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Kein Platz für’s Museum

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15 Jahre lang hat Rita Kennel den Besucherinnen und Besuchern mittwochs Fakten und Erinnertes aus dem ehemaligen Kreis Neustettin nahegebracht. Heute tut die Museumsführerin zum letzten Mal regulär Dienst: Für die Sammlung von Akten und Exponaten gibt es nach der sanierungsbedingten Kündigung für die Räume in der Historischen Reithalle keinen Platz in Eutin. Jetzt wird ausgeräumt. Das Diorama geht nach Berlin.

15 Jahre lang hat Rita Kennel den Besucherinnen und Besuchern mittwochs Fakten und Erinnertes aus dem ehemaligen Kreis Neustettin nahegebracht. Heute tut die Museumsführerin zum letzten Mal regulär Dienst: Für die Sammlung von Akten und Exponaten gibt es nach der sanierungsbedingten Kündigung für die Räume in der Historischen Reithalle keinen Platz in Eutin. Jetzt wird ausgeräumt. Das Diorama geht nach Berlin.

Eutin (aj). Wenn Rita Kennel am heutigen Mittwochnachmittag die Tür des Neustettiner Heimatmuseums in der Historischen Reithalle aufschließt, wird sie das zum letzten Mal im Rahmen der regulären Öffnungszeiten tun. Zwar können für den Juli noch individuell Besichtigungs-Termine vereinbart werden, generell aber schließt das Museum zum Monatsende. Grund ist die Kündigung durch die Stadt vor dem Hintergrund der geplanten Sanierung der Reithalle. Für Sonntag, den 30. Juni um 14 Uhr ist eine finale Veranstaltung mit dem Titel „Das Neustettiner Heimatmuseum wird verabschiedet” geplant. Vorgesehen sind ein Vortrag zum Thema “Abschied vom Museum - Ende der Erinnerung?” und eine Versammlung am “Neustettiner Gedenkstein” vor dem Eutiner Schloss. Rita Kennel wird den Teilnehmenden auf einer kleinen Führung noch einmal „ihr“ Museum nahebringen, so wie sie es in den letzten Jahren mit viel Einsatz Mittwoch für Mittwoch getan hat: „Man muss auf die Menschen zugehen und zuhören können“, sagt die Museumsführerin. Sie hat die Geschichten hinter den Exponaten erzählt, Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen und Spurensuchen begleitet: „Unsere größten Schätze sind die 270 Akten zu den Dörfern des Kreises“, sagt Kennel. Diese Dokumente werden nun in Herne eingelagert. Dort befindet sich die „Martin-Opitz-Bibliothek“, deren Schwerpunkt auf den Regionen im heutigen Westen Polens liegt. Um den Rest der Sammlung angemessen unterzubringen hat die Vorsitzende Gesine Reinstrom Kontakt zu verschiedenen Institutionen aufgenommen. So werden beispielsweise Kalender, Karten und Ähnliches an ein Papiermuseum. Auch eine Delegation der Stiftung für Flucht, Vertreibung und Versöhnung aus Berlin hat das Heimatmuseum in der vergangenen Woche besucht und interessiert sich für ein Diorama, in dem eine Fluchtszene nachgestellt ist: „Hier haben viele Menschen gestanden und gesagt: ‚Genau so war es!‘ “, erinnert sich Rita Kennel. Aber es sind nicht nur die Zeitzeugen, die sich für das Museum interessieren. Seit Gesine Reinstrom den Kontakt zu Schulen sucht, erschließt sich ein neues Arbeitsfeld. In diese Richtung hätte eine grundsätzliche inhaltliche Neu-Orientierung gehen sollen. Das entsprechende Konzept hat Schatzmeister Philipp Duske im Herbst 2017 dem Eutiner Sozialausschuss vorgestellt. Vorgesehen war unter anderem, neben einer modernisierten Präsentationsform auch aktuelle Aspekte von Migration und Flucht einzubeziehen und die Quellen in digitalisierter Form zugänglich zu machen. Voraussetzung: Geeignete Räumlichkeiten, zur Verfügung gestellt von der Stadt, denn der Verein kann die Mittel für eine reguläre Miete nicht aufbringen. Herrschte nach dem positiven Feedback durch den Ausschuss seinerzeit Hoffnung auf ein Weiterbestehen in kleinerem Rahmen, gab es am Ende doch die Absage von der Stadt. Bis zum Dezember hat man Zeit auszuziehen. Als ein Grund für das Aus seien die Besucherzahlen genannt worden, so Kennel. Die freilich sind in die Höhe geschnellt, seit die Kunde von der bevorstehenden Schließung die Runde gemacht hat und seit die neue Vorsitzende Reinstrom die Initiative ergriffen hat.
Um die Erinnerung an das Museum, das am 21. Februar 1992 festlich eröffnet wurde, lebendig zu halten, wurde jüngst ein Film gedreht, der im Internet zu sehen sein wird. Für Rita Kennel ist das keine Alternative. Ein Klick auf den Clip wird ihr (und manch anderen) das Aufschließen der Museumstür nicht ersetzen können. Für Sonderführungen im Juli nimmt man telefonisch Kontakt zu Rita Kennel unter der Telefonnummer 04524-657 oder mobil unter 0174-4728264 oder zu Gesine Reinstrom unter der Telefonnummer 04731-5234 auf.



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