Reporter Eutin

„Weil die Bienen unsere Hilfe brauchen“

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Hutzfeld (ed). Unterricht im Namen der Biene gab es am vergangenen Mittwoch in der Hutzfelder Heinrich-Harms-Schule: Angeleitet von den „Großen“ des WPUs Angewandte Naturwissenschaften (kurz AnNa) säten die „Kleinen“, die SchülerInnen der dritten Klasse an ausgewählten Stellen auf dem Schulgelände eine bienenfreundliche Wildblumen Mischung. Zusammen mit den Großen ziehen die Kleinen mit Harken, Eimern voller Samen und Gießkannen über den naturnahen Schulhof – schon zuvor hatten die sie zusammen die Orte ausgeguckt, über die nicht getrampelt wird, die keine der üblichen Tobewege der Schüler während der Pausen sind. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Großen und die Kleinen das zusammen machen“, sagt Lehrerin Tanja von der Meirschen, „weil sie genau wissen, wo die Blumen in Ruhe aufgehen können – und sie können ihre Mitschüler daran hindern, drüber zu laufen, weil sie wissen, wo was wächst.“ Der NaWi-Lehrerin liegt es am Herzen, dass die Schüler die Natur respektieren, schützen und ist stolz auf ihre Großen: „Das ist ein toller Kurs. Das machen sie prima, wie sie die Kleinen begleiten und ihnen alles erklären.“
Unter Anleitung der Neuntklässler harken die Drittklässler die Erde auf, säen ihre Wildblumen aus, trappeln sie vorsichtig fest und gießen sie an. Vorher haben die Großen den Kleinen genau erklärt, wieso das so wichtig ist, was sie da tun: „Sie sollen von klein auf merken, dass auch sie etwas tun können“, macht Melina Nowack aus dem WPU AnNa deutlich. Und die Kleinen haben das prima verstanden: „Wir haben überall bunte Blumen gesät“, strahlt Finja aus der dritten Klasse, „weil die Bienen unsere Hilfe brauchen, damit sie nicht aussterben, weil sie sonst nicht genug zu essen finden.“ Und sie wissen auch, dass wir die Bienen brauchen, „weil es sonst kein Obst und kein Gemüse gibt.“ Genau. Auch der designierte Bürgermeister der Gemeinde Bosau eberhard Rauch freut sich über das Engagement der SchülerInnen: „Das ist mega gut, dass sie von klein auf lernen, dass wir etwas für die Bienen tun müssen. In fast jeder Dorfschaft passiert etwas, wir versuchen, immer mehr Flächen bienenfreundlich zu gestalten – und dass das auch hier an der Schule passiert, ist einfach toll.“
Die Wildblumenaktion ist nur eine der Maßnahmen, die an der Hutzfelder Schule zur „Bienenfreundlichen Gemeinde Bosau“ beiträgt: So hat der WPU AnNa es auch geschafft, Schulinsektenhaus zu werden – also Teil eines Projektes der Uni Freiburg, das seinen Fokus auf Umweltbildung und Monitoring setzt. Die Wissenschaftler schicken an die 300 teilnehmenden Schulen Nisthilfen für Wildbienen und Insekten und eine Fülle an Informationen, was man für ihren Schutz tun kann. Eine der Nisthilfen wird im Herbst eingeschickt, sodass die ForscherInnen ermitteln können, wo welche Insektenarten leben, die andere bleibt in der Schule und dient auch dazu, dass die SchülerInnen beobachten können, wer alles auf dem Schulgelände fliegt. Zudem wird auf dem Schulgeländer auf Dünger und Pestizide verzichtet. „Wir wollen einfach so viel wie möglich für die Bienen tun“, erklärt Greta Korwin, „denn wir brauchen sie. Und das wollen wir auch den jüngeren Schülern vermitteln.“
Dank Hans-Alfred Will, dem Umweltbeauftragten der Gemeinde Bosau, haben Wildbienen und andere Nützlinge jetzt noch einen weiteren, ausgesprochen luxuriösen Nistplatz auf dem Hutzfelder Schulgelände. Als er von der Aktion der Hutzfelder Schüler berichtete, sagte Michael Pischke, der Chef der Hutzfelder Baumpflegefirma, spontan, dass er das gern unterstützen wolle und baute ein gewaltiges Insektenhotel. Das rund 70 Kilo schwere Holzhaus brachte der Umweltbeauftragte am vergangenen Mittwoch mit und stellte es mit der Hilfe der Jungs aus dem WPU AnNa und des Hausmeisters Pink an den Rand des kleinen Wäldchens auf dem Schulgelände. Das Haus wird jetzt von den Schülern des WPUs mit unterschiedlichstem Nistmaterial gefüllt, damit möglichst viele verschiedene Insektenarten hier Einzug halten können. Wenn dann im Sommer die Wildblumen an allen Ecken blühen, können sie sich auch über mangelnde Nahrung ganz sicher nicht beklagen und das Hutzfelder Schulgelände wird zu einem richtigen Paradies für Wildbienen. „Und das ist auch für uns gut“, stellt Greta Korwin zufrieden fest.
Und weil es zwar den WPU AnNa an der Schule gibt, der aber erst ab der 7. Klasse gewählt werden kann, haben Tanja von der Meirschen und zwei ihrer Kollegen beschlossen, dass sie ein neues Profil einführen wollen, das schon ab der 5. Klasse die Natur in theoretischer, aber vor allem in praktischer Hinsicht miteinbezieht. Daher kann ab dem kommenden Sommer die „Gartenklasse“ als Profil gewählt werden – eine Idee, die sofort die Runde machte und die LehrerInnen der anderen Fächer begeisterte. Mittlerweile ist es ein ganzheitlicher Unterricht geworden, der fächerübergreifend das Thema Natur behandeln wird. Was im Schulgarten wächst, soll zum Beispiel im Hauswirtschaftsunterricht verarbeitet werden – und im Deutschunterricht gibt es die passende Lektüre dazu. „Das ist ein Unterricht, der jeden abholt“, freut sich Tanja von der Meirschen, „bei dem jeder seine Stärken einsetzen kann und niemand zurückbleibt.“



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