Reporter Eutin

Über den Tellerrand hinaus geblickt

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Heikendorf (kud). „Es lohnt sich, immer auch über den Tellerrand hinaus zu blicken“. Fröhlich blättert Beate Geier, Leiterin der Bücherei Heikendorf einen hübsch gebundenen Din-A-4-Ordner durch. Verziert mit witzigen kleinen Cartoons, verbirgt sich auf den Seiten ein Helfer, der es künftig vor allem Familien, die der deutschen Sprache noch nicht so mächtig sind, am aktiven Lesevergnügen in Heikendorf teilzuhaben.
„Aus Berlin stammt die Idee, einen Bibliotheksführer in mehreren Sprachen herauszugeben“, berichtet Beate Geier. „Und da wir hier auch bereits 20 Migrantenfamilien als Kunden haben, dachten wir, es wäre sinnvoll, einen solchen kleinen Leitfaden auch für unsere Bücherei herauszugeben.“ Soweit, so gut. Aber wie übersetzt man deutsche Büchereiregeln ins Arabische? Ein dankbares Lächeln der Büchereichefin wandert hinüber zu Nour Al-Hariri. „Sie war unsere Rettung“, so Beate Geier. Nour ist Syrerin, seit drei Jahren in Heikendorf und schon jetzt so sehr mit der deutschen Sprache vertraut, dass sie die Aufgabe übernahm. „Es war nicht immer ganz einfach, ich musste Beate noch nach vielen Worterklärungen fragen. Aber gemeinsam haben wir es dann ja geschafft.“
Nour besucht inzwischen den 11. Jahrgang der Toni-Jensen-Schule, will ich zwei Jahren Abitur machen und, wenn möglich, danach Zahnmedizin studieren. Derzeit ist sie begeistert von Goethe-Gedichten.
Suzanne Nissen ist ebenfalls Muttersprachlerin. Die gebürtige Britin lebt seit 45 Jahren in Deutschland. Auch sie holte Beate Geier ins Boot. „Wir haben Migranten bei uns, die aus sehr unterschiedlichen Sprachbereichen stammen“, begründet die Büchereileiterin. „Nicht alle beherrschen die arabische Sprache, viele aber das Englische.“ Also machte sich auch Suzanne Nissen an die Arbeit und übersetzte das auf das Notwendigste zusammengefasste Regelwerk ins Englische. Übersichtlich in drei Spalten einer Tabelle zusammengefasst (deutsch, englisch, arabisch), kann so jeder Büchereinutzer nun schnell erfassen, welche Regeln zu beachten sind.
Wolfgang Menges, Heikendorf, übernahm es schließlich, alles in ein übersichtliches Format zu fassen, damit jeder auf den ersten Blick die Frage findet, die er beantwortet haben möchte. Er gestaltete das informative und ansprechende Heft, das Migrantenfamilien ab sofort als Geschenk mit nach Hause nehmen dürfen. Beate Geier: „Ich bin am PC nicht so kreativ und deshalb sehr dankbar für diese ehrenamtliche Unterstützung.“
Was aber könnte Migranten veranlassen, eine deutsche Bücherei aufzusuchen? Nour lacht. „Wenn wir hier in Deutschland ankommen wollen, ist es notwendig, so schnell wie möglich die deutsche Sprache zu lernen. Hier in Heikendorf bekommen wir dazu sehr viel Hilfe.“ Und die sieht so aus: Eine ganze Ecke der Bücherei ist inzwischen der Literatur vorbehalten, die aus dem arabischen Raum stammt, in unterschiedlichen Sprachen, die dieser beherbergt. Dazu gibt es viele Lexika, mehrsprachige Lernspiele. „Wir sind bemüht, unser Repertoire ständig zu erweitern. Dazu bestellen wir direkt in den Ländern, in denen die Bücher erscheinen“, erzählt Beate Geier.
Nour reiste vor drei Jahren zunächst mit ihrem Vater an. Seit acht Monaten sind auch die Mutter und ihre Geschwister endlich in Heikendorf gelandet. Alle sind inzwischen regelmäßige Besucher der Bücherei. Nour: „So können auch sie am schnellsten lernen, deutsch zu sprechen.“
Hier noch einige Termine bis zum Jahresende:
Am Donnerstag, 25. Oktober um 19 Uhr geht es spannend zu in der Bücherei. „Das hat was“ lautet das Thema des Abends. Elke Mahnke und die Projektgruppe Biografieforschung stellen ihre spannende Sammlung von Lebensgeschichten vor.
Bis zum 8. November dauert der Bücher-Flohmarkt, zu dem der Freundeskeis der Gemeindebücherei einlädt.
(F)rohe Weihnachten die Zwölfte stehen am Donnerstag, 29. November um 19 Uhr auf dem Programm der Bücherei. Satirisches rund um das Fest der Liebe steht auf dem Programm.
„Abend der Literatur“ schließt das Jahresprogramm am Freitag, 7. Dezember, im Ratssaal ab. Dr. Rainer Moritz, Autor und Leiter des Literaturhauses in Hamburg präsentiert Buchneuheiten. Für die künstlerische Untermalung sorgt die Harfinistin Miachela von Karger.



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