Reporter Timmendorf
13. April 2017 | Allgemein

Knappe Mehrheit möchte auf Neuhof nicht verzichten: Gemeindevertreter möchten zwei Bahnhaltepunkte – in Neuhof und Ratekau

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Tdf. Strand. Wie bereits kurz berichtet stimmten die Timmendorfer Gemeindevertreter in einer turbulenten Sitzung bei der Bahnhaltepunkt-Frage mit einer Stimme Mehrheit gegen einen Verzicht auf Neuhof - und somit auch gegen die Empfehlung der Gemeinde und Gutachter, nur einen gemeinsamen Haltepunkt mit der Gemeinde Ratekau in Ratekau vorzuhalten. Zum Hintergrund: Mit der Schienenhinterlandanbindung zur festen Fehmarnbeltquerung wird die bisherige Bäderbahn 2030 stillgelegt und somit auch der bisherige Bahnhof von Timmendorfer Strand. Als mögliche neue Haltepunkte schlägt die Bahn für die Gemeinde Timmendorfer Strand entlang der kommenden Bahntrasse Haltepunkte in Ratekau und Neuhof vor. Beide Haltepunkte liegen allerdings auf Ratekauer Gemeindegebiet und Gutachter sowie die Verwaltungen der beiden Gemeinden haben einen gemeinsamen Bahnhof in Ratekau empfohlen. Bei einem Verzicht der Timmendorfer Politiker auf den Haltepunkt Neuhof, könnte mehr Geld in den Bau eines gemeinsamen Bahnhofs Ratekau/Timmendorfer Strand fließen und diesen auch attraktiver gestalten. Die Gemeinde Ratekau hat sich bereits gegen Neuhof als zweiten Haltepunkt ausgesprochen und in der jüngsten Gemeindevertretersitzung (am gleichen Abend) für einen Haltepunkt in Ratekau votiert. Mit den zehn Stimmen von WUB, CDU und dem fraktionslosen Udo Halenza stimmte man in Timmendorfer Strand schließlich mit einer Stimme Mehrheit für die Vorhaltung beider Haltepunkte in Ratekau und in Neuhof hinter Groß Timmendorf. SPD, Grüne, FDP und die Neue Perspektive hatten sich mit neun Stimmen für Ratekau als alleinigen Bahnhof ausgesprochen. Zuvor gab es zahlreiche Redebeiträge. Als erstes hat Jörn Eckert (SPD) zehn Punkte für einen gemeinsamen Haltepunkt in Ratekau vorgetragen und sagte unter anderem: „Aus unserer Sicht ist es sinnvoller einen vernünftigen Bahnhof gemeinsam mit Ratekau zu gestalten und zu planen, der über entsprechende Serviceeinrichtungen verfügt, als einen Haltepunkt in Neuhof zu bekommen, der mit ganz viel Glück eine Gelegenheit bietet, sich bei Regen unterstellen zu können.“ Des Weiteren betonte er: „Wir haben erst einmal keinen Einfluss auf die Einrichtung und Gestaltung beider Haltepunkte, denn beide liegen nicht auf unserem Gemeindegebiet. Wenn Ratekau Neuhof ablehnt (wie jetzt geschehen, Anm. d. Red.) und der Haltepunkt Neuhof nur durch gesetzliche Vorgaben errichtet wird, wenn wir uns für Neuhof entscheiden sollten, dann ist das Band zerschnitten! Wir haben dann nichts mehr zu fordern. Ende.“ Wichtig sei natürlich auch die Verkehrsanbindung über den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): „Der ÖPNV auf den Straßen ist Sache des Kreises, in enger Abstimmung mit den Kommunen. Es liegt bisher nur ein erster Entwurf für ein ÖPNV-Konzept vor, welches nicht vor 2030 umgesetzt werden kann. Insbesondere mit Blick auf die steigende Zahl von Bahnreisenden würde unsere Gemeinde ohne ÖPNV-Anbindung an einen Bahnhof außerhalb des Gemeindegebietes abgehängt - im wahrsten Sinne des Wortes. Aber hier geht es jetzt und heute erst einmal um den Haltepunkt Neuhof oder um einen gemeinsamen Bahnhof mit Ratekau.“ Eckert sprach auch die interkommunale Zusammenarbeit an: „Es bietet sich die wohl größte Chance der nächsten Jahrzehnte für unsere Gemeinde - gemeinsam mit Ratekau - zukunftsträchtige Konzepte zu erarbeiten, welches sich nicht nur auf den gemeinsamen Bahnhof beschränken.“ „Eine Entscheidung für Neuhof bedeutet dann aber auch die Nichtbeachtung der Empfehlungen beider Dorfvorstände von Hemmelsdorf und Groß Timmendorf sowie die Nichtbeachtung der Empfehlungen der Fachleute, die sich allesamt für einen gemeinsamen Bahnhof in Ratekau und gegen Neuhof ausgesprochen haben. Für uns ist es wichtig, dass wir einen guten und komfortablen Nahverkehr für die Gemeinde Timmendorfer Strand sichern. Dieser soll von möglichst vielen Menschen genutzt werden. Ein gemeinsamer Bahnhof mit Ratekau bietet für uns die besten Voraussetzungen, dieses Ziel zu erreichen. Aber spätestens, wenn man zu der Erkenntnis gelangt, dass Ratekau sowohl die Planungshoheit über Ratekau als auch über Neuhof hat und feststellen muss, dass Ratekau sich bereits gegen Neuhof ausgesprochen hat, sollte man vor einer Entscheidung genauer hinsehen. Ratekau hat der Gemeinde Timmendorfer Strand die Hand ausgestreckt und eine gemeinsame Planung des Bahnhofs in Ratekau vorgeschlagen,“ so Franziska Echelmeyer von den Grünen. Kai Ingo Menke-zum Felde (CDU) sagte dazu: „Das ist eine Jahrhundertentscheidung. Die Möglichkeiten der zukünftigen Entwicklung des Ortes sowie der Verkehrsflüsse sind heute doch noch gar nicht abzuschätzen. Wir möchten uns durch einen vorschnellen Verzicht auf einen uns klar zustehenden Bahnhof in Neuhof keine Chancen verbauen.