Gesche Muchow

Auf die Plätze, tanzen, los! Das Folklore-Festival: Eine Erfolgsgeschichte

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Neustadt. Nur noch wenige Tage, dann startet das 30. europäische folklore festival (ehemals Trachtenwoche). Dabei handelt es sich nicht nur um eine wunderbare Tanzveranstaltung, die komplett ehrenamtlich organisiert wird und die nebenbei gesagt Kosten im sechstelligen Bereich verursacht. Alle drei Jahre wird aus der Kleinstadt Neustadt ganz offensichtlich und für jeden spürbar, die Europastadt Neustadt. Sofern noch nicht geschehen, lassen Sie sich infizieren: mit dem Folklore-Virus.
 
Erstmal Geschichte: 1951 wurde die Idee geboren, in Neustadt an der Ostsee ein Treffen verschiedener Tanz- und Folkloregruppen abzuhalten. Waren es zunächst lediglich einige Gruppen, wuchs die Anzahl der Teilnehmer im Laufe der Jahre immer weiter an, kamen anderssprachige Gruppen hinzu und erweiterte sich der Kreis stetig. Denn immer war den Veranstaltern wichtig, dass die Gruppen auch aus anderen europäischen Ländern kamen und dass diese ihr Brauchtum, ihre Tänze und ihre Landestrachten in Neustadt vorführen konnten und man sich miteinander austauschte. Was lag da also näher, als die Gastgruppen auf private Neustädter Haushalte zu verteilen? Diese Form der Unterbringung war eine tolle Idee, denn so fand nicht nur der Austausch bei den Tanzvorführungen, sondern auch beim Abendessen im familiären Kreis statt. Unzählige Freundschaften sind über die Jahrzehnte entstanden und sie leben bis heute fort.
 
Neustadt ist Europastadt: Diese gelebte Form der Völkerverständigung ist das, was das einwöchige Festival in Neustadt auszeichnet und letztlich Neustadt vor 50 Jahren auch den ehrenvollen Titel „Europastadt“ von Seiten des europäischen Rates eingebracht hat. Aus einer guten Idee vor 68 Jahren ist über die Jahrzehnte ein gigantisches Unternehmen gewachsen, das eines geschafft hat: Die Trachtenwoche wurde von einer Kleinstadtveranstaltung zu einem hoch professionellen internationalen Folklore-Festival. Auf diesem Weg hat es aber niemals seine Leidenschaft, Identität und sein Herzblut verloren. Denn immer noch engagieren sich zahlreiche Neustädter für das alle drei Jahre stattfindende Festival und sorgen mit einem riesigen Einsatz für diese eine ganz besondere Woche in Neustadt.
 
Jeder, der diese Woche einmal miterlebt hat, wird sich daran erinnern und alle, die sich mit dem Herzen auf dieses Folklore-Festival eingelassen haben, werden für immer ein Teil davon sein und seinen wunderbaren Geist in sich tragen.
 
Das Programm: Wir können mit einem einfachen Klick auf den richtigen Internetseiten schnell herausfinden, welche tollen Gruppen uns an welchen Tagen bei diesem 30. europäischen Folklore-Festival erfreuen werden. Aber es ist noch einfacher: Man kann in dieser Woche vom 26. Juli bis zum 3. August jederzeit und an jedem Tag in Neustadt hochkarätige und zum größten Teil kostenlose Darbietungen auf dem Marktplatz und am Binnenwasser genießen.
 
Die ehrenamtlichen Macher: Viel wichtiger ist es heute, in aller Vorfreude, die riesige Leistung der bis zu 200 ehrenamtlich Tätigen zu honorieren. Denn die Ausrichtung und Durchführung des Festivals liegt in den Händen von vielen, vielen Neustädtern, die dieses riesige Unternehmen in ihrer Freizeit auf die Beine stellen und viele, viele Stunden ihrer Zeit hergeben, um das Ganze zu organisieren und sich um die Finanzierung und Durchführung zu kümmern. Die Kosten belaufen sich auf rund 220.000 Euro, die jeweils zu einem Drittel durch die Finanzierung der Stadt, ein professionelles Sponsoring und den Verkauf der Eintrittskarten bewerkstelligt werden.
 
