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Mit Probewohnen Vorbehalte abbauen

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Das „Team Wohnen“ (von links) Daniel Hettwich, Jutta Burchard, Ali Hassan Ali, Kirsten Ullrich. Foto: KKOH/Heinen

Das „Team Wohnen“ (von links) Daniel Hettwich, Jutta Burchard, Ali Hassan Ali, Kirsten Ullrich. Foto: KKOH/Heinen

Eutin (t). Für Ali Hassan Ali (22) hat das Warten endlich ein Ende. Der aus dem Irak stammende Kurde, der vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland kam, hat seit dem 1. Februar eine neue Bleibe. Eine kleine Wohnung mit 32 Quadratmetern in einem Mietshaus in Krummsee. Das muss reichen für den Anfang. Und besser als die Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft ist es allemal. Dort wohnte Ali mit einem syrischen und einem irakischen Kurden, mit einem Araber und einem Somali auf einem Zimmer zusammen.
Fast fünf Monate hatte Ali Hassan Ali nach einer Wohnung gesucht, unterstützt von Kirsten Ullrich vom Kirchenkreis Ostholstein. Gemeinsam mit Alexandra Klatt kümmert sie sich um Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge. Denn Flüchtlinge haben noch weitaus weniger Chancen auf dem Wohnungsmarkt als Alleinerziehende und Senioren, Großfamilien und Geringverdiener, die bei Bedarf ebenfalls durch den Kirchenkreis bei der Wohnungssuche unterstützt werden. Günstiger Wohnraum ist absolute Mangelware im Landkreis. Allein im Kreis seien rund 2500 anerkannte Flüchtlinge auf der Suche nach einer Wohnung, berichtet Daniel Hettwich, Flüchtlingsbeauftragter des Kirchenkreises. Von den Wohnungsbaugesellschaften zeige sich vor allem die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Eutin eG grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber Flüchtlingen. Seit das „Team Wohnen“ Anfang 2018 an den Start ging hat es auf rund 550 Vermietungsangebote reagiert, Mails und Briefe geschrieben, telefoniert und mit den Schützlingen Wohnungen besichtigt.
„Tatsächlich zustande gekommen sind jedoch nur 14 Mietverhältnisse“, sagt Kirsten Ullrich. Die gelernte Sporttherapeutin und erfolgreiche Triathletin ist seit September 2018 beim „Team Wohnen“. Hartnäckigkeit und Ausdauer hat schon der Sport ihr abverlangt, es fällt ihr schwer, sich mit mittelmäßigen Ergebnissen abzufinden. „Dann muss man die Strategie ändern, um ans Ziel zu gelangen“, sagt sie. Und tatsächlich geht der Kirchenkreis Ostholstein neuerdings einen anderen Weg, um Bedenken potenzieller Vermieter auszuräumen. Zwar wird schon jetzt eine Begleitung und Beratung während der ersten 100 Tage eines Mietverhältnisses angeboten, doch ein neues Vorhaben soll noch weitergehende Sicherheit geben. „Probewohnen“, nennt sich das Programm, bei dem der Kirchenkreis als Mieter auftritt und auf ein Jahr befristete Verträge für Wohnungen abschließt, die dann an anerkannte Flüchtlinge untervermietet werden. Wenn es gut läuft, werden die Verträge nach einem Jahr direkt zwischen Vermieter und Wohnungsnutzer abgeschlossen. Bestätigen sich hingegen Befürchtungen des Vermieters, endet das Mietverhältnis. Hettwich und Ullrich hoffen, dass besonders Wohnungsbaugesellschaften, die sonst zurückhaltend bei Flüchtlingen oder Hartz-IV-Empfängern sind, das zum Anlass nehmen, ihre Vermietungspraxis zu überdenken.
Ali Hassan Ali, der Kurde aus dem Irak, hat übrigens Vermieter gefunden, die in der Vermietung auch eine gesellschaftliche Verantwortung sehen und diese sehr ernst nehmen. Es ist der Pansdorfer Hospizverein „Kinder auf Schmetterlingsflügeln“, dem das Mietshaus in Krummsee seit Anfang vergangenen Jahres gehört.
„Wir haben die Verpflichtung übernommen, die elf Wohnungen weiter preiswert zu vermieten“, erläutert die Vereinsvorsitzende Jutta Burchard. Sie hofft, dass Ali sich jetzt auch gut in die Hausgemeinschaft integriert. Bislang ist er der einzige Flüchtling im Haus. Das Team Wohnen wird ihn auf jeden Fall noch eine Weile unterstützen und motivieren, als nächstes eine Ausbildung anzufangen. Denn bislang hat er als Ungelernter im gastronomischen Bereich gearbeitet. Doch ohne einen vernünftigen Beruf wird es auch für Ali schwer, auf lange Sicht wirklich auf eigenen Füßen zu stehen. Kontakt für Vermieter gibt es unter: bezahlbar.wohnen@kk-oh.de



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