Reporter Eutin

„Ein total verrückter Mensch“

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NDR- Kulturmoderator Michael Schreiber, Graf von Reventlou, Journalist Konrad Bockemöhl (v.l.).

NDR- Kulturmoderator Michael Schreiber, Graf von Reventlou, Journalist Konrad Bockemöhl (v.l.).

Kiel-Neumühlen (kud). 1985: Der damalige Ministerpräsident Uwe Barschel und Starpianist Justus Frantz ernten in Schleswig-Holstein eher Spott als Anerkennung. Ein Schleswig-Holstein-Festival soll es geben. Und der weltberühmte Komponist Leonard Bernstein soll das „Zugpferd“ werden, das diesem neuen Festival zu Publikum verhelfen soll. 2018: Die diesjährigen Besucherzahlen des Festivals sprengen wieder alle Rekorde, junge Künstler werden mit dem „Leonard-Bernstein-Award“ geehrt.
 
Jetzt hat der Wachholtz-Verlag einen Bildband über diese kunstprägende Zeit mit dem großen Mitbegründer des Festivals herausgegeben. Vorgestellt wurde das Buch im Gießereimuseum Diedrichsdorf auf Initiative der Stadtteilbücherei Kiel- Diedrichsdorf. „Zeitzeugen“ konnten Peter Schümann, Vorsitzender der Stadtteilbücherei, und Sönke Petersen, Vorsitzender des Museumsvereins, in der alten Gießerei begrüßen und sofort einhelliges Lob für die „wunderbare Location“ ernten. Christian Kuhnt, Intendant des Festivals, entlockt sich einige Stimmtöne und notiert seinem Assistenten in den Block: „ Diesen Raum müssen wir uns merken.“ Nach und nach trudeln viele von den Menschen ein, die damals in den achtziger Jahren daran geglaubt haben, dass es etwas werden könnte mit einem jährlichen Festival in Schleswig-Holstein. Doch damals gab es zunächst ein Problem zu lösen. Lenoard „Lenni“ Bernstein liebte gutes Wetter. Ein Sommer in Schleswig-Holstein? Es begann also mit einer Lüge. Justus Frantz versprach „Lenni“ gutes Wetter.
 
Und tatsächlich. Als sich der passionierte Segler das nördlichste Bundesland ansah, herrschte Kaiserwetter. Bernstein verliebte sich in das kleine Land zwischen den Meeren. Viele Fotografien im Bildband zeigen einen ausgesprochen entspannten Musiker. Moritz Graf zu Reventlou und sein Hausstand haben auf Gut Wulfshagen wohl die Basis für das Wohlbehagen des 1990 verstorbenen „Lenni“ geschaffen. In der alten Gießerei erzählt Reventlou: „Als er erstmals anreiste, stand die gesamte Halle voll mit seinem Gepäck. Bücher waren die Hauptlast. Er hat sich eingerichtet, als würde er immer bleiben, nicht nur einen Sommer. Und er wollte es abends schön haben.
 
Niemand durfte gehen, bevor er ging. Und das war meistens morgens gegen fünf. Dass wir unsere Arbeit auf dem Hof hatten und früh bei der Arbeit sein mussten, hat ihn nicht wirklich interessiert“. So ist das mit Genies. Birgit Comberg ist Mitbegründerin des SHMF. „Alle hielten mich und Justus für verrückt, als wir mit der Idee eines Festivals ankamen. Später hat sich gezeigt, dass wir recht hatten. Lennis Art, mit Künstlern umzugehen, war für uns hier völlig neu. Er hat das junge Festivalorchester erschaffen. Er war verrückt und charmant und bezaubernd“.

Carl-Hermann Schleiffer, damals Staatssekretär im Finanzministerium, hatte ganz andere Berührungspunkte mit dem Weltkünstler. „Er wollte, wenn er selbst keine Auftritte hatte, viele Konzerte pro Abend besuchen. Er wollte einen Hubschrauber. Es war nicht so einfach, das zu organisieren. Aber es hat geklappt“.

Michael Schreiber von „NDR-Kultur“, Moderator des Abends, erinnert sich ebenso wie Journalist Konrad Bockemöhl an die Zeit mit „Lenni“. Bockemöhl: „Interviews und Journalisten mochte er gar nicht“. Dennoch hat „Lenni“ Bernstein dem Schleswig-Holstein Musik-Festival mit seinem Namen zu Weltrum verholfen, was die Besucherzahlen aus aller Welt belegen. Peter Schümann, Zeitzeuge und Vorsitzender der Stadtteilbücherei, erinnert sich ebenfalls an viele Begegnungen mit „Lenni“.

Die schlechte Nachricht zum Schluss: Der Bildband, in einer Stärke von 1250 Exemplaren gedruckt, ist ausverkauft. Zusammengestellt wurde das Material von Bernsteins Sohn Alexander und Intendant Christian Kuhnt.



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