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Malenter Waldkindergarten ist auf der Suche nach einer Notunterkunft für gefährliche Wetterlagen

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Die Eltern der Malenter Waldkinder sind in Sorge: Aufgrund der unsicheren Wetterlage ist die Betreuungssituation von Tag zu Tag mindestens ebenso unsicher, denn eine vernünftige Notunterkunft in der Nähe des Bergen Gehölzes, wo der Malenter Waldkindergarten zuhause ist, gibt es nicht. Bei Sturm oder Hagel, bei jeder extremen Wettersituation, die immer häufiger werden, muss der Kindergarten schließen.

Die Eltern der Malenter Waldkinder sind in Sorge: Aufgrund der unsicheren Wetterlage ist die Betreuungssituation von Tag zu Tag mindestens ebenso unsicher, denn eine vernünftige Notunterkunft in der Nähe des Bergen Gehölzes, wo der Malenter Waldkindergarten zuhause ist, gibt es nicht. Bei Sturm oder Hagel, bei jeder extremen Wettersituation, die immer häufiger werden, muss der Kindergarten schließen.

Bad Malente-Gremsmühlen. „Das Coolste am Waldkindergarten“, strahlt Hannes, „sind die vielen Pfützen.“ Sagt es und flitzt mit Anlauf durch eine der meterlangen Wasserlachen im Malenter Bergen Gehölz. Und natürlich sind es nicht die vielen Pfützen, die den Eltern der Malenter Waldkinder Sorgen machen, denn die Lütten sind von Kopf bis Fuß in Matschkleidung unterwegs. Es ist die unsichere Wetterlage gerade in Januar und Februar, die die Betreuungssicherheit zu einer ebenso unsicheren Lage wie das Wetter selber macht.
 
Ist Sturm angekündigt, fürchten die Eltern die Nachricht von Kindergartenleiterin Annekatrin Stoltenberg, dass der Kindergarten am kommenden Tag geschlossen bleibt – „oder dass der Anruf kommt, dass wir unsere Kinder abholen müssen, weil es im Wald zu gefährlich wird“, sagt Jasmin Wollborn, deren kleiner Sohn Friedrich mit Leidenschaft jeden Tag in den Wald flitzt, „wir brauchen bei dieser Wetterlage immer einen doppelten Boden, das ist ziemlich schwierig, gerade wenn man berufstätig ist.“
 
Deshalb wünschen sich die Eltern der Waldkinder eine Art Notunterkunft für die schlimmsten Wettersituationen, für Hagel, Sturm und andere Wettergefahren, die immer häufiger zu werden scheinen – vielleicht ein Raum irgendwo in der Nähe des Bergen Gehölzes, der ein bisschen Schutz bietet, nur bis der Sturm vorüber ist. Zwar haben die Lütten mitten im Wald ihren Bauwagen, den der Waldkindergarten vor allem als Lager nutzt, und den Kinder und Erzieher zwar in Notsituationen als Unterkunft nutzen dürfen, doch sind die Kinder viel im Wald unterwegs und oft weit vom Bauwagen entfernt.
 
„Zudem steht er nunmal mitten im Wald und könnte bei Sturm nicht unbedingt sicher sein“, gibt Ruth Sindt, die Vorsitzende des Elternvereins, zu Bedenken. Als Notunterkunft vereinbart ist das AWO Kinderhaus in der Kellerseestraße – es ist allerdings fußläufig 1,8 Kilometer vom Bergen Gehölz entfernt. Für die Großen des Waldkindergartens kein Problem, für die Lütten mit ihren drei Jahren schon eher, denn so fit und so gern draußen sie auch sind, so weit sind die fast zwei Kilometer trotzdem. Und bei Sturm oder Hagel auch keine Alternative, denn dann mal eben eine halbe Stunde durch Malente zu marschieren, macht keinen Sinn. „Wir wünschen uns schon lange eine Lösung für extremes Wetter“, sagt Waldkind-Mama Freda Ruseler, „aber jetzt wird das Wetter zunehmend unberechenbar, das macht uns wirklich Sorgen.“
 
