Um 20.20 Uhr fiel am vergangenen Samstag der entscheidende Schuss, der den Holzvogel zu Fall brachte und somit Günter Puls zum neuen Schützenkönig kürte. Nachdem die 444. Kugel auf den Vogel traf und 26 Durchgänge beim Königsschießen absolviert waren, war der Jubel für Günter Puls groß. Zu Tränen gerührt und den Stolz und die Freude ins Gesicht geschrieben, setzte sich die neue Majestät zum Schluss gegen drei Mitanwärter um die Königswürde durch.
Alle Bilder
Wie üblich hatten sich die Schützen unter den Anfeuerungsrufen zahlreicher Zuschauer einen packenden Wettbewerb geliefert. Für Günter Puls ist dieses das zweite große Ereignis in diesem Jahr, da er bereits im April seinen 60. Geburtstag feierte. Der zweifache Vater und Großvater eines Enkels ist gebürtiger Neustädter und arbeitet derzeit im Ameos-Klinikum als Krankenpfleger, wo er im Oktober 40. Jubiläum feiert. Seine Ehefrau Ursula Puls freut sich ebenfalls über das neu erlangte Amt und hat schon jetzt viele Ideen, um sich in die Gilde mit einzubringen.
Bereits am vergangenen Freitag wurde das Jahreshighlight der Schützengilde mit einem Eröffnungsgottesdienst von Propst Dr. Otto-Uwe Kramer und dem Vogelrichten eingeläutet. Am Samstag zogen dann die Gildebrüder und zahlreiche Gäste und Abordnungen befreundeter Gilden, Vereine und Verbände bei strahlendem Sonnenschein durch den Ort und schließlich zum Neustädter Hof, wo das Vogelschießen stattfand.
Beim traditionellen Festkommers in dem sanierten und neu gestalteten Festraum des Neustädter Hofes begrüßte 1. Ältermann Ralf Stolley die vielen Festgäste sowie die Ehrengäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kirche und die Vertreter der befreundeten Vereine, Verbände und anderen Institutionen.
Die Vaterländische Rede hielt in diesem Jahr Uwe Muchow, dem diese Ehre bereits zum zweiten Mal zuteil wurde. Er wagte einen Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre und beleuchtete den gesellschaftlichen, politischen und technischen Wandel. Im Wesentlichen ging er jedoch auf die Tatsache ein, dass man Unrecht verhindert, indem sich die Nichtbetroffenen ebenso betroffen fühlen wie die Geschädigten. „Gerechtigkeit gibt es erst, wenn sich Unbetroffene betroffen fühlen. Und genau das leben die Gildemitglieder seit Jahrhunderten vor.“, so Muchow, der auch die Frage stellte, ob es uns nicht gut tun würde, nicht nach Wohlstand und Reichtum, sondern nach einem lebenswerten Leben für alle Erdbewohner zu streben.
„Wie verkehrt geht die Welt zurzeit eigentlich, dass große Kapitaleigner damit sehr viel Geld verdienen, wenn Staaten ihre Kredite nicht zurückzahlen können und in Folge die Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit auf 20 und mehr Prozent ansteigen? Welche Moral besitzen diese Manager eigentlich, wenn sie bewusst schlechte Anleihen vertreiben und sich schon während des Vertriebes darüber im Klaren sind, dass Millionen Menschen Geld verlieren werden, sie selbst aber die großen Gewinner sind? Was sind das für Menschen, die es in Kauf nehmen, finanziell verwüstete Landschaften zu hinterlassen, damit ihre Rendite stimmt?“, fragte Uwe Muchow.
An dieser Stelle hob er hervor, dass sich 90 Prozent der Gildebrüder ehrenamtlich betätigen und bereits die Gründung der Gilden auf die Tatsache zurückzuführen sei, dass sich Unbetroffene betroffen fühlten. Jetzt sei es wieder an der Zeit umzudenken und die eigene Betroffenheit auszudehnen auf die Weltgemeinschaft. Der Abtretende König Burkhard Niedrich bedankte sich herzlich für ein „richtig schönes Königsjahr“ und bekräftigte, dass er sehr stolz darauf sei, in der Gilde viele Freunde zu haben. Abschließend überreichte er ein Zahnrad, was symbolisieren soll, dass die Gilde immer Kraft und Bewegung haben solle.
Bürgermeister Henning Reimann verglich anlässlich der Europameisterschaft, das Vogelschießen mit dem Fußball und bekräftigte, dass auch bei den Schützenbrüdern die Titelsehnsucht groß sei. „Von Schuss zu Schuss zum großen Ziel“ und „Das Runde muss auf das Geflügel“, scherzte Reimann. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr außerdem ein Volkskönig ausgeschossen. Diesen Titel holte Ulrike Langebeck mit 10,3 Ringen und setzte sich so gegen 16 weitere Teilnehmer durch. Als Ritter wurden ihr Stefanie Deutschmann (10,2 Ringe) und Sönke Sela (10,1 Ringe) zur Seite gestellt. Außerdem wurde Jens Herzog für seine 25-jährige Mitgliedschaft in der Schützengilde geehrt und Clemens Reichert durfte den Gildeorden für besondere Verdienste entgegen nehmen.