Reporter Eutin

Die Anspannung ist spürbar

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Plön (kud). 9 Uhr morgens. Auf dem Marktplatz vor der Kirche bauen Soldaten Zelte und Sitze für die Ehrengäste auf. Alles ist ruhig. Nur in den Straßencafés am Rande der Langen Straße finden sich zunehmend Menschen ein, die gespannte Blicke zu dem inzwischen mit Flatterband abgetrennten Bereich schicken. Dort werden gleich ihre Söhne, Töchter, Geschwister ihren Eid als neue Maaten- und Bootsmannanwärter ablegen und anschließend ihre Ausbildung in der Marineunteroffiziersschule (MUS) beginnen.
„So ein Unsinn“, schimpft ein Vater, der die Berufsentscheidung seines Sohnes nicht verstehen kann. „Jeder weiß, dass die deutsche Bundeswehr, egal, ob zu Land, in der Luft oder zu Wasser wegen mangelnder Ausrüstung überhaupt nicht einsatzfähig ist. Wenn tatsächlich mal ein Feind kommt, tun wir doch gut daran, einfach die weiße Fahne zu heben.“ Am Tisch treffen seine Worte auf vehementen Widerspruch. Deutsche Soldaten seien in vielen Krisenregionen als Friedensstifter willkommen, interveniert eine Mutter. Eine andere hält dagegen: „Ich habe mein Kind nicht bekommen, um es an einen Krieg zu verlieren.“ Was auch immer die Eltern, die nur als Zaungäste zugelassen sind, davon halten: Ihre jungen Angehörigen marschieren pünktlich um 11 Uhr mit zackigem Schritt und feierlich angespannten Gesichtern auf den Platz. Nach mehreren regnerischen Tagen strahlt die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Die Instrumente des Marinemusikkorps Kiel blitzen.
Matthias Kähler, Kommandeur der MUS, stimmt seinen Nachwuchs, aber auch die Angehörigen am Rande auf die aktuelle politische Lage ein. „Das Gefahrenpotential für Krisen und Konflikte hat zugenommen. Dieser Tatsache tragen die Entscheidungen von Bundesregierung, EU und NATO Rechnung. Das sichtbarste Zeichen dafür ist mehr Geld für das Personal und die Ausrüstung der Bundeswehr.“ Bundeskanzlerin Merkel gehöre international zu den Persönlichkeiten mit der meisten Erfahrung im Umgang mit den Mächtigen – den „berechenbaren und den weniger berechenbaren, den verantwortungsvollen, den gefährlichen und manchmal auch den verwirrten Staatslenkern dieser Welt“. Deshalb habe Merkel auch jüngst bei einem Truppenbesuch in Munster erklärt: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass alle politischen Bemühungen zur Entspannung nur dann wirksam sind, wenn gezeigt wird, dass wir im Falle des Falles bereit sind, uns zu verteidigen.“
70 Jahre Grundgesetz. Bundestagsabgeordneter Ingo Gädechens erinnert die jungen Männer und Frauen, die noch immer in Reih und Glied vor ihm stehen, daran, dass an diesem Tag ihrer Vereidigung das Grundgesetz 70 Jahre alt wird. „Dieses Gesetz ist ohne Zweifel ein Glücksgriff für unser Land“. Dann gibt er den jungen Soldatinnen und Soldaten ein Versprechen: „ Unsere Demokratie wird es sich niemals leichtmachen, Soldaten in bewaffnete Einsätze zu schicken. Deutsche Soldaten werden heute mit internationalem Mandat eingesetzt – nicht in feindlicher Absicht gegenüber anderen Völkern – sondern solidarisch, verantwortungsbewusst und nach sorgfältiger Abwägung durch Beschluss mittels namentlicher Abstimmung im Deutschen Bundestag.“
„Freiheit“ - dieser Begriff nimmt schließlich breiten Raum in der Rede des neuen Kommandeurs der Lehrgruppe B, Thorsten Pötsch, ein. Dank Grundgesetz und damit verbundener Verfassung habe jeder Mensch in Deutschland das Recht zu freier Entscheidung über seine Religion, seine beruflichen Entscheidungen. „Die Pressefreiheit ist in Deutschland größer als in vielen anderen Ländern.“ So habe auch jeder junge Soldat, jede Soldatin, die jetzt bereit sei, den Eid auf die Verfassung abzulegen, dies aus freien Stücken getan. Es werde sicher auch einmal Zeiten des Zweifels geben, so Pötsch. Aber: Keine demokratisch gewählte deutsche Regierung werde ihre Soldaten ohne Not einer Gefahr aussetzen.
Eine kleine Abordnung tritt vor und legt für alle den Eid ab. Das Marinemusikkorps spielt erst das Schleswig-Holstein-, dann das Deutschlandlied. Danach wird die Musik locker. Das Zeremoniell ist beendet, der Platz vor der Kirche leert sich schnell. Bei den „Zaungästen“ bleibt die Stimmung zwiegespalten.



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