Schon oft sei dieser Wunsch geäußert worden, aber so recht passiert sei bisher nie etwas. „Dabei ist es so toll, dass es hier so einen Kindergarten gibt“, erklärt Waldkind-Mama Marion Digeser-Schmidt, „für die Kinder, für uns Eltern und auch für die Gemeinde – das erhöht die Lebensqualität für Familien enorm, und das ist es doch, was die Gemeinde will.“ Und jetzt sei es einfach an der Zeit, etwas zu tun, allein um die Betreuungssicherheit in den Wintermonaten zu gewährleisten. „Vielleicht ist unsere Gruppe zu klein, um sie für voll zu nehmen“, befürchtet Jasmin Wollborn. „Dabei ist der Kindergarten immer ausgebucht und heiß begehrt.
 
Und für Malente ein echtes Aushängeschild.“ Eine andere Mutter erzählt, dass sie mit ihrer Familie nach Malente gezogen sei, eben weil es hier diesen Waldkindergarten gibt, von dem nur Gutes berichtet wird. Vor allem von den Kindern, die es lieben, den ganzen Tag draußen zu sein. Aber auch von den Eltern, die täglich erleben, wie glücklich, zufrieden und ausgeglichen ihre Kinder nach sechs Stunden im Wald sind. „Sechs Stunden draußen zu sein, das können sich die meisten gar nicht vorstellen, die Kinder finden das großartig.“
 
Sie entdecken jeden Tag etwas Neues, obwohl sie den Wald wie ihre Westentasche kennen – sie wissen, welche Spuren das Wild hinterlässt, was Rehe, Vögel, Wildschweine am liebsten futtern und wie sie leben. „Das ist echte Nachhaltigkeit“, sagt Annekatrin Stoltenberg, „denn was man kennt und liebt, das schützt man auch.“ Auch die sprachliche Entwicklung der Kinder wird ganz entspannt gefördert, die Lütten erzählen Großen über die tollen Sachen, die sie entdecken, die Großen erklären den Kleinen, was sie vielleicht noch nicht wissen und andersrum.
 
Ganz abgesehen von den motorischen Fähigkeiten, die die Kinder im Wald ganz nebenbei entwickeln. Sie balancieren über Baumstämme, rutschen und klettern Abhänge runter und wieder hoch, springen in Pfützen und sausen durch das Laub – was andere Kinder längst nicht mehr können, die Waldkinder sind spitze darin, das hat der Schularzt den Großen gerade bestätigt. Die Suche nach einem Träger, der den Elternverein ablöst, könnte die Lösung für das Problem sein.
 
„Wir sind jetzt seit fast zwei Jahre daran, einen neuen Träger zu finden“, so Ruth Sindt, „weil wir uns als Elternverein eben nicht in der Lage sehen, genau solche Situationen zu lösen.“ Nach zwölf enorm erfolgreichen Jahren und ausgebuchten Kindergartengruppen bis 2020 würden die Eltern ihren großartigen kleinen Kindergarten zu gern vertrauensvoll in die Hände eines kompetenten, erfahrenen Trägers legen, der ein Herz für den Waldkindergarten hat und ihn im Sinne der Eltern weiterführt. Und ein solcher scheint nun mit dem Kinderschutzbund Ostholstein gefunden zu sein. Mit ihm ist die Gemeinde Malente derzeit in regem Gespräch – „letzte Regelungen müssen natürlich zwischen Kindergarten und Kinderschutzbund getroffen werden“, sagt die bei der Gemeinde für die Kindergärten zuständige Jana Savino, ist aber sehr zuversichtlich: „Wir sind in intensivem Kontakt und auf einem guten Weg.“
 
Dass die unsichere Betreuungssituation bei gefährlichen Wetterlagen schon lange bekannt, aber genauso lange keine Hilfe in Sicht ist, mache die Eltern traurig und vor allem hilflos, denn es gebe schlicht keine akute Lösung und alles ziehe sich ewig hin. „Wir sind keine empfindlichen Eltern, denn dann hätten wir unsere Kinder nicht im Waldkindergarten“, sagt Jasmin Wollborn, „aber wir sind besorgte Eltern und wir würden uns wünschen, dass manches einfach schneller ginge. Wir hätten gern eine sichere Zukunft für unseren Kindergarten, damit noch viele Kinder mehr diese großartige Kindheit erleben können.“ (ed)



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