Petra Remshardt

Als Neustadt noch einen Lotsen hatte - Eine Erinnerung von Jochen Lippmann

Neustadt. Für die Schifffahrt gab es auch in Neustadt eine Lotsenstation. Dieses Gebäude befand sich am Strand in unmittelbarer Nähe der Cap-Arcona-Gedenkstätte. Heute ist es ein Ferienhaus. 1913 wurde es vergrößert. Das Lotsenhaus wurde im 18. Jahrhundert erbaut. Das genaue Datum lässt sich leider heute nicht mehr feststellen. 1873 wurde eigens für den Lotsen ein Bootssteg in der Nähe des Hauses gebaut.
 
Der Kapitän Georg Heinrich Scheel, geboren 1881, gestorben 1946, war dort als Lotse tätig. Seine Aufgabe war es, Hochseeschiffe sicher in den Neustädter Hafen zu bringen. Kapitän und Lotse Scheel gehörte der Lotsenbruderschaft NOK in Kiel, Lübeck und Flensburg an.
 
Er war verheiratet mit Anny-Christina Wilhelmine Scheel, geboren 1892, gestorben 1980. Sie hatte zwei Töchter und einen Sohn, der im letzten Krieg mit seinem Flugzeug ums Leben kam.
 
1913 wurden am Wohngebäude größere Umbauarbeiten vorgenommen. Dazu gehörte auch ein kleiner Kuhstall für zwei Kühe, Schweine, Enten, Gänse und Hühner sowie Lagerräume für Heu und die Fischfangnetze. Den Fischfang betrieb er als Nebenerwerb.
 
Da Neustadt ein wichtiger Hafen für Holz, Getreide und Kohle war, war ein Lotse erforderlich. Große Mengen an Holz aus Skandinavien wurden für die Firmen Janus und Dittmer auf dem Seeweg geliefert.
 
Frachtsegler, die den Neustädter Hafen ansteuerten und einen Lotsen benötigten, legten sich vor der Hafeneinfahrt auf Reede und forderten durch Zeigen einer Signalflagge oder durch einen Signalton den Lotsen an.
 
Damals segelten Großfrachtschiffe (Barken, Schoner) den Neustädter Hafen an.
 
Um zu den Frachtseglern zu kommen, benutzter er ein Ruderboot beziehungsweise einen Kahn mit flachem Boden. Die Bootsfahrten waren für ihn sehr anstrengend, denn er musste bei jedem Wetter seinen Pflichten nachkommen. Bei günstigem Wind setze er zu seiner Unterstützung ein kleines Hilfssegel ein. Zur damaligen Zeit gab es noch keine Außenbordmotoren. Da Herr Scheel sehr kinderfreundlich war, durfte ich als kleiner Junge manchmal dabei sein.
 
Der Ursprung des Hafens liegt weiter zurück. Es bestand reger Handel mit Holz und Getreide. Dabei spielte auch die in Neustadt ansässige - seit 1848 bestehende Schiffsmaklerfirma CHT Wolter eine große Rolle. Zu ihren Aufgaben gehörten die geschäftlichen Abwicklungen. Dazu gehörte auch der zollfreie Einkauf.
 
Im Kriegsjahr 1941 wurde die Neustädter Lotsenstation an die Lotsenstation Travemünde übergeben.


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