Marlies Henke

Mit Video: "Ein Signal der Zuversicht" vom Kirchturm – Andreas Brunions tägliche Trompetenklänge

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Andreas Brunion im Glockenturm der Stadtkirche, von wo aus er auch heute und zu Pfingsten seine Trompetenklänge über die Stadt schicken wird.

Andreas Brunion im Glockenturm der Stadtkirche, von wo aus er auch heute und zu Pfingsten seine Trompetenklänge über die Stadt schicken wird.

Foto: Marlies Henke

Neustadt. Vor Corona hörte man Andreas Brunions Trompetenspiel regelmäßig in Gottesdiensten und Konzerten. Seit dem 20. März erklimmt der Kirchenmusiker fast jeden Tag den Kirchturm der Stadtkirche, um von dort aus ein musikalisches Zeichen zu setzen.
 
Gottesdienste sind viele Wochen ausgefallen, Konzerte und Chorproben finden nicht statt, doch wer sich in den letzten Wochen auf dem Marktplatz aufhielt, bekam trotzdem etwas Geistliches zu hören. Und auch in diesen Tagen erklingen fast jeden Werktag um sieben Minuten vor 12 Andreas Brunions kleine Trompetenkonzerte von dem 56 Meter hohen Kirchturm. „Ich möchte den Menschen in dieser beklemmenden Stimmung eine Freude bereiten und ein Signal der Zuversicht geben“, sagt Andreas Brunion zu seiner Motivation für seinen täglichen Aufstieg.
 
Angekommen im „Reich der Töne“, wie er den Turm mit seinen altehrwürdigen Glocken nennt, setzt Brunion drei Mal zum Spielen an, durch die drei Fenster in Richtung Westen, Süden und Osten. Auf dem Programm steht geistliches Liedgut, vorwiegend Choräle, die dem Kirchenjahr angepasst sind, wie zum Beispiel „Wie lieblich ist der Maien“ oder Geläufiges wie „Lobet den Herrn“, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und „Ich weiß, woran ich glaube“, aber auch unbekannteres Liedgut. Wichtig sei die optimale Länge ders Stückes, erklärt Brunion. „Ich muss zusehen, dass ich vor 12 Uhr fertig werde und wenigstens ein Stockwerk tiefer komme, denn um 12 Uhr beginnt das Glockenläuten und das ist im wahrsten Wortsinne ohrenbetäubend.“
 
Auch mit der Witterung hatte Brunion in den letzten Wochen zu tun: niedrige Temperaturen, die das Instrument eiskalt werden ließen oder starker Wind, gegen den er anblasen musste und bei dem nur wenige Töne bis zu den Menschen auf dem Markt durchdrangen.
 
Am heutigen Samstag, dem 30. Mai, spielt Brunion zum 57. Mal. Pfingstsonntag um 11.53 Uhr soll zudem eine selbstkomponierte Fanfare für zwei Trompeten erklingen. (Sollte der Gottesdienst länger dauern, findet das Trompetenblasen vom Turm direkt im Anschluss statt.) Insgesamt 70 Mal möchte er spielen, hat sich Brunion vorgenommen, vielleicht aber auch mehr und länger oder an besonderen Tagen. Beobachtet man die Menschen auf dem Markt, die für einen Augenblick innehalte, lauschen, lächeln und manchmal auch mitsummen, könnte das eine schöne Tradition in Neustadt werden. (he)


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