

Ob der Duft von frisch geschälten Orangen oder der würzige Geruch von Rosmarin: Dahinter stecken meist dieselben chemischen Verbindungen. Terpene zählen zu den wichtigsten Aromastoffen der Pflanzenwelt, und ihre Aufgabe geht weit über den guten Geschmack hinaus.
Kaum eine Gruppe von Naturstoffen ist so vielseitig wie die Terpene. Sie sorgen für Duft und Geschmack, dienen Pflanzen aber in erster Linie als Überlebenswerkzeug. Wer verstehen will, warum Zitrusfrüchte frisch riechen, Nadelwälder so charakteristisch duften und Lavendel beruhigend wirkt, kommt an ihnen nicht vorbei.
Terpene sind organische Verbindungen, deren Grundgerüst sich auf sogenannte Isopren-Einheiten zurückführen lässt. Laut einer Übersicht der Pharmazeutischen Zeitung umfasst bereits die Gruppe der Monoterpene rund 900 bekannte Substanzen, während die Sesquiterpene mit mehr als 3.000 Verbindungen als größte Terpenklasse gelten.
Je nach Anzahl der enthaltenen Isopren-Einheiten unterscheidet man außerdem Hemiterpene, Diterpene und weitere Klassen, wobei mit steigender Molekülgröße meist auch die Flüchtigkeit und damit die Duftintensität abnimmt. Der Begriff „Terpen" stammt vom Naturharz Terpentin ab. Ätherische Öle, wie sie etwa aus Kräutern oder Zitrusschalen gewonnen werden, bestehen zu einem Großteil aus genau diesen Verbindungen.
Für die Pflanze selbst ist der angenehme Geruch ein reiner Nebeneffekt. Wie Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena zeigen, übernehmen Terpene in der Natur vor allem Schutz- und Kommunikationsaufgaben: Manche wirken pilz- oder insektenabwehrend, andere locken gezielt Bestäuber an, wieder andere warnen benachbarte Pflanzen vor einem Schädlingsbefall.
Wird eine Pflanze verletzt oder von Schädlingen befallen, kann sich die Freisetzung bestimmter Terpene sogar kurzfristig verstärken, um natürliche Feinde des Angreifers anzulocken. Die Produktion ist dabei kein Zufall, sondern genetisch festgelegt, jede Art bringt ihr eigenes, charakteristisches Terpenprofil hervor.
Für die Lebensmittel-, Kosmetik- und Parfümindustrie sind genau diese Eigenschaften interessant. Limonen verleiht Zitrusfrüchten ihre erfrischende Note und wird als natürlicher Aromastoff in Getränken, Backwaren und Süßigkeiten eingesetzt, Menthol sorgt für den kühlen Effekt in Kaugummi und Mundpflegeprodukten, und Linalool sowie Geraniol finden sich wiederum in Parfüms und Cremes wieder.
Auch in der Küche spielen Terpene eine größere Rolle, als vielen bewusst ist: Sie stecken in frischen Kräutern wie Basilikum und Thymian ebenso wie in Gewürzen und tragen so maßgeblich zum Aroma vertrauter Gerichte bei. Weil Terpene licht- und oxidationsempfindlich sind, müssen isolierte Öle meist kühl und dunkel gelagert werden, damit ihr Duft möglichst lange erhalten bleibt.
Abseits von Lebensmitteln und Kosmetik genießen Terpene zunehmend Aufmerksamkeit. In der Aromatherapie werden ätherische Öle wie Lavendel-, Eukalyptus- oder Zitronenöl traditionell zur Entspannung oder zur Unterstützung des Wohlbefindens eingesetzt, wobei die enthaltenen Terpene für die jeweilige Duftwirkung verantwortlich gemacht werden.
Linalool etwa, ein Hauptbestandteil des Lavendelöls, wird mit einer beruhigenden Wirkung in Verbindung gebracht, während frische, zitrusartige Terpene wie Limonen eher belebend wahrgenommen werden. Wissenschaftlich ist die genaue Wirkweise vieler dieser Effekte noch nicht abschließend geklärt, dennoch nutzen Menschen ätherische Öle bereits seit Jahrhunderten zu diesem Zweck.
Besonders bekannt ist das Terpenprofil inzwischen bei der Cannabispflanze, deren Terpene neben den Cannabinoiden maßgeblich für Duft und Wirkung der einzelnen Sorten verantwortlich gemacht werden. Von zitrusfrisch bis erdig-würzig: Die Zusammensetzung unterscheidet sich von Sorte zu Sorte teils erheblich und wird in der Szene inzwischen fast so aufmerksam verfolgt wie der reine THC- oder CBD-Gehalt.
Gebildet werden die Terpene in denselben winzigen Drüsentrichomen auf der Blüte, in denen auch die Cannabinoide entstehen, weshalb Duft und Wirkung eng miteinander verknüpft sind. Genau wie bei anderen Pflanzen sollen sie hier zusätzlich vor UV-Strahlung und Fraßfeinden schützen, gleichzeitig gehen sie mit den Cannabinoiden eine Synergie ein, den sogenannten Entourage-Effekt, dem positive Wirkungen wie Entspannung oder Stimmungsaufhellung zugeschrieben werden.
Terpene sind damit weit mehr als eine duftende Begleiterscheinung: Sie prägen, wie eine Pflanze riecht, schmeckt und mit ihrer Umgebung kommuniziert, und liefern die Grundlage für zahlreiche Aromen, die im Alltag längst selbstverständlich geworden sind. Wer künftig an einem Zweig Rosmarin reibt oder eine Orange schält, riecht im Grunde ein Stück pflanzlicher Überlebensstrategie

































