Reporter Eutin

Zwei Eutiner Jungs in Mittelamerika

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Finn und Arne am ersten Tag ihrer Reise in Miami Beach. Die beiden bereisen zur Zeit Mittelamerika und schicken ab und an einen Reisebericht.

Finn und Arne am ersten Tag ihrer Reise in Miami Beach. Die beiden bereisen zur Zeit Mittelamerika und schicken ab und an einen Reisebericht.

Eutin (ed). Seit dem 10. Oktober bereist unser Freier Mitarbeiter Finn Schädlich mit seinem Kumpel Arne Mittelamerika – die beiden Jungs erfüllen sich damit einen Traum und haben sich dazu bereiterklärt, unsere Leser ein bisschen an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen. Und weil es sicher spannend ist, wie sich zwei Eutiner Jungs so durch die Welt schlagen, lassen wir die beiden ab und an an dieser Stelle zu Wort kommen und von ihrer Reise erzählen. Wir, Arne und Finn, haben in diesem Jahr unser Abitur an der Voß-Schule gemacht. Direkt ein Studium anzufangen, kam für uns jedoch nicht infrage. Stattdessen brachen wir Anfang Oktober mit Zwischenstation in den USA nach Mittelamerika auf. Nachdem wir Nicaragua bereist haben, wollen wir uns auf den Weg durch Costa Rica bis nach Panama machen. Frei nach der Devise: So lange bis wir pleite sind! Fünf Tage verbringen unsere beiden Eutiner Jungs in Miami, bevor es auf nach Mittelamerika geht. Hier ein kleiner Exkurs in die Welt der US-Amerikaner: Wie im Flug sind unsere fünf Tage in Miami Beach vergangen. Die Abreise aus den Staaten steht heute an. Doch vorher wartet auf uns noch eine letzte amerikanische Sehenswürdigkeit: der Walmart Supercenter in Miami. 1962 als kleines Einzelhandelsgeschäft gestartet, ist Walmart heutzutage nicht nur der weltweit größte Arbeitgeber, sondern auch das umsatzstärkste Unternehmen der Welt. Auf der anderen Seite ist wohl kaum ein Unternehmen so kontrovers wie der Walmart-Konzern, der systematisch Arbeitnehmerrechte untergräbt, Gewerkschaften verhindert, seine Eigenmarken ausbeuterisch produzieren lässt und in einem harten Preiskampf kleinere Geschäfte in die Insolvenz treibt. Kein anderes Unternehmen verkörpert die radikal freie Marktwirtschaft der USA besser, als Walmart. So durfte bei unserem kurzem USA-Trip ein Besuch im Tempel des Kapitalismus nicht fehlen. Vorher wenden wir uns aber einem anderen umstrittenen US-amerikanischen Unternehmen zu. Der Walmart Supercenter ist nämlich eine halbe Autostunde von unserem Hostel entfernt, eine Busverbindung gibt es nicht, mit dem Taxi kostet die Strecke circa 60 Dollar. Die Lösung heißt Uber, ein Startup-Unternehmen, das private Taxifahrten vermittelt. Per App bestellen wir ein Auto, nur dreißig Sekunden später steht ein Wagen vor unserem Hostel. Etwas überrumpelt verabschieden wir uns von unseren Bekannten und steigen zu William ins Auto. Seit einem halben Jahr fährt er mit seinem Privatwagen für Uber, per App bekommt er Aufträge zugeteilt. Ungefähr 15 Prozent des Fahrpreises müsse er an Uber als Provision abgeben, erzählt William. Nach 29 Minuten kommen wir am Supercenter an, 16 Dollar hat die Fahrt gekostet. Dank einem 22 Dollar Neukundengutschein übernimmt Uber die Fahrtkosten für uns. Als wir den Walmart betreten, sind wir anfangs überwältigt von der Größe. Wir stehen in einer riesigen Halle, unzählige Regalreihen erstrecken sich vor uns, auf Elektroscootern fahren beleibte Shopper durch die Gänge Neben allen möglichen Lebensmitteln, gibt es eine riesige Bekleidungsabteilung, Möbel, Fahrräder, Autoteile, Campingausrüstung, Mülltonnen, Nähmaschinen und Backöfen. Mit leuchtenden Augen laufen wir Provinzkinder durch die größte Chipsabteilung, die wir je gesehen haben, ekeln uns vor Käsecreme in Tuben und fragen uns, wer geschätzte 500 Sorten Senf jemals auch nur probieren kann. Für alle möglichen Unannehmlichkeiten, die das Leben in der ersten Welt so mit sich bringt, ist im Walmart gesorgt. Sind die Augen nach jahrzehntelanger Büroarbeit nicht mehr in der Lage die Kalorienangabe auf der Chipspackung zu entziffern, hilft der Walmart-eigene Optiker. Gegen Burnout hält die Apotheke nach dem Wochenendeinkauf alle Arten von Tabletten bereit. Am Ende liegt in unserem Einkaufswagen eine Jumbopackung Tortillachips, ein Salsadip, der grauenvoll schmeckt, dafür aber günstig war, eine Bluetooth-Musikbox und eine Packung Socken. Mit gutem Gewissen verlassen wir den Walmart. Die Socken sind in den USA produziert. Über das Walmart eigene Wifi-Netz bucht Arne, auch Neukunde bei Uber, die Fahrt zum Flughafen. Als wir direkt am Terminal aus dem Auto aussteigen, wird Arnes PayPal-Konto mit $1,66 belastet. Goodbye good old America! Die nächste Station auf der Reise ist Managua – von da reisen Finn und Arne nach Granada. In Ihrem reporter allerdings erst nächsten Samstag…



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