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Das Leben meistern mit all seinen TPersonücken

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Heino Jansen und sein Fahrrad. „Es war meine Therapie nach dem Schlaganfall.“

Heino Jansen und sein Fahrrad. „Es war meine Therapie nach dem Schlaganfall.“

Schönberg (kud). Wenn Heino Jansen durch den Ort radelt, kommt er oft nicht weit. Immer wieder heißt es vom Wegesrand: „Heino, warte mal“. Die Schönberger kennen und schätzen ihn. Für einige ist er ein angenehmer Gesprächspartner, für andere auch schon mal der Kummerkasten. Das ist für den Rentner in Ordnung. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass das Leben gern mal unvermutete Haken schlägt, die zu erheblichem Schaden führen können.
Für ihn, als Hohenfelder Jung also in der Tönkerei und nicht in der Probstei geboren, spielen diese alten „Stammesfehden“ keine Rolle. Darüber kann er nur schmunzeln. Und seine frühen Jahre in Hohenfelde hat er mit seinem Fernweh auf ein Mindestmaß beschränkt. Vom platten Land in die Großstadt, so war gegen Ende der 50er Jahre für den Schulabgänger der Plan. „Wenn schon Veränderung, dann richtig“, erinnert er sich. In Frankfurt ließ sich Heino Jansen zum Bäcker und Hotelkonditor ausbilden. „Viele Veränderungen in meinem Leben haben sich durch persönliche Kontakte ergeben“, erinnert er sich. Ergebnis: drei Jahre Arbeit in Schweden. „Mein Ziel war es aber, mich selbstständig zu machen, und das möglichst in Deutschland“. Es folgten drei Jahre in der Campingklause in Hohenfelderstrand und fünf Jahre Dorfgaststätte Schwartbuk. Und dann bot sie sich, die große Chance. Das „Hotel Stadt Kiel“ stand zum Verkauf. Auch, wenn Gebäude und Grundstück mittlerweile zunehmend verwahrlosen – noch immer ist das bauliche Kleinod nicht nur für die Schönberger ein „Hingucker“. Heino Jansen vermeidet es inzwischen aber, daran vorbei zu radeln. Die Erinnerung tut weh. Zunächst aber machte sich Heino Jansen an die Arbeit. Er zählt auf: „Erst kam das Restaurant an die Reihe. Der herrliche Saal zog schon immer Menschen an, die eine schöne Feier planten.“ Aber nicht nur das festliche Ambiente wirkte auf die Menschen sogar aus der weiteren Umgebung wie ein Magnet.
Auch die vielen kulturellen Veranstaltungen sorgten für ein ausverkauftes Haus. Heino Jansen: „Das eröffnete die Möglichkeit, nach und nach auch die 38 Zimmer für anspruchsvollere Gäste umzurüsten.“ Eine Sauna und ein kleiner Wellnessbereich rundeten das Angebot ab. Ein Haus mit Perspektive. Für den angehenden Rentner aber Zeit, an eine Übergabe zu denken. Ein Käufer fand sich schnell. Und damit begann das Malheur. Nur ein Teil des Kaufpreises landete auf seinem Konto, der Rest sollte in Rentenform gezahlt werden. Nach nur einem Jahr mussten die jungen Betreiber Insolvenz anmelden. Seitdem gibt es auch noch Rechtsstreitigkeiten über die Eigentümerfrage. Heino Jansen erlitt einen Schlaganfall. „Mein Fahrrad hat mir bei der Reha geholfen“, schmunzelt er und gibt damit auch die Antwort auf die Frage, warum er mit seinem Zweirad bei Wind und Wetter unterwegs ist. „Nur bei Eis und Schnee bin ich vorsichtig. Dann gehe ich lieber zu Fuß.“
Im „Kaffeehaus“ am Knüll gibt es heute Kaffee und Kuchen. „Ab und zu muss so eine kleine Sünde mal sein“, erklärt er. Das „Früher“ in seinem „Hotel Stadt Kiel“ ist ein Thema, über das er nicht mehr so gerne spricht. „Es ist vorbei, und inzwischen fühle ich mich sogar frei.“
Gerne erinnert sich der radelnde Rentner aber an die 30 Jahre, in denen er Chef der Dehoga war und an die 10 Jahre, in denen er die Geschicke der IHK mitgeleitet hat. Und neben der täglichen aktiven Radelei, die ihm nach dem Schlaganfall wieder ein hohes Maß an körperlicher Autonomie ermöglicht hat, ist da auch noch die Begeisterung für den Sport. Fußball, Leichtathletik, Tennis – danach durchforstet er am Ende des Tages seine TV-Programme. „Am wichtigsten sind mir aber nach wie vor die gesellschaftlichen Kontakte.“
Noch bevor er sein Fahrrad aus dem Ständer bugsiert hat, bleibt wieder jemand stehen. „Hallo, Heino!“ Und schon verschiebt sich die Abfahrt ein wenig.


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