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Es begann mit einem versteinerten Seeigel

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Die Müllers und ihre Vitrine im Eiszeitmuseum.

Die Müllers und ihre Vitrine im Eiszeitmuseum.

Plön/Darry (kud). Margarete Müller schleppt zwei große stabile Plastiktüten heran. Der Inhalt ist sorgfältig verpackt. Vergnügt lässt sie sich auf einen Stuhl sinken, freut sich über den Kaffee, den sie gerade bekommt und rückt ihren Halsschmuck zurecht. Der zieht automatisch Blicke auf sich. Fossilien, in Zeiten entstanden, die Menschen von der Jahreszahl kaum erfassen können, von einem Juwelier in die Neuzeit geholt und sichtbar gemacht. Margarete und Gerhard Müller aus Plön sind Fossiliensammler und seit Jahrzehnten nicht nur gute Fossilienlieferanten, sondern auch Förderer des Eiszeitmuseums in Lütjenburg/ Darry.

Wie kommt man auf die Idee, alte Steine zu sammeln in der Hoffnung, dass sich in deren Innerem ein Teil Geschichte befindet? Die beiden lächeln sich an. „Es begann mit einem versteinerten Seeigel, den wir geschenkt bekamen. Das war in den siebziger Jahren.“ Die beiden waren fasziniert von der steinernen Schönheit, die dort eingeschlossen war. Und sie begannen, jetzt nur noch mit dem Blick nach unten, die heimischen Strände abzusuchen in der Hoffnung, selbst einmal solche Raritäten zu finden. Seitdem waren Hämmerchen stets ihre Begleiter.

Noch ein Zufall: Während einer Urlaubsreise lernten die Müllers eine Frau aus England kennen, die sie am Ende der Reise zu sich auf die Insel einlud. „Erst haben wir ein wenig gezögert. Man weiß ja, wie das mit Urlaubsbekanntschaften so ist. Doch dann sind wir wirklich gefahren, und zwar bis vor wenigen Jahren immer wieder.“
Ihre Touren führten sie vor allem in den Süden Englands bis zur „Jurassic Coast“, die inzwischen Weltnaturerbe ist und an der die Weltgeschichte in versteinerter Form praktisch am Strand liegt. „Mit dem neuen Prädikat sollte der Strand, dessen Funde für viele Einheimische ein Lebenserwerb war, zunächst vollständig für Sammler gesperrt werden“, erzählen die Müllers. Wegen heftigen Protests sei dies dann aber unterblieben. Es durfte weiter gesammelt werden. Margareta entnimmt einer ihrer mitgebrachten Taschen ein großes gut verpacktes Teil. Zum Vorschein kommt ein „Ammonit“, der eben keine Schnecke ist wie es auf den ersten Blick scheint, sondern ein sehr spezielles Lebewesen, was nur an seinen Außenrändern zu erkennen ist. Die Müllers haben im Laufe der Jahrzehnte viel gelernt über die Zeit vor fast 200 Millionen Jahren.

Zunächst horteten sie ihre Funde zu Hause in Plön. Aber schon seit Ende der neunziger Jahre entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Eiszeitmuseum, das seinen Sitz inzwischen in Lütjenburg / Darry hat. Dort haben die Müllers mittlerweile eine eigene Vitrine, in der Exponate ausgestellt werden, die sie in Jahrzehnten zusammengefunden haben.

Aber auch der Verkaufsshop des Museums liegt ihnen am Herzen. Dafür fertigt Gerhard Müller bis heute noch Anhänger aus versteinerten Fossilien. Lange waren sie damit auch auf Märkten in Schleswig-Holstein unterwegs, um die Museumskasse zu füllen. „Leider geht das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr“, erklärt Müller. Dennoch: Mehrmals wöchentlich machen sich die beiden auf den Weg nach Darry, um „nach dem Rechten“ zu schauen und sich an dem Leben zu erfreuen, das dort inmitten der Eiszeit herrscht.


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