Reporter Eutin

35 Jahre „Kleidergarage“

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Plön (los). Seit 35 Jahren ist die „Kleidergarage“ eine feste Institution innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Plön. Im Januar hat das 30-köpfige Team der Ehrenamtler das Jubiläum seines Projekts gefeiert, das von Anfang an darauf ausgerichtet war, mit den Einnahmen in verschiedener Weise die Gemeinde-Jugendarbeit zu unterstützen. Sonja Kohlwes hat es 1984 gegründet. Damals startete die gebürtige Dänin das Projekt in der Garage am Pasterstieg mit 12 aktiven Helfern, von denen die Ehrenamtlerinnen Uta Fleischer und Christel Wilhelm noch heute jeden Dienstag ihren Dienst versehen.
In der Kirchengemeinde hatte es in den 80-ern einen Bastelkreis gegeben, dessen kreatives Schaffen in einen Weihnachtsbasar mündete, erinnert sich Sonja Kohlwes. Die Veranstaltung zielte auch damals darauf, für die Jugendlichen innerhalb der Kirchengemeinde durch Spenden zu unterstützen. „Da überlegten wir, ob es nicht möglich wäre, noch mehr Geld als nur über den Basar einzunehmen“, blickt Sonja Kohlwes zurück.
Der Importgedanke kam zur rechten Zeit: Spenden gut erhaltener Kleidung für den guten Zweck und kleines Geld zu veräußern, war in Dänemark bereits verbreitet. „Heute noch viel mehr“, weiß Sonja Kohlwes über die Entwicklung. An dem Prinzip hält die Kleidergarage fest: Aussortierte, aber intakte Kleidung kann hier nach der Idee der „Väter der Klamotte“ einfach abgegeben werden. Das sind rund eineinhalb Tonnen jährlich, schätzt Sonja Kohlwes. Die rund 20 Quadratmeter kleine Kleidergarage hat sich in den Jahrzehnten ihres Bestehens als erfolgreicher „Umschlagplatz“ erwiesen.
Baulich zählt der Raum zum Gebäudekomplex des Pastorats und Gemeindesaals am Markt. „Diese war ursprünglich wohl als Pastorenparkplatz geplant, ist aber nie so genutzt worden“, erinnert sich Sonja Kohlwes. Dass ein Auto hier schlecht einzuparken wäre, liegt auf der Hand: Rund zwei Meter fällt die Böschung im Bereich der Auffahrt steil ab. Statt dessen wurde offenbar umgedacht: So sei hier einmal ein Gruppenraum eingerichtet gewesen, den seinerzeit auch die Jugendgruppe von Pastor Rudolf Rössler als Treffpunkt aufgesucht habe, erinnert sich Sonja Kohlwes.
Der gute Ruf der Kleidergarage hat sich in den Jahren herumgesprochen: Spender aus dem gesamten Kreisgebiet und Kieler Umland bringen ihre Kleidung. Sehr häufig solche Stücke, aus denen man unversehens einfach „rausgewachsen“ ist. „Hoffnungshosen“ nennt sie Sonja Kohlwes , da diese Sachen häufig mit dem Gedanken an die eigene schlanke Taille vergangener Jahre aufgehoben würden. Und manchmal ändern sich eben auch Geschmack und Stimmung, da an Bluse, Blazer, Hemd & Co durchaus auch Erinnerungen und Emotionen haften können. Daher zeichnet sich die Kleidergarage meist durch ein breites Warenangebot und gut gefüllte Regale aus. Die Kleidung aus zweiter Hand wird dafür gründlich durchgesehen und nach Art und Größe sortiert.
Die Möglichkeit, sich hier gut und vor allem sehr günstig einkleiden zu können, gewinnt zunehmende Bedeutung: „Immer mehr Käufer jeden Alters finden den Weg zu uns, und sie kommen aus allen Bevölkerungsschichten“, hat Sonja Kohlwes festgestellt. Aber auch Geldknappheit spiele wohl eine zunehmend größere Rolle, vermutet sie. Darum seien die niedrigen Richtpreise in den vergangen zehn Jahren unverändert geblieben. Selbst wenn der eine oder andere „Wiederverkäufer“ daraus Nutzen ziehen sollte.
Trotz der Vielfalt des Angebots finde nicht jedes Stück einen Käufer. „Was nach einer gewissen Zeit nicht verkauft worden ist, wird aus dem Sortiment genommen.“ Nicht etwa, um in der grauen Tonne zu verschwinden: „Einmal monatlich holt sich die Behinderteneinrichtung Lübecker Vorwerker Werkstätten die Ware ab, bietet diese selbst zum Verkauf an, oder macht daraus Putztücher für Werften, Lappen, Flickenteppiche und verarbeitet Pullis zu Füllmaterial für Autositze. Die aussortierten Sachen lösen sich auf diese Weise ganz zweckmäßig in „Wohlgefallen“ auf.
„Second Hand“ liegt ganz im Trend – insbesondere auch aus Gründen der Nachhaltigkeit: Längst empfiehlt Greenpeace „Gebraucht statt neu kaufen, reparieren statt wegwerfen, zertifizierte Produkte statt billiger Massenware“ und fordert Verbraucher zum Umdenken auf, da ein großer Teil dessen, was sich in deutschen Kleiderschränken befinde, kaum oder gar nicht angezogen werde. Das zeigt Wirkung: „Einige Kunden kaufen hier ganz gezielt aus Gründen der Nachhaltigkeit“, berichtet Sonja Kohlwes. So sind nicht immer das kleine Portemonnaie und die „Taschengeldpreise“ der Grund, die Kleidergarage aufzusuchen, sondern allein die Tatsache, dass hier gute und schöne Kleidung zu bekommen ist, die noch längst nicht ausgedient hat. Das füllt die Spendenkasse. Ende das Jahres werde darüber entschieden, wer begünstigt werden soll. Parallel dazu laufen derzeit sogenannte Ausbildungspatenschaften für Kinder aus Burkina Faso. „Das soll auch beibehalten werden“, sagt Sonja Kohlwes.
Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 11.30 Uhr und 15 bis 17 Uhr.



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