Reporter Eutin

Rauchende Köpfe auf dem Plöner Marktplatz

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Zug um Zug in Richtung „Schachmatt“: Vereinsmeister Winus Müller spielt neun Gegner gleichzeitig aus. Fotos: Schneider

Zug um Zug in Richtung „Schachmatt“: Vereinsmeister Winus Müller spielt neun Gegner gleichzeitig aus. Fotos: Schneider

Plön (los). Ehre und Ruhm gebührt, wer hier gewinnt: „Wenn ich ans Brett komme, bitte ziehen“, sagt Winus Müller in die erwartungsfrohe Runde, „dann ziehe ich“. Schon kann die Partie Simultanschach starten. Ein paar Neugierige haben sich um die ungewöhnliche Tischgemeinschaft versammelt und verfolgen die Spielverläufe. Es geht zur Sache, man nimmt es sportlich. Zug um Zug wird hier ein Bauer geschlagen, dort für’s höhere Ziel ein Springer geopfert, auf dem übernächsten Brett der Turm strategisch verschoben oder dem Läufer klammheimlich der Weg zum Angriff in der Diagonale frei gemacht, um vielleicht – Gardez! – die Dame des Gegners einsacken zu können.
Als Vereinsmeister 2017 der „Schachgemeinschaft (SG) Plöner See“ hat sich Winus Müller zur Aktion „Tag des Schachs“ am Sonnabend auf dem Plöner Marktplatz viel vorgenommen: Neun Gegner zwischen 9 und 81 Jahren will er matt setzen. Eine anspruchsvolle Denksportaufgabe, die pro Brett und Spielzug stets ein neues „Kapitel“ mit Strategiewechsel bedeutet. Es käme dabei aber auch auf den Mitspieler drauf an, verdeutlicht Winus Müller. Wer als Vereinsmitglied demnach regelmäßig zum Training kommt, erweist sich häufig als besonders harte Nuss, die es zu knacken gilt. Rund die Hälfte der angetretenen Gegner nimmt eher aufgrund der guten Gelegenheit quasi „im Vorbeigehen“ am Simultanschach teil.
Hendrik aus Altenhain macht mit seinen Eltern Urlaub in Plön und hat das Tagesprogramm spontan für eine Partie Schach unterbrochen. Der Neunjährige, der bei den sächsischen Jugendmeisterschaften mitspielt, beweist taktisches Fingerspitzengefühl und bleibt lange Zeit im Vorteil. Doch ein einziger taktischer Fehlzug wendet das Blatt schließlich zugunsten Winus Müllers. Seinen Ärger über sich selbst kann der Grundschüler mit einiger Anstrengung tapfer verbergen – auch verlieren will eben gelernt sein.
Werner Granzin, mit 81 Jahren der Älteste Teilnehmer in der gegnerischen Riege, ist begeisterter Hobbyschachspieler und besucht zu diesem Zweck gern das Osterkarree in der Schillener Straße als „Außenstelle“ des Ascheberger Vereins. Vor rund einem Jahr hat sich dort eine offene Schachgruppe formiert, die sich gern zum Spielen trifft.
Mit sieben Jahren ist Jolan aus Hammersbach, der mit seiner Familie ebenfalls die Ferien in Plön verbringt, sogar noch jünger als Hendrik. Er nutzt die zufällige Gelegenheit für eine Partie am Extratisch. „Eigentlich wollten wir nur Eis essen gehen“, erzählen die Eltern. Doch ihr Sohn hatte anderes im Sinn und sich bereits zum zweiten Vorsitzenden der Schachgemeinschaft Dittmar Schnack ans Brett gesetzt. „Er wollte sofort mitspielen“, erzählt der, „das war ziemlich mutig, fand ich.“ Obendrein habe der kleine Urlauber ein überraschend anspruchsvolles Spiel geliefert.
Unter dem Strich beweisen alle beim Aktionstag Geschick und überlegtes Vorgehen. „Die Gegner wehren sich nach Kräften“, zeigt sich Vorstandsmitglied Siegbert Westphal-Stubbe sichtlich zufrieden. Er weiß, dass regelmäßiges Training auch im Denksport Früchte trägt. Es gehe dabei nicht allein um elementare Grundkenntnisse, sondern um das zielgerichtete Ansteuern einer „Matt“-Situation. Schon der Start fordert Einfallsreichtum: „Eine gute Eröffnung liefert den Grundstein für ein gutes Spiel“, sagt er. Und in der mittleren Phase profitiere jeder von viel Erfahrung, gilt es doch, hier für das Schachmatt des gegnerischen Königs den Weg zu ebnen und dabei eine Art roten Faden zu verfolgen. „Es sind sowohl taktische als auch strategische Kniffe gefragt, wie man sie nur durch Üben erwerben kann“, verrät er. Zudem sei es notwendig, auch das Endspiel zu trainieren. Zum Beispiel, um die Vorteile einer „Bauernumwandlung“ zu erringen, die mehr „Schlagkraft“ bedeute. „Dieses Ziel ist erreicht, wenn man seine Bauernfigur bis zur Grundlinie des Gegner durchbringt“, erläutert er. Dort angekommen könne diese in eine beliebige Figur – ob bereits geschlagen oder im Doppelset bereitgestellt - eingetauscht werden. Doch das ist bereits, gibt Westphal-Stubbe zu, die „höhere Kunst“ des Schachspiels.
Info: Die SG Plöner See trifft sich immer freitags im Bürgersaal der Gemeinde Ascheberg, Langenrade 16 – Jugendliche ab 18.30Uhr, Erwachsene ab 19.30 Uhr. Interessierte können unverbindlich bei den Spielabenden vorbeischauen.
Im Osterkarree in der Schillener Straße starten die Partien (Motto: Schach verbindet Welten!) freitags um 15 Uhr. Die Teilnahme an dem offenen Treffen ist kostenlos.



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