Alexander Baltz
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Gemeindevertretung stimmt gegen Grundstückskaufvertrag für Niendorfer Neubaugebiet

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Planer Andreas Nagel stellt die Grundstücksfläche vor. (Foto: René Kleinschmidt)

Planer Andreas Nagel stellt die Grundstücksfläche vor. (Foto: René Kleinschmidt)

Timmendorfer Strand. Das geplante Neubaugebiet, das hinter der Hermann-Kröger-Straße in Niendorf/Ostsee entstehen sollte, um dort den so oft geforderten neuen Wohnraum schaffen zu können, wurde abgelehnt: Die Gemeindevertretung stimmte der Genehmigung des Kaufvertrages für das Grundstück am vergangenen Donnerstagabend nicht zu. Der Hauptausschuss hat die Entscheidung tags zuvor nach langen Diskussionen vertagt. Vorausgegangen war eine weitere Sitzung des Hauptausschusses, in der die Mitglieder ebenfalls keine Entscheidung getroffen haben. Bürgermeisterin Hatice Kara zeigte sich nach der Entscheidung sprachlos und perplex: „Eine Chance für die Gemeinde, neuen Wohnraum zu schaffen, wurde leider vertan.“
 
Am Abend zuvor stellte Andreas Nagel vom Planungsbüro Ostholstein das sechs Hektar große Grundstück zwischen der Hermann-Kröger-Straße und dem nahegelegenen Wald mit seinen Begebenheiten und eine mögliche Bebauung vor. „Die landschaftlich wertvollen Gebiete befinden sich am Rand,“ so Andreas Nagel. „Zum Wald sind mindestens 30 Meter Abstand einzuhalten, bis zum Grundstück sind es aber etwa 70 Meter Abstand an der engsten Stelle,“ beantwortete Nagel die Frage von Michael Strümpell (Neue Perspektive), wie viel Mindestabstand zum Wald erforderlich sei und wie viel Abstand tatsächlich eingehalten werden. Die übrige Fläche zwischen Wald und dem Grundstück würde sich laut Nagel als Ausgleichsfläche anbieten.
 
„Es gibt auch keine bindenden Festsetzungen im B-Plan“, sagte er zu den haltlosen Vorwürfen einiger Anwohner, die sich auf ein Schriftstück von 1991 beziehen, in dem eine Erweiterung des festgesetzten Wohngebietes in südliche Richtung nicht in Betracht kommt. „Es ist auch nicht üblich, solche Denkverbote auszusprechen.“
 
Stefanie Paetow (Die Grünen) kritisierte den per Beamer an die Wand geworfenen Vorentwurf mit Einzelhäuser-Bebauung: „Wir brauchen aber Mietshauswohnungen als bezahlbaren Wohnraum.“ Für den parteilosen Udo Halenza sei es der falsche Ort, „um Einfamilienhäuser zu bauen“.
 
Bürgermeisterin Hatice Kara erklärte daraufhin, dass der gezeigte erste Entwurf mit Einfamilienhäusern lediglich eine Grobplanung sei. „Das weitere Verfahren ist doch Sache der Bauleitplanung“, betonte sie ausdrücklich. Nachdem auch die WUB Kara eine Planung mit Einfamilienhäusern vorhielt, schaltete sich Planer Andreas Nagel erneut ein, um die unnötige Diskussion etwas einzudämmen. „Es geht hier heute doch nur um die Fläche an sich und nicht um die Bebauung. Ob- Ein- oder Mehrfamilienhäuser, das wird doch erst später entschieden. Jetzt geht es darum herauszufinden, wie viel Nettobauland entwickelt werden kann“, sagte er. Jörn Eckert befürwortet den Grundstückskauf für die SPD-Fraktion und schlug eine Aufteilung in Mietraum und Eigenland vor: „Dass wir Wohnraum brauchen, steht doch nicht zur Diskussion.“ Für die CDU sei es dennoch wichtig, was dort gebaut werden soll. „Es muss für die Gemeinde auch finanziell tragbar sein,“ sagte Anja Evers (CDU).
 
„Wir haben die Erschließungskosten anhand der aktuellen Ausschreibungsergebnisse im Neubaugebiet ,Blumenkoppel’ berechnet,“ betonte Kara vor. „Und die Gemeinde hat nicht oft die Möglichkeit, Grundstücke zu kaufen.“ In der vorangegangenen Sitzung nannte sie bereits einige Fakten. Zum einen der dringende und große Bedarf an zusätzlichen Wohnraum für Familien mit Kindern, für Senioren, für Einheimische, für Bedienstete im Tourismusgewerbe in jeglicher Form, aber auch die Sicherung der Einwohnerzahl im Hinblick auf Schulstandortsicherung, Kita-Entwicklung und Steuereinnahmen. Für die Blumenkoppel gab es mehr als 200 Bewerber und noch mehr telefonische Anfragen auf 41 Grundstücke. Als Folge dessen sei der Erwerb neuer Grundstücke wie jetzt das „Goosnest“ (laut Bezeichnung in der Flurkarte) hinter dem Sportplatz in Niendorf wichtig. „Dieses Gebiet ist bereits im Zuge der Entwicklung der heutigen Hermann-Kröger-Straße als mögliches Erweiterungsgebiet festgelegt worden. Es wurde damals am fehlenden Interesse des Eigentümers nicht mehr weiterverfolgt,“ so Kara. „Daher wurde sie in dem Flächennutzungsplan der Gemeinde als Wohngebietsentwicklung geführt.“ Sehr frühzeitig, schon im Frühjahr 2013, hat die Gemeinde Abstimmungsgespräche mit dem Kreis, der Unteren Naturschutzbehörde und der Landesplanungsbehörde über Entwicklung von Wohngebieten und Gewerbegebieten geführt. „Schon damals haben alle beteiligten Behörden positive Einschätzungen abgegeben,“ so Kara. „Bisherige Versuche mit dem Eigentümer über einen Vertragsabschluss blieben erfolglos, zuletzt 2014.“ Der Durchbruch gelang dann 2017 mit der Vertragsanbahnung. Vor Vertragsabschluss hat die Gemeinde förmlich eine Planungsanzeige an die Landesplanungsbehörde über das konkrete Grundstück gestellt. „Die zuständigen Behörden haben allesamt positive Stellungnahmen abgegeben und gegen die Planung der Gemeinde auch keine Bedenken geäußert,“ berichtete Bürgermeisterin Kara. Schließlich fand der notarielle Vertragsabschluss unter Genehmigungsvorbehalt statt. Jetzt lehnte die Gemeindevertretung diese Genehmigung ab.



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