“ Kerstin Raber (WUB): „Zu Fuß und mit dem Rad ist Neuhof am besten zu erreichen und deshalb wollen wir beide Haltepunkte. Das Interesse an Neuhof muss man mit der Nachbargemeinde besprechen.“ Und Andreas Müller von der WUB betonte, dass Fernzüge aufgrund ihrer Länge nicht in Ratekau halten könnten, aber in Neuhof. Das Gutachten spricht von beiden Haltepunkten. Der parteilose Udo Halenza weist im Laufe der Diskussion daraufhin, dass es eine Scheintheorie sei, dass Neuhof wegfällt: „Der Bahnhof Ratekau ist wichtig, aber dieser kommt ja auch. Trotzdem werde ich auf die Option Neuhof nicht verzichten.“ Vor der namentlichen Abstimmung warb Bürgermeisterin Hatice Kara noch einmal für eine interkommunale Zusammenarbeit: „Nachdem wir am 16. Februar das gemeinsame Gespräch mit Ratekau geführt haben, freut man sich in Ratekau auf eine gemeinsame Zusammenarbeit und einen gemeinsamen Bahnhof ,Ratekau/Timmendorfer Strand’. Man kann jetzt nicht sagen, wir möchten einen gemeinsamen Bahnhof, aber auch den Haltepunkt in Neuhof.“ Das Ergebnis der Abstimmung ist inzwischen bekannt. Fassungslos und enttäuscht reagierte man in der Gemeinde Ratekau, hat es doch im Vorfelde ein gemeinsames Treffen gegeben, an dem Ratekauer Vertreter mit Bürgermeister Thomas Keller sowie Timmendorfer Strands Bürgermeisterin Hatice Kara und Vertreter aller Fraktionen – mit Ausnahme der WUB – teilgenommen haben. „Alle waren damals stark an einer gemeinsamen Lösung interessiert“, berichtet Ratekaus Bürgermeister Keller auf Nachfrage. „Es besteht kein Bedarf für zwei Bahnhöfe und niemand kann uns zwingen, für Neuhof einen Bebauungs- und Flächennutzungsplan aufzustellen.“ Keller verwies auch auf die in zwei Gutachten herausgearbeiteten Vorteile, die sich bei nur einem Bahnhof ergeben. Dazu gehören unter anderem eine bessere Ausstattung eines gemeinsamen Bahnhofes als bei zwei Haltepunkten im Hinblick auf Gebäude, Park & Ride, Bike & Ride und Barrierefreiheit (Aufzüge statt Rampen möglich) sowie die Forderung, Bundesmittel für die Station Neuhof zusätzlich zu den vorgesehenen Landesmitteln für die Station Ratekau zu verwenden. Ein gemeinsamer Bahnhof wäre zudem die kostengünstigere Lösung für beide Gemeinden durch Kostenteilung und vermindertem Aufwand für Grunderwerb, Bauleitplanung, Erschließung und Hochbau sowie im Bereich der späteren laufenden Unterhaltung. Hinzu kommen Verbesserungen im ÖPNV durch Einrichtung eines strandnahen Bäderbusses und eine bessere Anbindung der Ortschaften Hemmelsdorf und Niendorf/Ostsee, hier auch vor dem Hintergrund des Schülerverkehrs in Richtung Ratekau und Bad Schwartau. Zu beachten seien auch die nahezu identischen Fahrzeiten trotz unterschiedlicher Abstände von den Stationen Neuhof oder Ratekau zum Strand. „Wir hoffen, dass vielleicht noch eine andere Entscheidung in Timmendorfer Strand gefällt wird,“ so Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller im Gespräch mit dem „reporter“. Am heutigen Mittwoch müssen die Timmendorfer Gemeindevertreter in einer Sondersitzung das Thema „Forderungskatalog“ behandeln, da dieser Tagesordnungspunkt am 30. März abgesetzt wurde. Heute abend soll nun im Sitzungssaal des Rathauses über die weiteren Vorstellungen der Gemeinde in Bezug auf die Schienenhinterlandanbindung abgestimmt werden. Neben allgemeinen Forderungen werden im Forderungskatalog ortsspezifische Wünsche der Kommunen aufgeführt. Die Beschlussvorlage war aber nur für eine Positionierung für einen gemeinsamen Haltepunkt mit Ratekau und für eine Positionierung für Neuhof ausgearbeitet und nicht für das knapp beschlossene Votum, die „Vorhaltung zweier Haltepunkte, namentlich Neuhof und Ratekau“.


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