Marlies Henke

Wo Steine und Bilder Geschichten erzählen – Verein „Landkunststück“ setzt künstlerische Akzente im OstseeFerienLand

Bilder

Grömitz. Ackerfurchen in einem Findling und wortgewaltige Bilder im Inneren eines Silos – mit diesen beiden unterschiedlichen Werken bereichert der Verein „Landkunststück e.V.“ die Region um Grömitz nun um zwei weitere künstlerische Attraktionen.
 
Mitte September wurden die neuen „Landkunststücke“ in Anwesenheit der Künstler an zwei Standorten eingeweiht. Auf dem Hof Dammer in Cismar ist eine Steinskulptur des renommierten Bildhauers Ulrich Lindow aus Schobüll zu sehen. Sie liegt an einem Radweg am Kattenberger Schulweg. Der „Stein wie eine Landschaft“, so der Titel, spiegelt mit seiner Wellenform und den geschwungenen Furchen die landwirtschaftliche Arbeit in der hügeligen Endmoränen-Landschaft rund um den Kattenberg wider.
 
Im Anschluss an die Eröffnung fuhren die Gäste weiter zum Hof Körnick, wo der Videokünstler Jobst von Berg aus Böel sein Werk namens „Splitter“ präsentierte. Über das Jahr hat er sich mit seiner Kamera der Arbeit auf dem Hof genähert und die landwirtschaftliche Arbeitsweise so kritisch wie respektvoll begleitet. Das Ergebnis ist eine Videoinstallation über den Einzug der Technik auf den Feldern sowie in den Tierställen in Worten und Bildern, die den Betrachter anregen, gängige Klischees und das eigene Verbraucherverhalten zu überprüfen.
 
„An diesen beiden Orten stehen zwei spannungsgeladene Ausdrucksformen im Dialog miteinander. Einerseits die Steinskulptur von Ulrich Lindow, deren Bearbeitung an die über 35.000 Jahre alte Kunstform der Höhlengravur erinnert. Sie wirkt wie eine Signatur in der Landschaft und kommt damit dem, was Bauern tun, sehr nahe“, erklärt Hans-Joachim Mocka, Künstlerischer Leiter von „Landkunststück e.V.“, und führt weiter aus: „Diesem beinahe meditativ anmutenden Stein begegnet die zeitgemäße Technik, derer sich Jobst von Berg bedient, der mit seiner Videoinstallation ebenso erzählerisch wie hinterfragend agiert.“
 
Dass Künstler und Bauern miteinander in den Dialog treten und auch Verbraucher daran teilhaben lassen, ist eine neue Form des Austauschs. Die Flächengeber für die „Landkunststücke“ zeigten sich erfreut über die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Künstlern. Hans-Wilhelm Meier von Hof Körnick schilderte, wie der Blick von außen seine Sicht auf seinen mittlerweile von Heinrich Mougin aus Lenste bewirtschafteten Betrieb verändert hat. Matthias Dammer vom Kattenberg ging in seiner Rede zudem auf die Herausforderungen ein, denen sich nicht nur die Landwirte, sondern alle Bewohner des ländlichen Raums stellen müssen. Die beiden neuen Werke konnten mit finanzieller Unterstützung der Hamburger ZEIT-Stiftung, der Sparkassen-Kulturstiftung Ostholstein sowie von Hans-Wilhelm Meier realisiert werden.
 
Den Auftakt von „Landkunststück“ bildete im Herbst 2017 die „Knolle“ der Bildhauer Ulf Reisener und Ingo Warnke auf Steensens Bauernhof in Cismarfelde. Und das Projekt soll weiter gedeihen. „Diese und weitere Skulpturen wollen wir ab 2019 durch eine Radroute miteinander verbinden“, stellt der Vereinsvorsitzende Ekkehard Briese in Aussicht. Die Chancen dafür stehen gut. Im Achterland haben sich bereits verschiedene Partner – allen voran die Gemeinde Grube – gefunden, die das aus touristischer wie landwirtschaftlicher Sicht interessante Projekt ausbauen und fördern wollen. „Wir freuen uns sehr über das Vertrauen unserer Flächengeber. Wenn wir dafür die notwendige Unterstützung durch die Kommunen und Sponsoren sowie Spenden erhalten, könnten wir dem Ostseeferienland neue Zielgruppen bei Kultur- sowie Aktivurlaubern erschließen“, so Ekkehard Briese.
 
„Landkunststück“ – Die Idee
Der gemeinnützige Verein „Landkunststück“ möchte zum Austausch zwischen Landwirtschaft und Kunst, zwischen Verbrauchern und Landwirten einladen. Die zentralen Fragen lauten: Wie werden wir uns in Zukunft ernähren? Vor welchen Herausforderungen stehen die Menschen, die unsere Ernährung sicherstellen? Welche Chancen haben landwirtschaftliche Familienbetriebe, sich in einem globalisierten Markt zu behaupten? Was wollen Verbraucher und was können Bauern leisten? Und wie lässt sich die Lebensqualität im ländlichen Raum erhalten?
Ansprechpartner sind Ekkehard Briese, Journalist und Vorsitzender des Vereins Förderern, Claudia Reshöft (Freie Journalistin und Autorin) und Hans-Joachim Mocka Ausstellungsgestalter in Schloss Gottorf und Künstler.Weitere Informationen zum Verein und zum Projekt gibt es auf www.landkunststück.de. (red)



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