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Rudolf Scheffler und Kurt Rühe blicken noch einmal zurück: Die „Brücke nach Domnau“ ist Geschichte

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Kurt Rühe (l.) und Rudolf Scheffler haben noch einmal die alte Karte hervorgeholt und zeigen, wo sie ihr Weg viele Male hingeführt hat. Entsprechend groß ist der Fundus an Geschichten, die sie noch erzählen können. (Foto: Setje-Eilers)

Kurt Rühe (l.) und Rudolf Scheffler haben noch einmal die alte Karte hervorgeholt und zeigen, wo sie ihr Weg viele Male hingeführt hat. Entsprechend groß ist der Fundus an Geschichten, die sie noch erzählen können. (Foto: Setje-Eilers)

Ratekau. Im vergangenen Herbst hatten sie noch allen Grund zum Strahlen. Auf 25 Jahre „Brücke nach Domnau“ blickten Rudolf Scheffler und Kurt Rühe da gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helfern der DRK-Station Ratekau/Sereetz zurück. Damals zeigten sie sich noch zuversichtlich, dass die Brücke aufrechterhalten wird und irgendwann die einhundertste Fahrt dorthin ansteht.
Denn auch, wenn sie altersbedingt selbst nicht mehr bei der 850 Kilometer langen Fahrt mit dem 7,5 Tonner nach Bartenstein beziehungsweise ins polnisch-russische Domnau im ehemaligen Ostpreußen hinterm Steuer sitzen würden, war das Interesse von Freiwilligen in der Gemeinde Ratekau, die ihr Werk fortführen wollten, zunächst recht groß.
Vor einiger Zeit mussten die beiden jedoch bekanntgeben, dass es keine Fahrten mehr dorthin geben wird. Grund: Rund fünf Tage sind für die Fahrt zu veranschlagen. Die Kosten für Unterbringung bei der Zwischenübernachtung und für die Verpflegung müssen von den Freiwilligen selbst aufgebracht werden. Die liegen bei ungefähr 200 Euro pro Tour. Bei vier Fahrten im Jahr kommen so mal eben 800 bis 1000 Euro zusammen. „Abgesehen vom zeitlichen Aufwand ist keiner bereit, das selbst aufzubringen“, erklärt Rudolf Scheffler, der aus den ehemaligen ostpreußischen Gebieten stammt und von dort 1945 über das Haff und die Danziger Bucht fliehen musste.
Den Kontakt in seine alte Heimat hat er immer gehalten. Gemeinsam mit Ratekaus Bürgervorsteherin Gaby Spiller und seinem langjährigen Begleiter Kurt Rühe blickte er jetzt noch einmal auf die letzten 25 Jahre zurück und hatte so einiges zu erzählen.
Die ersten Fahrten 1992 seien zunächst noch von „Heihmwehtouris­ten“ begleitet worden. 18 Fahrzeuge hätten sich da auf den Weg. „Damals war es noch nicht möglich, den direkten Weg zu fahren. In Frankfurt an der Oder ging es über die Grenze“, erinnert Scheffler sich.
Über Beziehungen zur Bonner Harthöhe wurde dem Konvoi später dann ein Visum ausgestellt, das ihnen viele Vorteile brachte. „So mussten wir nicht mehr durch die normale Zollabfertigung. Begleitet vom Grenzschutz ging es durch die Großzollabfertigung“.
1998 wurde dann der ausgedienteBundeswehrlaster angeschafft. Tachostand: 70.000 Kilometer. Preis: 4.200 D-Mark. Nachteil: „Das Fahrzeug war viel zu schwer. Es musste erst einmal auf 7,5 Tonnen abgelastet werden, denn sonst wären wir vom Sonntagsfahrverbot betroffen gewesen“, so Scheffler. „Und was viel entscheidender war“, ergänzt Rühe: „Mit unseren Führerscheinen Klasse 3 hätten wir es erst gar nicht fahren dürfen.“
Kurios auch, was neben unzähligen Rollstühlen und Pflegebetten noch so alles an Hilfsgütern von Ratekau nach Domnau geschafft wurde: Eine Feldbäckerei. Scheffler: „Denn Brot gab es dort in den Anfangsjahren nicht“. Ein Ultraschallgerät. Eine Kuh für eine vierköpfige russland-deutsche Famile. Per Schiff sogar eine Mähdrescher, um dort Landwirtschaft zu ermöglichen.
„Und einmal sind wir nach 14 Tagen gleich wieder hingefahren, obwohl wir unsere vier Fahrten im Jahr schon erfüllt hatten. Ein Sechs-Familienhaus war abgebrannt. Wir hatten 36 Matratzen und alles, was wir an Haushaltsgegenständen auftreiben konnten, an Bord. Auch für jede der betroffenne Familien einen Flachbildfernseher“, erzählen die beiden.
Vor drei Jahren wurden sie dann noch von einer zwölfköpfigen Delegation begleitet, der unter anderem Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller und Gaby Spiller angehörten – schließlich war diese Tour eine Besondere. Im polnischen Bartoszyce, dem ehemaligen deutschen Bartenstein, wurde ein ausrangiertes Fahrzeug der Feuerwehr Techau übergeben. „Wir hier in Ratekau wussten ja, dass das ,Hallo’ jedesmal groß sein soll, wenn die beiden dort ankommen. Bei der Fahrzeug-Übergabe gab es dann aber kein Halten mehr“, denkt Ratekaus Bürgervorsteherin nur allzu gerne an die Feierlichkeiten zurück.
Der alte, umbebaute Bundeswehrlaster ist nunmehr schon verkauft, die „Brücke nach Domnau“ Geschichte“. Was bleibt sind diese und viele weitere schöne Erinnerungen daran.
Rudolf Scheffler möchte sich nun stärker ins Privatleben zurückziehen.
Der ehemalige Biologie-Lehrer Kurt Rühe will sich künftig noch stärker im Natur- und Umweltschutz engagieren und sich seinen Hobbys der Archologie und der Paläontologie widmen.



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