Zum Vergleich: Früher gab es eine Holztribüne für das Publikum, eine kleine Bühne, zwei Mikrofone nebst Mischpult und ganze zwei Lichtmasten. Inzwischen wird in Neustadt alle drei Jahre im Sommer die größte Bühnen-, Tribünenanlage, Licht- und Tontechnik in ganz Schleswig-Holstein aufgebaut und installiert.
 
Gastgeber waren und sind nach wie vor die Stadt Neustadt und ihre Bürger unter Federführung des Vereins Trachtenwoche. Doch schnell wurde klar, dass diese Veranstaltung zu groß ist, um sie aus dem Verein heraus meistern zu können. Daher beauftragt der Verein Trachtenwoche das Kuratorium mit der Ausrichtung der Veranstaltung, dessen Zusammensetzung per Satzung fest aus unter anderem dem Bürgervorsteher und Bürgermeister, den Fraktionsvorsitzenden und weiteren Personen besteht und die sich um fachlich versierte Personen erweitern dürfen. Daraus entsteht dann circa zwei Jahre vor dem nächsten Festival das jeweilige Kuratorium, das aus einem Intensivkreis sowie fünf Ausschüssen (Finanzen, Quartiere, Werbung, Gruppenbetreuung und Kartenvorverkauf) besteht.
 
Zahlen und Fakten: Allein die rund zehn aktivsten Kuratoriumsmitglieder sind infolgedessen die nächsten zwei Jahre nahezu durchgehend mit der Ausrichtung des Festivals beschäftigt. Nach einer sehr groben Schätzung verwendet jeder der Teilnehmer durchschnittlich mindestens 3 Stunden pro Woche für die Planung der Veranstaltung, das machte bei einem Stundenlohn von 10 Euro allein 150.000 Euro. Hinzu kommen die knapp 200 Ehrenamtler, bestehend aus unter anderem den verschiedenen Gruppenbetreuern, Moderatoren, Fahrern sowie den Helfern von der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt, dem THW, der DRK-Bereitschaft und vielen anderen, die während der Festivalwoche im Einsatz sind. Geschätzte Kosten bei 10 Tagen Arbeit à 5 Stunden: weitere 100.000 Euro. Das allein wären schon 250.000 Euro Personalkosten, die nicht anfallen, weil alle Beteiligten ihre Aufgaben ohne Bezahlung erbringen. Noch nicht eingerechnet sind die Arbeitsstunden der fünf Ausschüsse, die ebenfalls aus drei bis sechs Personen bestehen und der vielen weiteren Helfer.
 
Sie sind spitze: Ein Mammutanteil der anfallenden Arbeit entfällt dabei auf die jeweiligen Vorsitzenden des Kuratoriums, die alle Fäden in der Hand halten und für einen reibungslosen Ablauf sorgen müssen. Seit nunmehr fünf Jahren und damit das zweite Festival ausrichtend, teilen sich den Vorsitz das Erfolgsduo Barbara Helbach und Uwe Muchow. Letzterer hatte bereits von 2002 bis 2008 den Vorsitz inne.
 
Sie beide teilen die große Begeisterung für das Festival und arbeiten für die Neustädter Trachtenwoche seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Funktionen. Allein die Auswahl, die Kontaktaufnahme und die Organisation von Anreise, Aufenthalt und Unterkunft der inzwischen bis zu 14 Gruppen mit insgesamt bis zu 400 Teilnehmern ist ein riesiger organisatorischer und logistischer Aufwand, den Barbara Helbach neben ihrer Arbeit im Bauamt meistert. Uwe Muchow, geschäftsführender Gesellschafter des reporters, ist der Fachmann für die Finanzierung, das Sponsoring und das maßgeschneiderte Marketing der Großveranstaltung. Beide haben natürlich viele tatkräftige Helfer, Berater und Unterstützer an ihrer Seite, die alle gemeinsam am Ende dafür sorgen, dass die Trachtenwoche ein Folklore-Festival mit internationalem Format ist.
 
Die Arbeit ist fast getan…
Ab Freitag heißt es in Neustadt endlich wieder: „Auf die Plätze, tanzen, los!“ Wir freuen uns auf das 30. Folklore-Festival: Lassen Sie sich infizieren! Es lohnt sich. (gm)


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