sei besser als nichts zu tun. Es sei keine Frage, dass etwas getan werden müsse, sind die Geschäftsleute sich einig – aber reichten nicht ein paar neue Lampen und schöne Sitzgelegenheiten? Gemäß der Erfahrungen der IHK und der Geschäftsleute in Bad Schwartau, deren Innenstadt nahezu fertig saniert ist, betragen die Umsatzeinbußen der Einzelhändler zwischen 30 und 70 Prozent – „und wir sind alle schon angeschlagen durch die LGS und das Internet“, so Thomas Menke, Baustellenmanager der WVE, „wir alle brauchen jeden Cent Umsatz.“ Er mache sich große Sorgen um Länge und Ausmaß der Bauarbeiten. Erfolge könnten jedoch bereits verbucht werden, teilte Thomas Menke mit – so würde die Peterstraße nun, statt komplett saniert zu werden, in sechs Baufelder aufgeteilt. Während der Bauphasen sei die Peterstraße immer passierbar - zudem wolle die Stadt versuchen, dass die Baufirmen die lauten Arbeiten nur in der Zeit von 7 bis 10 Uhr und ab 17 Uhr durchführen, sodass die Geschäfte nicht über Gebühr durch die extreme Lautstärke zu leiden hätten. „Und wenn die Baumaßnahmen nicht zu stoppen sind, dann müssen wir weiter freundschaftlich und partnerschaftlich mit der Stadt, der Politik , Bauleitern und Planern zusammenarbeiten, sie wissen alle um unsere Sorgen.“ So habe eigentlich noch eine neue Vorflut in der Peterstraße gebaut werden sollen – diese aber wird nun deutlich später und in der Albert-Mahlstedt-Straße Richtung Stadtgraben angelegt. Man habe sich bei der Stadt intensiv Gedanken gemacht, wie man möglichst viel Schaden von den Geschäften abwenden könne. Auch in Sachen Verkehr kann die WVE Erfolge aufweisen, wie Hans-Wilhelm Hagen mitteilte – in einer gemeinsamen Sitzung im Bauamt sei beschlossen worden, dass die Planung noch nicht reif zur Umsetzung sei. So bekommt Eutin nun ein Verkehrsleitsystem, dann erfolgen eine neue Zählung und eine Befragung. Zudem werde in die Planung die Elisabeth-Straße miteinbezogen ebenso wie die Pläne und Wünsche der WVE. Auf Initiative einiger Geschäftsleute der Innenstadt wird nun ein Bürgerbegehren in die Wege geleitet, um die Baumaßnahmen noch vor der Vergabe des Bauauftrages zu stoppen – „wenn wir noch etwas tun wollen“, so Marcus Gutzeit, Initiator des Bürgerbegehrens, „dann muss das schnell passieren.“ Interessierte, die das Bürgerbegehren unterstützen wollen, sind herzlich willkommen, sich bei ihm zu melden-Einen Alternativweg schlägt der WVE-Vorstand ein – „wir müssen uns in Kiel Gehör verschaffen und versuchen, die Baumaßnahmen zu bremsen, ohne die Fördermittel zu verlieren“, schlägt Hans-Wilhelm Hagen vor, den Ministerpräsidenten des Landes nach Eutin einzuladen und ihm die prekäre Lage der Geschäftsleute hier zu schildern, „man hat uns dort so geholfen, man wird uns wieder Gehör schenken.“ Ein Infoabend über die geplanten Baumaßnahmen, die Kosten und alle weiteren Fakten plant die Stadt für den 26. Januar um 18.30 Uhr.


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