Petra Remshardt

Was glaubst Du denn? Die Schülerreporter im Gespräch mit Mouaz und Raik

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Neustadt. Kürzlich haben Muslime das Zuckerfest gefeiert. Darüber wollten wir Schülerreporter von der Jacob-Lienau-Schule mehr erfahren. Wir haben zwei Schüler unserer Schule befragt und unter anderem kennengelernt, was sich in den Religionen Islam und Christentum ähnlich ist. Denn in beiden Religionen gab es eine wichtige, außergewöhnliche Person, Mohammed und Jesus, die in enger Verbindung zu Gott standen. Außerdem haben die beiden Religionen teilweise die gleichen Geschichten aus dem Tenach, den heiligen Schriften des Judentums. Natürlich konnten wir am Ende des Gesprächs noch leckere arabische Köstlichkeiten und ein Osterbrot mit Marmelade probieren.
 
Herzlich willkommen, erzählt uns etwas über eure Religion. Wann ist die jeweilige Religion entstanden?
Mouaz: Der Islam hat mit Mohammed angefangen. Im Koran gibt es auch viele Geschichten, die bei den Christen in der Bibel stehen. Mohammed war der letzte Prophet, der nach Jesus gelebt hat, vor 1440 Jahren.
Raik: Jesus hat vor 2019 Jahren gelebt. Das Christentum hat sich aus dem Judentum weiterentwickelt.
 
Wie heißt Gott?
Mouaz: Allah.
Raik: Gott, Jesus und Heiliger Geist, der dreieinige Gott.
 
Wie heißt die Heilige Schrift?
Mouaz: Der Koran ist auf Arabisch geschrieben, es bedeutet: Lesung. Mohammed erhielt 22 Jahre lang Botschaften über den Engel Gabriel von Allah, die 114 Suren. Der Koran wird mit einer schönen Stimme gelesen. Es gibt den Koran auch auf Arabisch mit deutscher, englischer oder französischer Übersetzung.
Raik: Die Bibel besteht aus dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Das Neue Testament ist das Evangelium, auch frohe Botschaft genannt. Früher war die Bibel auf Latein geschrieben. Martin Luther hat sie auf Deutsch übersetzt.
 
Wie heißt das Gotteshaus und wie sieht es aus?
Mouaz: Das Gotteshaus heißt Moschee. Von außen sieht eine Moschee anders aus als eine Kirche. Viele Moscheen haben eine oder mehrere Kuppeln und einen oder mehrere Türme. Oben steht manchmal der Schriftzug „Allah“ drauf oder ein Halbmond. Es gibt alte und ganz modern gebaute Moscheen, große und kleine Moscheen. In der Moschee ist ein großer Saal. Manchmal sind es auch mehrere. In manchen Moscheen gibt es auch kleine Räume für den Koranunterricht. Manche Moscheen sind innen mit schönen Fliesenmosaiken ausgestattet. An der Wand sind Sätze geschrieben oder der Name Allah oder Mohammed. Auf dem Boden liegen Teppiche, sie sind Richtung Mekka ausgerichtet. An der Seite sind Stühle für Männer, die nicht stehen oder knien können. Es gibt ein Regal mit Koranbüchern, die können die Gläubigen lesen, wenn sie möchten. In die Moschee dürfen Männer und Frauen. Männer sind in dem großen Saal, Frauen sind in einem anderen Raum und hören alles über Lautsprecher. In kleinen Moscheen sitzen sie im selben Raum wie die Männer, durch eine Gardine getrennt.
Raik: Bei uns heißt es Kirche. Eine Kirche hat einen hohen Turm, darauf sind Symbole wie zum Beispiel ein Kreuz, ein Hahn oder eine Kugel. Innen im Kirchenraum haben wir Bankreihen zum Sitzen, manchmal auch Stühle. Vorne ist der Altar und darauf liegt die Bibel. Der Altar ist nach Osten ausgerichtet, in Richtung der aufgehenden Sonne. Außerdem sieht man in jeder Kirche ein Kreuz, weil Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist. Seitlich erhöht ist die Kanzel, von der der Pastor predigt. Wir haben meistens eine Orgel in der Kirche. Die Fenster sind meistens bunt. Manchmal sind es Muster, manchmal sind biblische Szenen oder Symbole darauf abgebildet. Wichtig ist auch der Taufstein.
 
