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Das Juwel der Landesgartenschau ist auch ein Kleinod für Eutin

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Der Küchengarten in Eutin

Der Küchengarten in Eutin

Eutin (ed). 95 Prozent dessen, was für die Landesgartenschau entwickelt, installiert und angelegt wurde, so sagen die Verantwortlichen, soll Eutin erhalten bleiben. Und dass die Landesgartenschau im Großen und Ganzen absolut gelungen ist, das müssen auch die größten Kritiker mittlerweile zähneknirschend eingestehen – mit dem Seepark als Freizeitareal für alle Generationen, der schön gestalteten Stadtbucht, die zum Verweilen einlädt. Für viele Eutiner und Gäste ist aber der Küchengarten der schönste Ort der Gartenschau. In den instandgesetzten Ziegelmauern sieht es hier wieder so aus wie zu den Zeiten, als der Küchengarten den Eutiner Fürstenhof mit Obst, Gemüse, Kräutern, Südfrüchten und Weintrauben versorgte. Vor allem für die Eutiner, denen ihr Küchengarten am Herzen liegt, die kaum mit ansehen konnten, wie er über Jahrzehnte immer mehr verwilderte, ein echter Traum. Dafür haben viele Menschen viel Arbeit und noch mehr Liebe investiert – und obwohl dieses Juwel der Landesgartenschau auch ein Kleinod für Eutin ist, das Möglichkeiten als Lern- und Erholungsort und vieles mehr bietet, ist nach wie vor nicht klar, ob er weiter erhalten wird. Für Stephanie Bolz, die den Küchengarten zusammen mit der Landschaftsarchitektin Kathrin Franz, die sich schon seit vielen Jahren für den Schlossgarten begeistert und einsetzt, geplant hat, ist das ein echter Alptraum. "Dieser Küchengarten schreit danach, kultiviert zu werden", sagt sie, "das ist seine Bestimmung." Hier kann man auf den Holzbänken sitzen, die so gut in den Küchengarten passen, und sich vor den warmen Ziegelmauern von der Sonne bescheinen und die Seele baumeln lassen. Es gibt in Eutin kaum einen Ort, der so dazu einlädt wie der Küchengarten – ebenso ist er ein Lernort für Kindergärten und Schulklassen, für Führungen und VHS-Kurse. Basteln, Kochen, Heilkunde, Natur erleben, "nahezu alles ist möglich", weiß Stephanie Bolz um das Potenzial des Küchengartens, "auch inklusive Maßnahmen bieten sich hier an." Allein der Apotheker- und der Hildegard-von-Bingen-Garten bergen so viele Geheimnisse Heilkundiger, dass es für einen ganzen VHS-Kurs reicht. Und der Gemüse- und Obstgarten, den der Verein zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt VEN angelegt hat, lässt jedem, der sich je damit beschäftigt hat, das Herz aufgehen – hier gedeihen Kohlsorten aller Art, Schwarzwurzeln, Palerbsen, all das, was Feinschmecker und Hobbyköche wieder zu schätzen wissen. Auch Showküchen- und Dehoga-Chef Harry Heinsen freut sich jedes Mal, wenn er in der Showküche mit Produkten aus dem Küchengarten kocht. Und wenn der Wind in die Minze fährt, mischt sich ihr Duft mit dem der Rose de Resht im Hildegard-von-Bingen-Garten. "Diese Gärten sind ein Genuss für alle Sinne", strahlt Stephanie Bolz. "Sogar jetzt, wo alles schon über den Höhepunkt hinaus ist, sieht man die Fruchtstände und kann jeden Tag Neues entdecken." Und nicht nur die Pflanzen sind hier das Potenzial, die rund 400 Ehrenamtlichen und ihr Fachwissen sind es, die sich schon seit dem vergangenen Jahr hier engagieren, weit über ihre 100 Ehrenamtlichen-Stunden hinaus, vermutet Stephanie Bolz. "Sie alle haben hier soviel Arbeit und Herzblut hineingesteckt, dass man die Gärten einfach erhalten muss." Nahezu alle haben ihre Bereitschaft erklärt, auch weiter im Küchengarten zu arbeiten – von den Kleingärtnern bis zu Jan-Henning Wülfken, der den Boden hier wieder urbar gemacht hat. Und wo gerade von Herzblut die Rede ist: Die Landschaftsplanerin selbst hat längst ihr Herz an den Küchengarten verloren – auch wenn sie es nie zugeben würde, ist es doch ihr und Landschaftsarchitektin Kathrin Franz zu verdanken, dass dieses Kleinod im Herzen eines der schönsten Gartendenkmäler des Landes wieder strahlt, wie es das wohl zuletzt zu Zeiten Herzog Peter Friedrich Ludwigs getan hat. Die beiden haben Gartenbücher und -pläne gewälzt, Listen durchforstet und vieles im Küchengarten historisch korrekt umgesetzt – wie die Kesselbäume, die es so nur noch in Versailles gibt und die ihren Urspruch im Gartenbarock haben. "Hier könnte – immer in Zusammenarbeit mit der Stiftung Schloss und dem Denkmalschutz – so viel entstehen", wünscht sich Stephanie Bolz, die Pflege wäre durch die Ehrenamtlichen gewährleistet, und auch sie selbst wäre jederzeit bereit, sich weiter für den Küchengarten einzusetzen. Es müsste nur bald etwas geschehen, denn wenn Apotheker- und Kleingarten, Hildegard-von-Bingen- und Nutzpflanzen-Garten weiter hier bestehen, aber innerhalb des Küchengartens umziehen sollen, dann müsse das im Oktober, zur besten Pflanzzeit geschehen, damit die Bäume, Sträucher, Stauden wieder gut anwachsen. Wie die Trägerschaft aussehen könnte, dafür gebe es verschiedene Möglichkeiten – sicher aber sei, dass die Pflege und der Erhalt, die ganze Arbeit, die diesen Küchengarten zu diesem traumhaft schönen Ort macht, ehrenamtlich geleistet werden müsse. "Es wurde hier eine geniale Grundstruktur geschaffen, auf der man aufbauen kann", so Stephanie Bolz, "die Ehrenamtlichen wie der VEN oder die Kleingärtner müssen nur die Chance dazu bekommen. Wir haben hier gelernt, Menschen für das Alltägliche zu begeistern, und das sollte weiter möglich sein." Weitere Ehrenämtler, die Lust haben, sich bei der Pflege und für den Erhalt des Küchengartens und der kleinen Gärten, die er beherbergt, zu engagieren, sind herzlich willkommen und dringend benötigt, denn nur durch ehrenamtliche Arbeit wird es überhaupt möglich sein, diesen Gartentraum zu erhalten. Interessierte melden sich bei Stephanie Bolz unter 04521/7648982 oder s.bolz@eutin-2016.de.



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