Seniorenbeirat, „Stolperstein“ und Strompreiserhöhung - Stadtverordnete tagten

Seniorenbeirat, „Stolperstein“ und Strompreiserhöhung - Stadtverordnete tagten
Neustadt.
Auf der Stadtverordnetenversammlung erwartete die Kommunalpolitiker eine vergleichsweise wenig umfangreiche Tagesordnung. Zunächst berichtete Bürgermeister Henning Reimann über den aktuellen Arbeitsmarkt und konnte hier den für Neustadt geltenden positiven Trend bestätigen. Die Arbeitslosenquote beläuft sich im Monat Januar auf 9,8 Prozent und ist damit um 0,5 Prozent im Vergleich zum Januar 2011 gesunken. Dieses schlägt sich auch auf die Jugendarbeitslosigkeit nieder, die im Gegensatz zum Vorjahr von 7,8 auf 7,5 Prozent gesunken ist.

Des Weiteren hießen die Stadtverordneten den Seniorenbeirat, der im vergangenen Jahr gewählt wurde willkommen und begrüßten die drei neuen Mitglieder Günter Belaeschke, Uwe Henning und Ottilie Rühl. „Im Gegensatz zu anderen Vereinen hat der Seniorenbeirat keine Probleme Nachrücker zu finden“, freute sich Vorsitzender Günter Schulz.

Außerdem stimmten die Stadtverordneten der durch eine Sonderkundenumlage erzeugten Strompreiserhöhung einstimmig zu. Die Stadtwerke haben sich an den massiven Protesten der kommunalen Energieversorger aktiv beteiligt, konnten aber dennoch die Einführung der Sonderkundenumlage und die damit verbundene Strompreiserhöhung nicht verhindern. Die Umlage beläuft sich auf 0,151 Cent pro Kilowattstunde und ist von den Stadtwerken an die Schleswig-Holstein Netz AG abzuführen. Diese Mehrkosten und die zusätzlichen Änderungen der Strompreisbildung wie der Erhöhung der EEG-Abgabe, der Senkung der KWK-Abgabe, der Erhöhung der Netzgelte und der Reduzierung im Stromeinkauf schlagen sich nun auf den Strompreis nieder und ergeben eine Erhöhung von 0,43 Cent pro Kilowattstunde. Eine solche Anpassung erzeugt bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden, das entspricht ungefähr einem 3-Personen-Haushalt, circa 18 Euro brutto Mehrkosten.

Abschließend stellte Norbert Kahl das Konzept der sogenannten „Stolpersteine“ vor, von denen auch einer aufgrund der Initiative der Geschichtswerkstatt in Neustadt verlegt werden soll. Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. Inzwischen liegen in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas mehr als 30.000 Stolpersteine und erinnern damit an die jeweilige Geschichte. Laut Gunter Demnig ist ein Mensch erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist. In Neustadt soll dem Opfer der NS-Zeit August Roßburg gedacht werden. Er wurde als möglicher Gegner des Regimes im Jahre 1944, einen Monat nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Adolf Hitler, inhaftiert, weil er in der Vergangenheit als ehrenamtlich Stadtverordneter in der SPD-Fraktion tätig war. Er wurde damals mit neun weiteren Neustädtern in das Konzentrationslager Neuengamme gebracht und erlag am 19. Januar 1945 als Einziger den Folgen seiner Inhaftierung. Der Künstler wird den „Stolperstein“ am Freitag, dem 2. März um 9 Uhr in der Waschgrabenallee 1, dem letzten selbst gewählten Wohnort von August Heinrich Roßburg, verlegen. Bereits am Donnerstag, dem 1. März hält Gunter Demnig um 18 Uhr einen Vortrag im Sitzungssaal des Neustädter Rathauses. Im Anschluss daran wird gemeinsam die Ausstellung im Museum zeiTTor besucht, die sich mit dem Konzentrationslager Neuengamme befasst.