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CBD zwischen Hype und Regulierung: Was ist erlaubt und wo laufen Grauzonen?

Bild: Adobe Stock

CBD ist in wenigen Jahren vom Nischenprodukt zum Massenmarkt geworden. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist die Rechtslage undurchsichtig, da verschiedene Rechtsgebiete tangiert werden. Je nach Produktform greifen Betäubungsmittelrecht, Lebensmittelrecht, Arzneimittelrecht und Produktsicherheitsrecht unterschiedlich.

Erlaubt oder verboten? Es kommt auf die Produktform an

CBD als Stoff ist nicht illegal. Der Europäische Gerichtshof hat CBD bezogen auf die Betäubungsmittelproblematik nicht als Betäubungsmittel eingestuft, wenn es rechtmäßig erzeugt wurde. Das gilt jedoch nicht für alle Produktformen und sagt nichts darüber aus, ob ein konkretes Produkt als Lebensmittel oder Arzneimittel angeboten werden darf.

Die größte Grauzone entsteht in Deutschland beim Vertrieb als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung. Nach der Logik des EU Novel Food Rechts gilt Cannabidiol nämlich in der Regel als neuartiges Lebensmittel, weil eine relevante Verwendung vor 1997 nicht belegt werden kann. Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anmerkt, gibt es jedoch für CBD als neuartiges Lebensmittel noch keine Zulassung, und derartige Erzeugnisse sind damit nach dortigem Stand nicht verkehrsfähig.
Es wird hiermit deutlich: Ein Produkt kann „nicht berauschend“ sein und trotzdem lebensmittelrechtlich problematisch. Wer CBD in Ölform kauft, sollte sich also genau schauen, wie es deklariert ist. Nahrungsergänzung? Aroma? Kosmetik? Technik? Die Einordnung entscheidet, welche Regeln Anwendung finden und welche Behörde zuständig ist.

Im Rahmen der Verbraucherforschung kann es auch einmal interessant sein, zu schauen, wie viele Informationen ein Anbieter überhaupt bereit ist offen zu legen. Ein Beispiel für die Einordnung von Produktangaben ist etwa hochwertiges CBD Öl, weil man dort typischerweise erkennen kann, ob Konzentration, Chargenbezug und Dokumentation transparent angegeben werden.

Novel Food, THC und Werbung: Wo liegen die Grauzonen?

Der zentrale Streitpunkt der Novel Food Einordnung betrifft nicht nur die Inhaltsstoffe an sich, sondern die Vermarktung als Lebensmittel.

Ein weiterer Punkt ist THC. Auch wenn ein Produkt in erster Linie auf CBD abzielt, können Spuren anderer Cannabinoide wie THC enthalten sein. Hier sind die Grenzwerte, die Analytik und die Frage, ob ein Produkt nicht vielleicht missbräuchlich zu Rauschzwecken eingesetzt werden könnte, von rechtlichem Belang. Der entscheidende Hebel für den Verbraucher ist hier aber nicht die Diskussion um die Prozentzahlen, sondern der belastbare Laborbericht zur Charge, ohne die es sich bei einem Analysepapier um Marketing handelt.

Auch die Werbeaussagen sind ein Feld, in dem schnell Gefahren lauern. Behauptet wird, dieses oder jenes Produkt habe medizinische Wirkungen, dann ist rasch der Weg in Arzneimittelrecht und den Bereich unzulässiger Health Claims beschritten. Seriöse Informationen beziehen sich daher auf Inhaltsstoffe, Qualitätssicherung und sachgerechte Anwendung ohne Heilversprechen.

Warum Qualitätsprüfung eine rechtliche Selbstverteidigung ist?

Wer das rechtliche Risiko kleinhalten will, sollte nicht „den besten CBD Effekt“ suchen, sondern nachprüfbare Produktinformationen. Eine kurze Prüfliste ist in der Praxis wirksamer:

  • Kategorie und Deklaration: Steht darauf klar, was das sein soll und passt das zur Aufmachung?

  • Chargennummer: ohne Charge keine echte Rückverfolgbarkeit Laboranalyse zur Charge: Cannabinoidprofil und relevante Rückstände müssen zur konkreten Charge passen.

  • Konzentration in mg: Prozentangaben sind fehleranfällig. mg pro ml oder mg pro Tropfen sind aussagekräftiger. T

  • ransparenz zu Herstellung: Extraktionsverfahren und Trägeröl sind keine Detailfragen, sie beeinflussen Konsistenz und Dosierbarkeit. Wer diese Punkte nicht findet, sollte skeptisch sein, völlig unabhängig vom Preis. Umgekehrt ist ein Dokument allein keine Garantie, wenn es unvollständig ist oder nicht zur Charge passt.


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