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Ein halbes Leben für die Ahrensböker Kirche

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Mehr als sein halbes Leben lang, zweiunddreißigeinhalb Jahre war Diether Kibbel Küster und Friedhofswart der Ahrensböker Kirchengemeinde – am kommenden Sonntag, dem 10. Februar um 11 Uhr wird er mit einem Gottesdienst verabschiedet.

Mehr als sein halbes Leben lang, zweiunddreißigeinhalb Jahre war Diether Kibbel Küster und Friedhofswart der Ahrensböker Kirchengemeinde – am kommenden Sonntag, dem 10. Februar um 11 Uhr wird er mit einem Gottesdienst verabschiedet.

Ahrensbök (ed). Wer ihn brauchte, durfte ihn jederzeit von seinem Rasentrecker holen, denn für die Menschen der Ahrensböker Kirchengemeinde da zu sein, das war ihm immer am wichtigsten. Für sie und für “seine” Kirche hat Diether Kibbel mehr als sein halbes Leben gearbeitet. Mit dem Küster und Friedhofswart geht nach zweiunddreißigeinhalb Jahren ein Urgestein der Kirchengemeinde in Ruhestand. Seiner Kirche verloren geht er bestimmt nicht – und wenn er eine Pause von der Arbeit in Haus und Garten braucht, wird er vielleicht eine Runde auf seinem Friedhof drehen, mal nach dem Rechten sehen.

Dass Diether Kibbel Küster und Friedhofswart wird, das stand eigentlich nicht auf seinem Lebensplan. Gelernt hat er Maurer und hatte damals, 1986, einen guten Job beim Norddeutschen Rohrleitungsbau. Weil Maurer im Winter oft auch mal Leerlauf haben, Diether Kibbel von Leerlauf aber wenig hält, hat er den damaligen Friedhofswärtern ein bisschen ausgeholfen. Als einer von ihnen in Ruhestand ging, riet ihm der andere, sich doch auf die freiwerdende Stelle zu bewerben. Ob so eine Stelle an nur einem Ort und in der Kirche etwas für ihn wäre, da sei er skeptisch gewesen. Aber er habe die Kollegen gemocht und auch die Arbeit das ganze Jahr über habe ihn gelockt, so habe er seine Bewerbung “um fünf vor sechs noch schnell in den Briefkasten geworfen”, erzählt er. Aus 15 Bewerbern wurde er ausgewählt – und wie es sich herausstellte, war es eine ausgezeichnete Wahl.
Diether Kibbel ist zwar Ahrensböker und natürlich in “seiner” Kirche getauft, konfirmiert und getraut, dass er hier mal arbeiten würde, das hätte er nicht gedacht, schmunzelt er, seine Entscheidung hat er nie bereut, auch wenn es nicht immer leicht war. Schließlich kennt er fast jeden, der in die Kirche kommt – ob aus einem schönen Grund wie einer Taufe oder einer Hochzeit oder in schweren Zeiten wie nach einem Todesfall. Und gerade, wenn man so viele Menschen kennt, ist man auch vielen verbunden und trauert mit – dann versucht Diether Kibbel, den Trauernden die Formalitäten leicht zu machen, ist immer für sie da. Und doch, trotz aller beruflichen Distanz, hat er oft die Trauer mit nach hause genommen. “Vor allem, wenn Kinder und Jugendliche gestorben sind, das war das Schlimmste”, sagt er, “oftmals kannte ich die Familien, und das nimmt einen doch mit.” Bei vielen Familien kennt er mittlerweile drei oder gar vier Generationen, war bei ihren Taufen, Hochzeiten, den Konfirmationen und den Beerdigungen immer dabei und hat dafür gesorgt, dass alles reibungslos läuft. “Auf Herrn Kibbel konnte ich mich immer verlassen”, so die Ahrensböker Pastorin Kirstin Mewes-Goeze, “er weiß alles, kennt sich aus, und gerade in Trauerfällen habe ich immer an ihn verwiesen. Und die Menschen konnten sich immer darauf verlassen: Wenn sie zur Kirche gehen, ist Diether da. Mit ihm geht etwas Vertrautes verloren.” Etwas Vertrautes und eine Menge an Wissen – als Küster und Friedhofswart ist er für die Pflege der Kirche und des Friedhofs samt Belegungsplan verantwortlich, dafür, dass für alle Feierlichkeiten von der Taufe bis zum Weihnachtsgottesdienst alles vorbereitet und auch die letzte Kerze angezündet ist. Weihnachten sei für seine Familie immer ein bisschen stressig gewesen – in zwei Stunden habe die Bescherung vorüber sein müssen, denn dann musste er zurück in die Kirche. Das wird sich jetzt ändern – und darüber und über die Trauerfälle hinaus? “War alles schön hier”, sagt er und strahlt, “besonders natürlich die Taufen und Hochzeiten. Aber ich habe immer gern hier gearbeitet, mit den Menschen, hier in der Kirche und auf dem Friedhof in der Natur.” Alle Veränderungen in und rund um die Kirche hat er mitbekommen, fast zwei Handvoll PastorInnen erlebt, unzählige AhrensbökerInnen mitgetauft, mitkonfirmiert, mitverheiratet und auch mitbeerdigt.
 

