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Gespannte Erwartung und viel Applaus

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Der Plattschnacker aus der Probstei zu Gast bei den Tönkern: Joachim „Achim Schuldt“ aus Laboe hat Zunge, Geist und Herz auf dem rechten Fleck.

Der Plattschnacker aus der Probstei zu Gast bei den Tönkern: Joachim „Achim Schuldt“ aus Laboe hat Zunge, Geist und Herz auf dem rechten Fleck.

Dietrichsdorf (kud). Carmen hat alles im Griff. Strahlend begrüßt sie ihre Gäste, der Begrüßungscocktail für jeden steht bereit. Peter Schümann ist schon in Gespräche vertieft, wirft aber dann und wann erst einen Blick auf die Uhr und anschließend auf die Tür. Wo ist Matthias Stührwoldt? Der soll doch gleich „vertellen“. Erstes „Plattdeutsch-Dinner“ im Vereinsheim des NDTSV Holsatia in Dietrichsdorf. Ausgeheckt von der Stadtteilbücherei Dietrichsdorf (Peter Schümann) und der neuen Pächterin des Vereinsheims (Carmen).
Die Gäste prosten sich zu und witzeln: „Vielleicht ist er mit seinem Trecker im Stau gelandet“. Gemeint ist Matthias Stührwoldt, der den heutigen Abend mal wieder gegen die Melkmaschine tauschen und den Leuten in der Stadt von seinem Leben als Bauer auf dem Land erzählen will. Joachim Schuldt, der „Plattschnacker“ aus Laboe, sortiert derweil noch einmal seine Unterlagen für die Moderation, die er für den heutigen Abend übernommen hat.
In der Küche herrscht seltsame Gelassenheit. Küchenchef André Gauger ist entspannt. Sein Vier – Gänge-Menue ist bestens vorbereitet, der erste Gang, ein frischer Salat aus verschiedenen Nudeln, kann raus. Carmen Gauger, seine Schwester, nickt ihrer Helferin zu. Während sich „Achim“ Schuldt und Peter Schümann noch über Besonderheiten wie „Probsteer“ und Tonker“ austauschen, landen die Teller für den ersten Gang geräuschlos vor den Gästen. Und die haben jetzt erst einmal Zeit für Kunst aus der Küche. Der Bauer aus Stolpe kann sich von der Fahrt erholen, doch dann legt er los und vertellt von seiner Familie. Seine Rechnung, wie viele String-Tangas seiner Tochter in eine Waschmaschine passen, ist beeindruckend, lenkt aber nicht von der köstlichen Gurkensuppe ab, die Carmen und ihre Mitstreiterin jetzt aus der Küche holen. Ein Hauch von frischem Dill rundet das Süppchen wohlschmeckend ab.
Achim Schuldt hat beides im Griff: Süppchen und Moderation. Er liebt seine Probstei und deren Geschichten. Wenn er davon berichtet, fliegt Zeit dahin, ohne dass die Zuhörer es merken. Matthias Stührwoldt bleibt gedanklich auch auf seiner Stolper Scholle und reflektiert den Einzug des W-Lan auf seinem Hof, als sein Sohn und dessen Freunde mal kurz das Stromnetz des Hofes lahm legten.
Carmen und André bleiben ganz ruhig. Sie wissen: Mit dem „Matjes nach Hausfrauenart“ können sie die Aufmerksamkeit der Gäste problemlos wieder in den Bereich Essenskultur lenken. Woher die fischige Köstlichkeit stammt, das verrät André nicht. Aber: Wer dieses Gericht einmal hier gegessen hat, kommt wieder.
Matthias Stührwoldt gehört längst nicht mehr der D-Jugend seines heimischen Fußballclubs an. Dennoch kickt er hin und wieder noch gern. Nur mit dem Duschen danach hat er neuerdings Probleme. „Haare am Büdel“ heißt seine witzige kleine Geschichte rund um die männliche Intimrasur. Achim Schuldt erinnert sich da an andere Begebenheiten. „Bei uns gab es hinterher fast immer eine handfeste Schlägerei.“
André steht tiefenentspannt in der Küche, die aussieht, als hätte an diesem Tag noch niemand darin gearbeitet. Alles blitzt und blinkt. Carmen steckt den Kopf durch die Tür und fragt: „Kann das Dessert raus?“ André holt ein Tablett, zieht die Alufolie ab. Zum Vorschein kommen Gläser mit den „Verschleierten Bauernmädchen.“ Auch die wandern komplett geleert wieder in die Küche.
Peter Schümann freut sich. „Es hat sich wirklich gelohnt, sich als Förderverein der Stadtteilbücherei mal wieder etwas Neues auszudenken.“ Das finden die Gäste auch, plauschen noch ein wenig, trinken noch ein Glas und trollen sich dann zufrieden davon. Achim schmunzelt sein vergnügtes Schmunzeln, nur Matthias ist schon wieder weg. Carmen und André sind zufrieden.


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