Zwischen Schwarzbären und Klapperschlangen: Einsatz für die Umwelt

Zwischen Schwarzbären und Klapperschlangen: Einsatz für die Umwelt
Niendorf/Ostsee
Es war schon eine besondere Erfahrung: Für sechs Monate ging der Niendorfer Peter Kleinschmidt ins Freiwilligencamp im Südwesten der USA. Mit „einem Stück Heimaterde“ - einem Stein vom Niendorfer Strand, den ihm seine Mutter geschenkt hatte - im Gepäck machte sich der 30-Jährige auf die große Reise nach Amerika. Möglich gemacht hatte diese Tour die amerikanische Umweltschutzorganisation „American Conservation Experience“ (ACE; www. usaconservation.org), die jungen Leuten aus der ganzen Welt die seltene Perspektive eröffnet, ehrenamtlich für Schutz und Erhalt der Umwelt zu arbeiten. Die Organisation, mit Sitz in Flagstaff, Arizona, ca. 1,5 Autostunden südlich vom Grand Canyon, arbeitet mit einer Vielzahl von staatlichen Umweltinstanzen zusammen, darunter unter anderem dem „U. S. Forest Service“ und dem „National Park Service“.
Der angehende Diplom-Volkswirt Kleinschmidt war in der Vergangenheit nicht besonders abenteuerlustig und hatte keine Campingerfahrung vorzuweisen. Erst die beeindruckenden Berichte Ehemaliger ermutigten ihn für einige Zeit „mal was ganz anderes zu machen“ und dafür auf die gewohnte Privatsphäre und Infrastruktur zu verlassen und auf jede Art von Bequemlichkeit und Komfort zu verzichten. Die meist achttägigen Projekte gehen mit Zeltleben, oft ohne fließend Wasser und Strom, einher und erfordern „Soft Skills“ wie einen ausgeprägten Teamgeist, eine strenge Arbeitsethik und eine positive Grundeinstellung.
Ein normaler Arbeitstag bedeute, vor sechs Uhr morgens aufzustehen, um danach zehn Stunden harte körperliche Arbeit auszuüben - und das unter oft schnell wechselnden Wetterbedingungen in abgelegenen Prärie- und Wüstenregionen. „Doch zu meinem Erstauen erfüllte mich jedes Projekt mit Stolz und großer Zufriedenheit“, zieht Kleinschmidt ein positives Fazit.
Im Gegensatz zur Schreibtischarbeit für die Uni sehe man immer genau, was mit gemeinsamer Anstrengung erreicht werden kann. Typische Projekttätigkeiten waren das Anlegen und die Stabilisierung von Wanderwegen, der Bau von Umzäunungen und der Schutz und Erhalt von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, sowie die Revitalisierung. Der Niendorfer war in vielen verschiedenen Naturschutzgebieten im Einsatz, darunter im „Grand Canyon“, im „Zion“-National Park und diversen weniger bekannten, aber nicht minder schönen Naturwundern.
Eine besondere Herausforderung sei ein dreiwöchiges Projekt auf „Santa Catalina Island“, einer Insel in der Nähe von Los Angeles, gewesen, so Peter Kleinschmidt, wo mit großen Steinen Wasserschutzdämme an einem Steilufer zu bauen waren. Das Freiwilligencamp hier sei genau wie auf der sprichwörtlichen „einsamen Insel“ gewesen, auf der die jungen Volontäre mehrere schwere Stürme durchleben mussten. Nach einer Nacht Dauerregen hätten die Wassermassen fast den gesamten Campingplatz und angrenzenden Strand weggespült. Auch die Tatsache, dass in fast allen Einsatzorten viele Reptilien und Raubtiere leben, war gewöhnungsbedürftig. „Doch wenn man sich korrekt verhält, besteht kaum Gefahr“, berichtet Kleinschmidt, der im „Yosemite“-Nationalpark im Freien schlafend von zwei Schwarzbären aufgeweckt wurde, die direkt vor ihm standen. Der 30-jährige Niendorfer ist sich mit seinen ehemaligen Kollegen einig, dass ACE die seltene Perspektive biete, bei geringen Kosten, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
Die Projektteilnehmer haben die einmalige Möglichkeit, faszinierende Landschaften von einer Seite kennen zu lernen, die normalen Touristen verschlossen bleibt und dabei gleichzeitig etwas Gutes zu bewirken. Neben Verbesserung von Englischkenntnissen, ohne eine teure Sprachschule bezahlen zu müssen, ergebe sich an den freien Tagen die Gelegenheit, mit anderen auf Roadtrips zu gehen und die Gegend zu erkunden. Die meisten besuchen die Glitzerwelt von Las Vegas, die Küstenstadt San Diego und erkunden die umliegenden Naturwunder.
So auch Kleinschmidt, der sich ebenso dazu durchrang allein mit einem schweren Trekkingrucksack in drei Tagen durch den Grand Canyon zu wandern. Vom Nord- zum Südrand musste er über 23 Meilen und zweimal rund 1.300 Meter Höhenunterschied zurücklegen, was selbst von passionierten Bergwanderern immer wieder unterschätzt wird. „Das war der härteste Part in sechs Monaten“, lacht Kleinschmidt heute, der zuvor keine Erfahrungen in Mehrtageswanderungen hatte. Kleinschmidt ist überzeugt, dass ihm die gewonnenen Erfahrungen für seine persönliche und berufliche Zukunft sehr nützlich sein werden.
Fotos: 
Zwischen Schwarzbären und Klapperschlangen: Einsatz für die Umwelt

Kommentare

Absolut empfehlenswert!
Hallo Peter, Glückwunsch zu diesem tollen Erlebnis! Deine Webseite mit Hintergrundinformationen unter http://www.kleinschmidt-peter.de ist auch super.
Toller Artikel! Ich selbst durfte diese einzigartige Erfahrung machen, mit vielen Nationen in einer atemberaubenden Natur, und viel Spaß, zu arbeiten. Imke Ernst aus Schleswig
Auch für mich die besten 5 Monate meines Lebens! Sofort machen, wenn die Möglichkeit sich ergibt! Nach der Schule, im Studium oder einfach als Neuanfang.
so etwas traut sich nicht jeder. Sehr gut und sicher großartige Erfahrungen, an die man noch sein Leben lang denken wird.