Es ist eine Geschichte von Liebe und Hass, von Neid und der Gier nach Macht – Nabucco, der König von Babylon, steht mit seinen Truppen vor Jerusalem. Die Hebräer haben Schutz im Tempel gesucht. Nabuccos Tochter Fenena ist das letzte Pfand, das sie gegen die Zerstörung ihres Tempels in der Hand halten – bevor der Oberpriester des Baal Fenena töten kann, stellt sich Ismael, der Neffe des Königs, schützend vor sie, denn die beiden lieben einander, seit die Königstochter ihn während seiner Gefangenschaft in Babylon gerettet hat.
Aber auch Abigail, Fenenas ältere Schwester, liebt Ismael – sie betritt verkleidet den Tempel, offenbart ihm ihre Liebe und stellt ihn vor die Wahl: Wenn er sich für sie entscheidet, bewahrt sie ihn und sein Volk vor der Verschleppung. Doch Ismael opfert lieber sein Leben als seine Liebe und flieht mit Fenena – jetzt steht Nabuccos Eroberung Jerusalems nichts mehr im Wege und die besiegten Hebräer verfluchen Ismael.
Während Nabucco die Hebräer bekämpft, hat er seinen Thron Fenena anvertraut – und Abigail entdeckt, dass sie nicht die erstgeborene Königstochter ist sondern nur die Tochter einer Sklavin. Zusammen mit dem Oberpriester des Baal schmiedet sie eine Intrige, um den Thron zu erobern und Fenena zu töten. Als Abigail ihren Plan in die Tat umsetzen will, kehrt Nabucco zurück – er ergreift die Krone und erklärt sich nicht nur zum alleinigen König sondern auch zum Gott, der ewiglich angebetet werden soll. Doch die Strafe folgt auf dem Fuße – Abigail reißt die Macht an sich, lässt Vater und Schwester in Ketten legen. Kann das alles ein gutes Ende nehmen? Für die Hebräer und Babylon, für den wahnsinnigen König und auch für das Liebespaar?
"Va pensiero sull' ali dorate – flieg, Gedanke, auf goldnen Flügeln" schrieb Temostocle Solera, Verdis Librettist, nach dem Psalm 137 und damit den Text für einen der berühmtesten Chöre der Welt – den Gefangenenchor, mit dem die Hebräer, die Nabucco in Babylon gefangen hält, ihre Sehnsucht nach Freiheit und Heimat ausdrücken. Und wer sich jetzt vorstellen möchte, diesen herrlichen Chor inmitten der Natur des Schlossgartens, auf der Freilichtbühne der Festspiele zu hören, vor der Kulisse Babylons, der wird sich einer Gänsehaut vor lauter Vorfreude nicht entziehen können – denn am kommenden Freitag um 20 Uhr ist es so weit. Zum vierten Mal wird Verdis biblisches Epos auf der Freilichtbühne der Festspiele aufgeführt – und in diesem Jahr darf sich das geneigte Publikum auf eine Aufführung der Extraklasse freuen.
Für die herrliche Bühne des Grünen Hügels hat Dominique Caron die Geschichte Nabuccos, Abigails, Fenenas und Ismaels neu inszeniert – natürlich in Verdis Sprache, eindringlichem, heroischem Italienisch, das es jedem Zuschauer, ob er des Italienisch mächtig oder nicht, ganz leicht macht, der wunderbaren Geschichte zu folgen. Ein echtes Highlight allerdings ist auch die Besetzung. „Wir haben mit Devid Cecconi, Romelia Lichtenstein, Hugo Vera und Taras Konoshchenko fantastische Stimmen“, sagt Dominique Caron. Vor allem Romelia Lichtenstein, die eine sehr anspruchsvolle Partie zu singen hat, brilliere in ihrer Rolle der „Abigail“.
Aber auch Svitlana Slyvia in der Rolle der "Fenena" ist eine wunderbare babylonische Prinzessin mit einer eindruckvollen Stimme – das imposante Bühnenbild und eindrucksvolle Kostüme runden die Inszenierung ab, sodass sich die Zuschauer sicherlich flugs im alten Jerusalem oder im vor Gold strotzenden Babylon wiederfinden werden.. Wer Lust auf eine Reise in die Welt Nabuccos hat, inmitten schönster Natur, mit herrlichen Stimmen und einzigartig inszeniert, der bekommt Karten für "Nabucco" sowie für den Freischütz für Kinder, der am kommenden Samstag zum ersten Mal in dieser Spielzeit auf der Freilichtbühne am See zu sehen ist, und alle anderen Aufführungen der Festspiele, sind in der Opernscheune, telefonisch unter 04521-80010 oder unter www.eutiner-festspiele.de sowie an den bekannten Vorverkaufsstellen.
Und wer sich vorneweg über die Handlung der Verdi-Oper "Nabucco" informieren möchte, und das aber nicht über wikipedia tun will, der ist eine Stunde vor Beginn der Aufführung herzlich in ein Extrazelt vor der Opernscheune eingeladen. Hier werden alle Interessierten in 20 Minuten über Handlung und Dramaturgie informiert.
Foto: Hasse / Text: Dörrhöfer