Mit dem Ruhestand ist das so eine Sache – den tritt Diether Kibbel mit einem lachenden und einem weinenden Auge an. Einerseits freut er sich darauf, die vielen angefallenen Arbeiten in Haus und Garten in Angriff zu nehmen. „Meine Frau hat mir schon einen Plan gemacht“, schmunzelt er. Und auf mehr Zeit für Familie und vor allem seinen Enkel freut er sich. Andererseits wird er vieles von dem vermissen, was mehr als drei Jahrzehnte sein Leben mitgeprägt hat. Vor allem seine Kirche und die Lütten gegenüber im Kinnerhus haben ihm besonders am Herzen gelegen – Veränderungen in seiner Kirche hat er stets skeptisch betrachtet. Wie die Drehung der Kirchenbänke, da hielt er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. “Aber jetzt sieht es so aus, als hätte es immer schon so sein müssen”, gibt er gerne zu. Offene Worte, aber auch immer ein offenes Ohr, das schätzen seine Kollegen, die PastorInnen und die AhrensbökerInnen an ihrem Küster – und die Kinder im Kinnerhus lieben ihren Herrn Kibbel und finden es großartig, wenn er in ihrem Kindergarten etwas zu tun hat. Dann tummeln sie sich um ihn herum und wissen, jetzt ist er nur für sie da. “Es ist etwas sehr Einschneidendes, wenn jemand wie Herr Kibbel nach so langer Zeit in Ruhestand geht”, sagt Pastorin Kirstin Mewes-Goeze, “jemand, der mit so vielen Menschen verbunden ist, ein freundlicher, sehr offener Mensch und immer ansprechbar. So jemanden zu haben, das ist ein großes Geschenk. Er ist länger da als alle anderen und ein Gesicht der Ahrensböker Kirche. Er wird sehr fehlen.”
 

Derzeit arbeitet Diether Kibbel seinen Nachfolger ein, Dirk Burmeister hat zum 1. Februar das Amt des Friedhofswartes und Küsters übernommen – mit der Wahl des Kirchengemeinderates sei er zufrieden, sagt Diether Kibbel. „Auf ihn kommt eine Menge zu, aber da wächst er schon rein.“
Am kommenden Sonntag um 11 Uhr wird der Mann, der über 32 Jahre lang ein prägendes Gesicht der Ahrensböker Kirchengemeinde war, mit einem großen Gottesdienst und anschließendem Beisammensein samt Imbiss herzlich verabschiedet – die Gelegenheit, bei der er den Ahrensbökern selber sagen wird, dass es ihm trotz aller Freude auf die mehr oder weniger freie Zeit nicht leicht fällt, in Ruhestand zu gehen. Und dass er sich bei ihnen allen bedankt, die ihm über so viele Jahre ihr Vertrauen geschenkt haben, das sei für ihn ein Geschenk gewesen – dann macht Diether Kibbel das Licht in seiner Kirche aus. „Das wird mir fehlen“, seufzt er ein bisschen wehmütig. Und er, da kann er sich sicher sein, wird den Ahrensbökern in der Kirche und auf dem Friedhof fehlen.


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