Eine Vernissage der etwas anderen Art fand am Freitag im "Kulturcafé Klausberger" statt. „Normalerweise“ hält ein Galerist oder ein hochgelehrter Kunstexperte die Laudatio, und der Künstler erfährt überrascht, wie genial er ist, lernt staunend, was seine Werke aussagen, und fühlt sich endlich verstanden –oder aber auch gründlich missverstanden. Um Letzteres wohl zu vermeiden, hat der Künstler jens-peter mardersteig die Sache gleich selbst in die Hand genommen.
Die zahlreichen Vernissagebesucher drängten sich erwartungsvoll in den Räumen der Bäckerei am Marktplatz. Hausherr Hans-Peter Klausberger musste wie diese etwas Geduld aufbringen: Er verfolgte bis zu seiner Begrüßungsrede schmunzelnd die in einer Last-Minute-Aktion schließlich erfolgreichen Versuche, eine beschriftete Papp-Wandtafel mit Wäscheklammern an einer provisorischen Leine zu befestigen. Keine Power-Point-Präsentation also; die hätte zu dem sich im Punker-Look zeigenden jens-peter mardersteig auch gar nicht gepasst. Sodann ergriff der sich konsequent klein schreibende Maler das Wort und einen Zeigestock und nahm die Besucher in einem Parforce-Ritt durch die Geistesgeschichte zum Thema „Wald“ mit auf eine philosophisch-philologische Kunstreise, die nicht nur vergnüglich war, sondern bei dem einen oder anderen Zuhörer auch das eine oder andere verschüttete Stück humanistischer Bildung wieder zutage gefördert haben mag. Schon dieser Vortrag war ein Genuss.
Der Wald ist bei mardersteig, dem „NABU-Mitkämpfer“, mehr als eine Ansammlung von Bäumen, Büschen, Planzen und Gewässern. Die Vielfalt im Wald, die Lichtungen , Dickichte und verschlungene Pfade sind für ihn eine Allegorie des Lebens mit all seinen Irrwegen. Nicht die Programmatik, nicht der Inhalt eines malerischen Artefakts sind für mardersteig das Hauptmotiv des künstlerischen Schaffens, sondern die ästhetische Wirkung des Werkes, seine ihm innewohnende Poesie.
So ließen sich die Besucher denn auch beim Betrachten der Aquarelle mardersteigs in den Bann ziehen, so wie auch die Fotos von Romanus Fuhrmann zeigen, dass man nicht nur mit dem Pinsel „malen“ kann – bedeutet Photographie doch übersetzt „Lichtmalerei“. Fuhrmann begleitet den Maler mardersteig bei dessen Exkursionen in die Wälder der Holsteinischen Schweiz, fotografiert ihn dabei und hält seine eigenen Impressionen mit der Kamera fest, zum Teil noch mit „schwarzem Tuch überm Kopf“, so wie in alten Photographenzeiten. Beeindruckend sind seine mit einer Analogkamera auf postartengroße Negative gebannten Wald-Studien, die selbst im Großdruck jedes Moosfädchen, jede Borke und jeden Stein in seiner Struktur detailliert wiedergeben. Auch die behutsam bearbeiteten digitalen Fotos in kleinerem Vergrößerungsformat strahlen einen Zauber von „Waldeinsamkeit“ und Geborgenheit aus.
So wird in den nächsten Wochen den Besucher der Klausbergerschen Bäckerei nicht nur leckerer Brötchenduft empfangen, sondern auch seinen Augen eine wohltuende und anregende „Kost“ geboten.