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„Der kann uns ja gar nicht sehen”

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Eutin (ed). “Der kann uns ja gar nicht sehen”, staunt Olivia, als auf dem Fahrersitz des großen, blauen THW-Lkws sitzt, “vorne nicht und im Seitenspiegel auch nicht, das wusste ich gar nicht.” So wie Olivia geht es fast allen Viertklässlern der Gustav-Peters-Schule in der Blauen Lehmkuhle und wahrscheinlich auch allen anderen Kindern, die die Aktion “Raus aus dem Toten Winkel” des Round Table Eutin/Malente noch nicht mitgemacht haben. Einen Vormittag lang nimmt sich eine Gruppe von Round Tablern Zeit, um den Viertklässlern, die kurz vor ihrer Fahrradprüfung stehen und den Toten Winkel nur aus der Theorie kennen, die Gefahr dieses Phänomens mal ganz plastisch vorzuführen. Jedes Kind nimmt einmal den Fahrersitz ein und erlebt, dass seine komplette Klasse im Toten Winkel des Wagens einfach verschwindet. Vor dem Lkw stehen zwei Kinder und gehen immer dichter auf ihn zu – schon bald sind sie vom Fahrersitz aus nicht mehr zu sehen, ebensowenig wie die 20 Kinder, die direkt neben dem Lkw stehen. Olivia beugt sich ganz nach vorne und sagt: “Jetzt kann ich sie erst sehen”. “Aber der Fahrer ist angeschnallt”, erklärt ihr Patrick Bang vom Round Table, “er sitzt ja nicht so vornübergebeugt und kann so im Toten Winkel nichts sehen.” Olivia nickt und staunt. “Und weil er Euch auf Euren Rädern tatsächlich nicht sehen kann, wenn Ihr direkt neben oder vor dem Lkw steht, zeigen wir Euch das, damit Ihr das wisst und selber mit aufpasst.” Das findet Olivia gut und sagt: “Da muss man wirklich ganz schön aufpassen. Gut, dass wir das jetzt gesehen haben.” Denn um die Gefahr zu wissen ist etwas ganz anderes als sie zu erleben – “gesehen zu haben, was der Lkw-Fahrer von seinem Fahrersitz aus sieht”, sagt Man-John Chau, “das ist wichtig, um die Gefahr zu kennen und sie zu respektieren.” Sein Round Table Kollege Jannis Schwarz fährt selbst Lkw und ist deshalb immer dabei, wenn es an den Schulen um den Toten Winkel geht. Er weiß: “Wenn die Fahrradfahrer um den Lkw herumwuseln, fühlt man sich einfach hilflos, weil man nie weiß, ob man sie alle sieht.” Und genau das erleben die Viertklässler jetzt. “Im Unterricht haben wir das natürlich schon durchgenommen”, sagt Klassenlehrer Florian Reimers, “und dieses Erlebnis vertieft das Wissen super, denn den Toten Winkel selbst zu erleben, das ist viel eindringlicher.”
Seit 2008 bietet der Round Table Eutin/Malente den Grundschulen der Umgebung das Projekt Toter Winkel an – seit es nationales Serviceprojekt bundesweit war. “Damals haben wir festgestellt”, so Man-John Chau, “dass diese Aktion zu wichtig ist, um sie nur ein Jahr lang anzubieten.” Ein Großteil der schweren Unfälle von Radfahrern und Lkws haben ihre Ursache im Toten Winkel. Die Aktion “Raus aus dem Toten Winkel” beugt vor, ganz praktisch und kindgerecht. So sind die Herren des Service Clubs immer zusammen mit dem Eutiner THW oder Malenter Feuerwehr zugange, die seit Jahren die Aktion gern unterstützen, einfach weil sie selbst mit ihren großen Einsatzfahrzeugen davon betroffen sind, wie Klaus-Peter Plötz vom Eutiner THW erklärt. “Die Aktion fördert das Verständnis der Kinder für die Lkw-Fahrer, das kommt auch uns zugute, wenn sie wissen, dass der Fahrer sie gerade an der Ampel, wenn sie direkt neben ihm stehen, einfach nicht sehen kann, und die Kinder dann einerseits selber besser aufpassen oder sich andererseits einfach in Sichtweite stellen.”
Plötz stellt mit seinem Team nicht nur seine beiden blauen großen Lkws zur Verfügung sondern auch Manpower und Zeit zur Verfügung, ehrenamtlich versteht sich. “Für diese Unterstützung bedanken wir uns beim THW sehr herzlich”, betont Alexander Decius, der die Aktion organisiert hat. “Die großen Einsatzfahrzeuge machen das Erlebte noch ein bisschen eindrucksvoller – es ist toll, dass das THW uns mit Zeit und Manpower unterstützt.” Und für die Kinder ist der Blick aus der Fahrerkabine ein nachhaltiges Erlebnis, wenn sie sehen, dass 20 Kinder im Toten Winkel verschwinden, ebenso wie die beiden, die immer weiter auf den Lkw zugehen. “Ja, da werden wir in Zukunft viel besser aufpassen”, sind auch Moritz, Maurice und Hannah sich einig, nachdem sie festgestellt haben, dass man zwar viel sehen kann, wenn man vor dem Lkw steht, aber nichts, wenn man drinnen sitzt, “das sollen die auf jeden Fall weiter machen, damit das noch viel mehr Kinder wissen, dass die Lkw-Fahrer uns gar nicht sehen können.” Dazu erklären sich die Herren des Round Table Eutin/Malente mit Vergnügen bereit und bieten die Aktion den Grundschulen der Region sehr gern an. “Für uns ist das ein kurzer Vormittag, den wir investieren, und an dem wir mit kleinen Mitteln eine große Wirkung erzielen”, sagt Man-John Chau, “und der zeigt, dass man auch ohne Geld viel erreichen kann.” Zudem mache es ihnen selbst großen Spaß, lachen die Round Tabler – “man hat nicht oft Gelegenheit, mal in so einem alten Daimler Lkw zu sitzen”, so Chau, “und es den Kindern zu ermöglichen, das mal zu erleben und nicht nur zu hören, das machen wir einfach sehr gern.”



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