"Vertreter der vergessenen Generation"

Ausstellung von Gu?nter Machemehl
"Vertreter der vergessenen Generation"
Neustadt
Bis hinunter zur Eingangstu?r standen die Kunstinteressierten am vergangenen Sonntag in der Stadtbu?cherei bei der Vernissage zur Ausstellung von Gu?nter Machemehl. Die Ausstellungsgemeinschaft Neustadt hatte zur Besichtigung des beeindruckenden Werkes des 1911 geborenen und 1970 verstorbenen Malers aus Pommern eingeladen und viele Interessierte waren dieser Einladung gefolgt. Ehemaliger Sprecher der Gemeinschaft Heiner Tonn freute sich besonders unter den Anwesenden, Bu?rgervorsteher Sönke Sela, Kultur- und Tourismuschef Christian Lackner und Bu?rgermeister Bodo Willert aus Sierksdorf begru?ßen zu du?rfen. In die Ausstellung selbst fu?hrte Erwin Jenett ein, der mit seiner Ehefrau und Adoptivtochter Machemehls, Ingrid Jenett- Machemehl, den ku?nstlerischen Nachlass verwaltet. In seiner Ansprache berichtete Jenett u?ber den Werdegang des Ku?nstlers und erläuterte sodann anhand von drei Beispielen die Intentionen und Hintergru?nde fu?r Machemehls Schaffen.

FOTO: Erwin Jenett verwaltet mit Ingrid Jenett-Machemehl den Nachlass von Gu?nter Machemehl.

Der aus Schlawen in Pommern stammende Ku?nstler verließ erst nachdem er von den Nationalsozialisten mit einem Berufsverbot belegt und 1945 von den Russen in Pommern verhaftet und zur Zwangsarbeit verurteiltet worden war, im Jahre 1946 seine Heimat und siedelte mit seiner Frau nach Sierksdorf an die Ostsee u?ber. Gu?nter Machemehl ist mit seinem Malstil der gegenständlichen Malerei und dem Spätexpressionisten zuzuordnen. Er hegte eine enge Freundschaft zu Karl Schmidt-Rottluff, der ihn in jedem Sommer besuchte, fu?hrte regelmäßigen Schriftverkehr mit Hermann Hesse und traf sich unter anderem mit dem Bauhaus- Maler Lyonel Feininger. Die zentralen Themen Machemehls sind die Natur und der Mensch. Seine Bilder zeigen Landschaften, Stillleben, Portraits und Selbstportraits. Als "typischen Vertreter der vergessenen Generation" bezeichnete Jenett den Maler, dessen Werke in Zeiten der Bru?cke-Maler bei den Galeristen nicht beliebt waren und keine allgemeine Anerkennung fanden. Lange Jahre malte Machemehl kein einziges Bild, kapitulierte er infolge der fehlenden Anerkennung und fand erst in den 60er Jahren zum Malen zuru?ck.

Diesen Zwiespalt zwischen Fremde und Heimat, Hoffnung und Resignation, Anerkennung und Erfolglosigkeit lässt sich auch in seinen Bildern wiederfinden. Die kraftvoll gemalten Aquarelle und mit sicherem Strich gearbeiteten Zeichnungen sind voller Symbole und Andeutungen. Auf dem Bild "Gestutzte Weiden" sind beispielsweise zwei Kopfweiden abgebildet, die von Menschen ihrer Kronen beraubt wurden. Die zentral im Bild positionierten dunklen und verletzten Bäume dominieren das Bild und spiegeln die Vergänglichkeit wieder. Gleichzeitig sprießen aus den dunklen Stu?mpfen neue frische Triebe und die sich einander zugeneigten Stämme geben den Blick auf eine liebliche Wiese frei.

Die beeindruckende Sammlung kann noch bis Montag, 19. April zu folgenden Öffnungszeiten besucht werden: Montag bis Donnerstag 9.30 bis 12 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr, Freitag 9.30 bis 12.30 Uhr und 14 bis 18.30 Uhr, Samstag 9.30 bis 12.30 Uhr. Im März dienstags geschlossen. Die Finissage findet am Montag, dem 19. April um 19 Uhr statt. Dort werden Ingrid Jenett-Machemehl, Erwin Jenett und Ju?rgen Graap das Buch vorstellen "Wenn ich einmal das Glu?ck hätte, Sie zu sehen", Gu?nter Machemehl im Briefwechsel mit Hermann Hesse 1933 - 1962.