Alexander Baltz

„Kinderarmut breitet sich weiter aus“ - Kinderschutzbund gewinnt in der Gesellschaft immer mehr an Bedeutung

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Vorstand und Geschäftsführung des DKSB (Deutscher Kinderschutzbund) trafen sich zur Mitgliederversammlung.

Vorstand und Geschäftsführung des DKSB (Deutscher Kinderschutzbund) trafen sich zur Mitgliederversammlung.

Neustadt. „Nie war der Kinderschutzbund aktueller als in dieser Zeit.“ Mit diesen Worten drückte DKSB-Geschäftsführer Henning Reimann auf der einen Seite seine Freude darüber aus, dass der Verein als Lobby für Kinder mehr und mehr gebraucht wird - auf der anderen Seite bedeute das allerdings auch, dass immer mehr betroffene Kinder und Familien ohne diese Hilfe nicht mehr zurechtkommen. “Sogar Kommunen sprechen den Kinderschutzbund an, weil sie selbst diese Hilfe nicht mehr leisten können, auch im Bereich der Schulsozialarbeit“, so Reimann weiter. Geschäftsführer Martin Liegmann blickte ebenfalls mit Sorge, aber zugleich optimistisch in die Zukunft: „Wir werden für arme und bedürftige Kinder bis zur letzten Patrone kämpfen“.
 
Rückblick 2017:
Bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Mittwoch berichtete 1. Vorsitzende Mechtild Piechulla von einem schwierigen Jahr 2017, welches trotz wirtschaftlichen Wachstums vor allem vom Rückgang der Flüchtlingshilfen durch die ausbleibende Zuweisung von Migranten geprägt war. Weiter etabliert dagegen habe sich das Familienzentrum, hier konnte zum Beispiel mit dem Café für Alleinerziehende das Angebot erweitert werden. „Eine sehr gelungene Veranstaltung war der Weltkindertag, den wir gemeinsam mit dem Gewerbeverein auf dem Marktplatz gefeiert haben“, freute sich Mechtild Piechulla. Stadt und DKSB seien eng miteinander vernetzt. Da sich die Kinderarmut immer weiter ausbreite, wird das Projekt „100 Familien in Not“ fortgesetzt. „Viele Aufgaben können durch immer neue Herausforderungen nur noch hauptamtlich erfüllt werden“, betonte die 1. Vorsitzende.
 
Die Zahlen:
Die Geschäftsführer Martin Liegmann und Henning Reimann lobten den ehrenamtlichen Vorstand für dessen zuverlässige Arbeit und gaben einen Überblick über die Zahlen des Vereins: 2017 waren 364 Mitarbeiter in insgesamt 71 Einrichtungen tätig. Hatte der DKSB 2012 noch 266 Mitglieder waren es am Jahresende 2017 schon 313 Mitglieder. Zwar sei mit 194.585 Euro für 2017 das Spendenaufkommen weiterhin hoch, aber gleichzeitig steige der Bedarf stetig. Der Haushalt für das Jahr 2018 in Höhe von 16,3 Millionen Euro wurde von der Mitgliederversammlung einstimmig genehmigt.
 
Vorschau 2018:
Die Planungen für das aktuelle Jahr sehen eine Weiterentwicklung der Familienzentren vor. Auf neue Flüchtlinge könne reagiert werden, falls die Zahlen wieder steigen sollten. Eine besondere Herausforderung stelle der Umgang mit 80 bis 100 fehlenden Kindergarten- und Krippenplätzen dar; hier fingen Eltern bereits damit an, den Kreis deshalb zu verklagen. Weitere Punkte auf der Tagesordnung waren die Vorstellungen der Projekte „TiK (Traumapädagogik in Kindertagesstätten)“ durch Koordinatorin Jutta Bischoff Menezes und „Kinderschutzzentrum OH-SE“ durch Silke Krause. Das Pilotprojekt TiK wurde vor einem Jahr in Kindertagesstätten und Familienzentren gestartet. Dabei sollen Fachkräfte beraten und fortgebildet werden, um traumatisierten Kindern besser helfen zu können. 310 Fachkräfte konnten dabei erreicht werden.
 
Das Kinderschutzzentrum OH-SE sieht sich nach vier Jahren Planung als ein Netzwerk von Facheinrichtungen der Standorte Ostholstein/Segeberg, um Hilfe im ländlichen Raum besser und schneller leisten zu können.
 
Wahlen: Einstimmig wiedergewählt wurden 3. Vorsitzende Heidi Feilke und Beisitzerin Ute Schielmann-Ziehm. (ab)



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