Lebenswege hinter den Grabmälern der Johanniskirche, Schilfsterben und die Veränderungen am Großen Plöner See, der Nationalsozialismus in Wankendorf, uralte Bohlenspeicher, Fotochronist Theodor Möllers Blick durch die Kamera vor rund 100 Jahren – eine Fülle auf den Kreis Plön bezogener Themen findet sich in den Beiträgen des neuen Jahrbuchs der AG Heimatkunde. Zusätzlich hat der Verein einen Registerband herausgegeben, der Auskunft über die behandelten Themen und Schwerpunkte der letzten zehn Jahre gibt. Jahrbuch-Redakteurin Silke Hunzinger hat die Bücher zum Jahreswechsel vorgestellt und die Inhalte der Aufsätze in Worten skizziert.
Die historischen Aufnahmen Möllers als „Aufmacher“ des Jahrbuchs führen unvermittelt ins frühere Leben im Kreisgebiet und zeigen Vieles, das heute verschwunden und nur noch schwer nachzuvollziehen ist. „Es ist spannend, etwas über den Hintergrund bestimmter Gebäude zu erfahren, die heute nicht mehr da sind“, findet Hunzinger. Hierzu zähle das abgebildete Ascheberger „Rousseauhaus“ – angeblich 1762 für den Philosophen und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau errichtet– , damit dieser nach Landesverweis als Asylant eine Bleibe hätte. Möllers Fotos gelten heute als wertvollster Bestand im Landesamt für Denkmalpflege. Die Bildauswahl im Jahrbuch zeigt einige Plöner Perspektiven in ihrem früheren Aussehen, zum Beispiel die Prinzeninsel mit ihren Bootssteg gegenüber der Insel Warder, den Strohberg oder das Seeufer am Ende der Johannisstraße mit Schlossblick. Verfolgung, Unterdrückung, Anschwärzen – die Autoren Heinrich und Volker Griese haben sich ausgiebig mit der Entwicklung des Nationalsozialismus in Wankendorf auseinandergesetzt. Bereits 1933 sei mit vielen feierlichen Aufmärschen versucht worden, Menschen von ihren Problemen abzulenken und auf die Seite Hitlers zu ziehen. Andersdenkende und „nichtarische“ Mitbürger wurden denunziert. Über die Wahlen 1938 heißt es schlicht: „Auszuwählen gab es nichts. An den Anschlagtafeln des Ortes hingen am nächsten Tag Zettel aus, dass sich alle, die mit Nein gestimmt hatten, unverzüglich zu melden hätten.“ Ein ausführlicher Blick auf die Nachkriegszeit offenbart: „Auch in Wankendorf ist die Zeit des Nationalsozialismus bisher nie aufgearbeitet worden. Weder die sich passiv verhalten hatten noch die Unterdrückten zeigten offenbar ein Interesse daran.“ Eine Feierstunde 1948 in Schlüter’s Gasthof, zu der zum Gedenken der Nazi-Opfer geladen wurde, sei nur von 16 Ausgebombten, Vertriebenen und Flüchtlingen besucht worden, belegen die Lokalhistoriker in ihrem Beitrag. Das Schlusslicht im 41. Jahrbuch für Heimatkunde bildet ein Aufsatz über den Kirchhof der Plöner Neustadt. „Der Friedhof war um 1811 also Wäscheplatz, Hühnerhof und Reeperbahn für den Pastor, die Nachbarn und einen Seiler“, beschreibt Gerhard Kay Birkner das Areal rund um die Johanniskirche. Über die Grabsteine entfachen sich allerlei Geschichten um verschiedene Lebenswege und Verbindungen zwischen unterschiedlichen Menschen – der bekannteste Bestattete dürfte der Schwarze Trompeter des Plöner Herzogs Hans Adolf sein. Weiterhin geht es um einen Rixdorfer Mord, den Abrissbefehl für die Johanniskirche oder um die Regelung von Erdbegräbnissen im allgemeinen und besonderen: „Für Erdbegräbnisse kamen nur die Größen 10 Fuß lang, 10 Fuß breit (ein ganzes Grab) oder 10 Fuß lang und 5 Fuß breit (ein halbes Grab) in Frage, wobei halbe Gräber dann genommen werden mussten, wenn benachbarte Leichen nicht gestört werden sollten.“ Die zwölf Beiträge des Bandes behandeln ganz unterschiedliche Themen verschiedener Epochen. Knapp 1000 Mitglieder sorgen mit ihrem Jahresbeitrag von 20 Euro für die Finanzierung der Jahrbücher. Info: Die Bücher können telefonisch unter 04522/2449 bei Heide Beese bezogen werden und kosten 20 Euro.