Reporter Eutin

Ein Lebenskreis vollendet sich

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Dahlien sind ihre Lieblingsblumen. Auf dem Klostergelände hat Viktoria von Flemming ein Beet angelegt, das mit seinen reichhaltigen Farbschattierungen verblüfft.

Dahlien sind ihre Lieblingsblumen. Auf dem Klostergelände hat Viktoria von Flemming ein Beet angelegt, das mit seinen reichhaltigen Farbschattierungen verblüfft.

Preetz (kud). Ihr herzliches Lachen ist ansteckend. Sie liebt ihren großen Esstisch, weil daran immer wieder liebe Menschen Platz nehmen, die sie, die begeisterte Köchin, bewirten kann. „Das sind Begegnungen, die Freude machen“. Viktoria von Flemming, Priörin des Klosters Preetz, wird ihr großes Esszimmer Ende September gegen ein kleineres tauschen. Nach zehn Jahren endet ihre Amtszeit.
Traurig ist sie darüber nicht. „Für mich endet hier ein Lebenskreis, denn ich werde auch weiterhin auf dem Klostergelände wohnen. Ich ziehe aus dem großen Haus in eine schöne Wohnung mit einem Garten, den ich auch wirklich noch allein bewirtschaften kann“. Ihr „Lebenskreis“ begann trotz vieler Umzüge in Kindertagen (ihr Vater war Soldat) im Kloster Preetz. „Mein Großvater war Probst. Meine Großmutter lebte hier. Deshalb konnten wir nach der Ausbombung zunächst hier sein“.
Als junge Adelige war es selbstverständlich, dass sie Konventualin wurde. „Damit ist aber mit der Heirat Schluss“, erzählt sie. Mit ihrem Mann bekam sie vier Kinder und bewirtschaftete einige Jahrzehnte lang einen Nebenerwerbshof. Selbst geerntete Produkte bereicherten die täglichen Mahlzeiten, zu denen die Kinder immer wieder ihre Freunde mitbrachten. „Es ging ganz schön bunt zu bei uns“, erinnert sie sich und lacht ihr fröhliches Lachen. Lange hat sie sich in erster Linie um die Kinder gekümmert. „Aber irgend wann stellten wir fest, dass sie alle studieren wollten. Das war mit einem Gehalt nicht zu schaffen“. Die gelernte Hotelfachfrau fand schnell die Lösung, aus der dann 20 Jahre Arbeit mit Freude wurde: Bei der „Fünf-Seen-Fahrt“ organisierte sie, machte Buchhaltung, Marketing und besuchte Messen. „In der Betriebsgemeinschaft war mein langer Name störend. Davon haben mich aber meine Kollegen befreit. Der Name unserer Chefin begann ebenfalls mit einem `F`. Und so unterzeichnete sie auch alle Vorgänge. Ich unterzeichnete mit einem kleinen `f` und hatte damit sofort meinen Spitznamen weg: Effchen“.
Der große Einschnitt kam im Jahr 2000, als ihr Mann, der passionierte Landwirt und Kaufmann, verstarb. Vorbei war es mit der Idylle in Timmendorf bei Malente. „Wir waren dort glücklich. Die Dorfgemeinschaft funktionierte sehr gut. Es war ein schönes Miteinander“. Als Witwe durfte sie wieder Konventualin und auch Priörin werden. Als solche hatte sie gemeinsam mit den anderen Konventualinnen Mitspracherecht in Verwaltungsfragen des Klosters. 2008 kam dann die Anfrage, ob sie sich vorstellen könne, Priörin zu werden. Eine Priörin leitet den Konvent und die Klosterordnung von1636 schreibt vor, dass gewisse Angelegenheiten des Klosters dort beraten und beschlossen werden.Erst mit der Wahl zur Priörin konnte ich mit dem Konvent mitbestimmen.
„Glauben Sie mir“, sagt sie und nimmt erst einmal einen Schluck ihres Kaffees, der auch Tote erwecken könnte. „Für den Probst und die Priörin als Klostervorstand ist es nicht leicht, so einen Klosterbetrieb zu bewirtschaften. Immer fehlt an irgend einer Stelle Geld“. Sie zählt auf: „Die Häuser, die wir für die 65 Mietparteien in einem guten Zustand halten müssen. Erschwert wird dies dadurch, dass das gesamte Kloster unter Denkmalschutz steht. Aber wir haben auch Sorge für die 1200 Hektar Wald, 340 Hektar Land und Seenanteile zu tragen. Das ist eine tägliche Rechenaufgabe. Wir werden von einem Förderverein für die Klosterkirchenschätze unterstützt. Jeder Zuschuss aus anderer Hand muss vom Kloster cofinanziert werden, zum Beispiel durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz oder das Landesamt für Denkmalspflege.
Und dann kommt ihr Hauptanliegen: die Predigerbibliothek. Dort lagern wertvolle alte Schriften. Einige von ihnen sind inzwischen in Vitrinen in der Kirche zu bestaunen. „Die Bibliothek ist aber feucht. Täglich müssen wir zehn Liter Wasser entsorgen. Das kann und darf so nicht weitergehen“. Seit Jahren werden einige Bücher immer mal wieder an die Landesbibliothek in Kiel weitergereicht. Dennoch wäre eine Sanierung der Räumlichkeiten sehr wichtig. „Wir gehören aber nicht der Nordkirche an, bekommen also keine Gelder für unser Kloster. Alle Fördergelder müssen wir aus anderen Töpfen schöpfen“. Für eine Klimaanlage hat es bisher noch nicht gereicht.
Ab 1. Oktober wird eine neue Priörin auch diese Aufgabe mit dem Entscheidungsgremium lösen müssen. Sie heißt Erika von Bülow, ist 30 Jahre alt und studierte Kunstgeschichtlerin. Viktoria von Flemming ist zuversichtlich: „Der Betrieb braucht neue Impulse“.
Sie selbst möchte sich nach dem Umzug in die neue Wohnung wieder all dem widmen, das in zehn Jahren zu kurz gekommen ist: Familie, Freunde, ihrem Hobby malen. „Vielleicht belege ich auch einige Kurse an der Uni“. Langeweile, soviel ist sicher, wird im Leben dieser Frau nicht aufkommen, die im Geiste und Herzen so jung ist.



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