Wie wird man Christ oder Moslem?
Mouaz: Jeder Mensch einer muslimischen Familie wird als Muslim geboren. Jedem Neugeborenen einer muslimischen Familie wird die Schahada ins Ohr gesprochen: Aschhadu an la ilaha illa-llah! Aschadu anna Muhammadan rasulu-llah! Das heißt: Ich bekenne, dass es keinen Gott außer dem Einen gibt, und Mohammed ist sein Prophet! Außerdem wird dem Kind der Gebetsaufruf ins Ohr gesprochen. Wenn man sich selbst entscheidet, Muslim zu werden, muss man erst alle fünf Säulen des Islam kennenlernen. Dann kann man zum Imam gehen in die Moschee und sagt die Schahada.
Raik: Wenn man ein kleines Baby ist, entscheiden die Eltern, dass man getauft wird. Dann wird man mit Wasser aus dem Taufstein getauft, also bekommt etwas davon über den Kopf und wird gesegnet. Außerdem bekommt man eine Taufkerze zur Erinnerung. Danach ist dann ein großes Fest. Manchmal gibt es auch Taufen im Meer oder in einem See, dort taucht man ganz unter. Das machen eher größere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Wenn Kinder getauft wurden, können sie sich später konfirmieren lassen. Dann gehen sie zum Konfirmandenunterricht und dann sagen sie selber, dass sie Christ sein möchten und bestätigen in der Konfirmation ihre Taufe als Kind.
 
Wie betet man?
Mouaz: Als erstes wäscht man sich die Hände, das Gesicht und die Füße, damit man rein ist. Betet man in der Moschee, steht vorne der Imam und schaut Richtung Mekka. Die Gläubigen stehen hinter ihm. Der Imam spricht den Gebetsaufruf, dann betet er im Wechsel mit den Gläubigen. Das Gebet folgt einem bestimmten Ablauf, bei dem wir uns verneigen und niederknien. Es schließt mit einem Friedensgruß, den man seinem Nachbarn links und rechts zuspricht. Zum Schluss kann man eine Bitte für sich selber oder für andere an Allah richten. Für das Gebet braucht man einen Gebetsteppich. Es findet fünf Mal am Tag statt.
Raik: Im Gottesdienst singt man viel und es gibt verschiedene Gebete, zum Beispiel auch ein Fürbittengebet, bei dem man für andere betet. Das wichtigste Gebet ist das Vaterunser. Als Christ kann man überall beten und zu jeder Zeit.
Mouaz: Bei uns auch, man muss nicht an einem bestimmten Ort beten. Man kann auch zuhause oder unterwegs beten. Wenn man keinen Gebetsteppich hat, kann man auch seine Jacke nehmen.
 
Was ist wichtig in der Religion?
Mouaz: Es gibt fünf Säulen: Die erste ist die Schahada, das Glaubensbekenntnis. Die zweite ist das Gebet. Die dritte ist, Geld abgeben für die armen Leute. Viertens ist das Fasten wichtig und fünftens ist eine Pilgerfahrt nach Mekka wichtig. Aber das muss nicht jeder machen, nur derjenige, der das kann und das Geld dafür hat.
Raik: Jesus hat sich früher um Arme und Außenseiter gekümmert. Das Wichtigste ist die Nächstenliebe. Außerdem ist die Gemeinschaft mit Gott und anderen Christen im Gottesdienst wichtig. Auch wir sprechen ein Glaubensbekenntnis, beten und haben vor Ostern eine Fastenzeit.
 
Welches ist das wichtigste Fest und wie wird es gefeiert?
Mouaz: Das Zuckerfest und das Opferfest. Das Zuckerfest feiern die Muslime nach Ramadan, der Fastenzeit. Der Anfang vom Ramadan richtet sich nach der Mondphase. Die Fastenzeit dauert 29 oder 30 Tage. Man fastet von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, denn so steht es im Koran. Abends darf man etwas essen. Beim Fasten denken wir an Menschen, denen es nicht so gut geht. Nach Ramadan beginnt das Zuckerfest. Es dauert drei Tage. Das Fest ist ein Friedensfest, an dem alle Streitigkeiten abgelegt werden. Am ersten Tag gehen wir zur Moschee und beten. Man gibt Geld für arme Menschen, man besucht sich gegenseitig und isst Süßigkeiten. Für die Kinder gibt es immer neue Kleidung und Geldgeschenke. Außerdem werden auf dem Friedhof Blumen für die Verstorbenen abgelegt.
Raik: Das wichtigste Fest ist das Osterfest. Es wird am ersten Wochenende nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Ostern ist Jesus, der am Kreuz gestorben ist, auferstanden. In Neustadt gibt es einen Osterfrühgottesdienst in der Friedhofskapelle. Der fängt im Dunkeln an und es werden Kerzen angezündet. Dann sagt man, der Herr ist auferstanden. Außerdem gibt es einen Friedensgruß. Ostern gibt es in der Kirchengemeinde ein Osterfrühstück mit einem Osterbrot und gefärbten gekochten Eiern. Ostern gibt es auch Süßigkeiten. Es werden zum Beispiel Ostereier versteckt und gesucht. (red)


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