Reporter Eutin

Ein Leben für die Feuerwehr

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Der „Alte“ und der „Neue“: Heino Kreutzfeldt und Marco Wriedt (re.) vor dem Gerätehaus am Priwall, wo beider Weg begonnen hat.

Der „Alte“ und der „Neue“: Heino Kreutzfeldt und Marco Wriedt (re.) vor dem Gerätehaus am Priwall, wo beider Weg begonnen hat.

Eutin (aj). Noch hängt seine Einsatzkleidung mit dem weißen Koller, der ihn als Gemeindewehrführer ausweist, ganz vorn in der Reihe im Eutiner Feuerwehrgerätehaus. Auf der Sitzung der Stadtvertretung am heutigen Mittwochabend steht die Zustimmung des Gremiums zur Wahl von Marco Wriedt zum ersten Mann der Gemeindewehr auf der Tagesordnung. Für Heino Kreutzfeldt ist das der Schlusspunkt hinter das wichtigste Kapitel seiner ganz persönlichen Feuerwehrgeschichte, beendet ist sie indes damit noch lange nicht. Denn Heino Kreutzfeldt wird weitermachen, wird seine Kluft in der langen Garderobenreihe weiter nach hinten hängen und noch zwei Jahre als aktiver Feuerwehrmann Dienst tun. Dort, wo er 1969 zum ersten Mal Feuerwehrluft schnupperte, wo er vom Truppmann zum Gemeindewehrführer geworden ist. Ein Weg, der ihm quasi vorbestimmt war, denn Feuerwehr und die Familie Kreutzfeldt, das gehört seit Generationen zusammen: Schon Urgroßvater und Großvater waren Mitglieder der Neudorfer Wehr, auch der Vater trug den blauen Rock: „Das muss in den Genen stecken“, meint Heino Kreutzfeldt verschmitzt. Fünfzehn Jahre alt war er, als seine Ausbildung begann: „Man ist eingetreten und mitgelaufen, hat sich das Wissen nach und nach angeeignet“, erzählt er. Drei Autos standen damals im Gerätehaus, statt des Melders in der Tasche gab die Sirene Signal, wenn ausgerückt werden musste. Im Gerätehaus hing damals ein Feldtelefon mit Festverbindung zur Polizei.
Dort wurde angerufen und die Frage: „Wo brennt es?“ war ganz wörtlich zu nehmen. Heino Kreutzfeldt merkte bald, dass er den Anforderungen gut gewachsen war. Er wurde Mitglied im Vorstand, arbeitete als Sicherheitsbeauftragter, übernahm für neun Jahre das Amt des Schriftwartes und wurde auch zum Gruppenführer bestimmt. Nach einem Jahr in dieser Verantwortung wartete dann die ganz große Aufgabe auf ihn: Er wurde zum Gemeindewehrführer gewählt. Das Wesen der Feuerwehr kannte er zu diesem Zeitpunkt schon genau, das notwendige Wissen um Abläufe und Verwaltungsstrukturen eignete er sich auf entsprechenden Lehrgängen an. Eine Herausforderung sei es gewesen, „seine“ drei Ortswehren aus Eutin, Neudorf und Fissau unter einen Hut zu bringen. Aber Kreutzfeldt entwickelte schnell ein Gespür dafür, hier die Balance zu halten: „Ich habe unter anderem immer dafür gesorgt, dass die anderen Wehren partizipieren, wenn für Eutin als zahlenmäßig größte Wehr etwas angeschafft wurde“, erklärt der erste Mann der Gemeindewehr.
Was für ihn Priorität hatte, kann er sofort sagen: „Für mich war es immer wichtig, jederzeit Ansprechpartner und Kümmerer zu sein, sowohl für unsere Führungskräfte als auch für die Mannschaft.“ Diese Haltung zeichnet ihn aus und auch die Liste der unter seiner Führung gesetzten Entwicklungsmarken kann sich sehen lassen: Die Umstrukturierung der Alarmierung mit dem Wechsel des Einsatzleitstelle nach Bad Oldesloe, die Anschaffung von Fahrzeugen und eines Rettungsbootes, das Engagement auf Landesebene, die Einführung einer gemeinsamen Kleiderkammer der drei Eutiner Wehren und die Kooperation mit benachbarten Feuerwehren haben unter seiner Regie stattgefunden. Daran, dass die Eutiner KameradInnen gern gesehen sind, hat er wesentlichen Anteil: „Persönliche Kontakte sind unerlässlich. Feuerwehr lebt nicht nur von der Alarmierungsstruktur“, davon ist er überzeugt. Eine Einstellung, die sein Nachfolger Marco Wriedt schätzt und teilt: „Ich bin kein Einzelkämpfer und will die Ortswehrführer in die Arbeit mit einbinden“, kündigt der Eutiner an. Auch seine Füße stecken von Jugend an in Feuerwehrstiefeln: 1985 wurde die Jugendfeuerwehr gegründet und Marco Wriedt gehörte von Anfang an dazu. Nach Schule, Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und der Bundeswehrzeit qualifizierte er sich zum EDV-Verwaltungsspezialisten und arbeitet heute in diesem Bereich in der Sana-Klinik. Die Feuerwehr blieb eine Konstante in seinem Leben. Er sagte nicht Nein, als es darum ging, Verantwortung zu übernehmen, und er erwarb sich das Vertrauen der KameradInnen, die ihn nun zum Gemeindewehrführer gewählt haben. Er weiß, was auf ihn zukommt, und er hat klare Ziele: „Ich habe mir vorgenommen, offen und ehrlich mit der Politik umzugehen. Ich werde klar sagen, was die Feuerwehr braucht und erwarte dann auch klare Ansagen von der Stadt“, meint er ruhig. Ganz oben auf der Liste steht natürlich das lang benötigte neue Feuerwehrgerätehaus für die Eutiner Wehr.
Hinter diesen Punkt hätte Heino Kreutzfeldt gern ein Häkchen gesetzt, diese Leerstelle bleibt: „Das wäre die Krönung gewesen“, sagt der Vater und Großvater. Seinem Nachfolger wünscht er, dass auch er immer alle KameradInnen heil nach Hause bringen kann. Er selbst hat nun mehr Muße: für die Familie, für Aquafitness mit Ehefrau Christa, für die Ausarbeitung der Feuerwehrchronik - und für den aktiven Dienst: „Ich habe ja Zeit. Ich bin ja in Rente“, meint er launig und die Freude darauf, wieder mittendrin zu sein, ist ihm anzusehen. Denn auch, wenn er nicht mehr als Servicetechniker der Telekom unterwegs ist - ein Feuerwehr-Renter ist er noch lange nicht. Alles Gute, Heino Kreutzfeldt!



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