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Klassengarten Waffelteig = toller Unterricht

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Eutin (aj). Unterricht muss nicht immer im Klassenraum stattfinden und auch Heft und Buch sind zuweilen entbehrlich, das erleben die Mädchen und Jungen der Klasse 3d am Kleinen See immer wieder ganz selbstverständlich. Da findet die Frühstückspause schon mal auf dem Rasen vor dem Klassenraum statt, die Säcke mit den Kartoffelpflanzen wollen gegossen sein, die Pflanzen im Hochbeet Marke Eigenbau brauchen regelmäßige Pflege. Mühe, die belohnt wird – mit einer leckeren Ernte. Der Kürbis aus eigenem Anbau wurde zu Marmelade verkocht und weil es nicht das einzige Rezept ist, das Lehrerin Barbara Kleinmann in petto hat, die Kaninchen der Nachbarschaft sich die Früchte aber auch schmecken lassen, spendierte Lennox noch ein großes Exemplar aus seinem Garten zu Hause. Kürbiswaffeln standen auf dem Stundenplan und dafür wurde die Grünfläche zwischen den Klassenräumen diesmal zur Openair-Küche. „Das geht ganz schön schwer“, erklärte Shannon, die ausdauernd Kürbis raspelte.
 
Das leuchtend orangefarbene Fruchtfleisch wurde ein paar Meter weiter auf Kochplatten zu einem Fruchtbrei aufgekocht. Im Klassenraum vermengten Zakakria und seine Freunde das Kürbismus mit dem Mixer schon mit einem Waffelteig - mit Sachverstand und Erfahrung: „Ich habe schon gebacken, Schokokuchen zum Beispiel“, verriet Birhat stolz und tatsächlich sah man, dass auch Zakaria den Mixer nicht zum ersten Mal in der Hand hielt. In drei Gruppen waren die Kinder am Werk. Hochkonzentriert und hochmotiviert – und mit Unterstützung von Nele Petersen und Sarah Westphal: „Ohne unseren beiden Praktikantinnen wäre es wirklich schwierig geworden, das hier zu wuppen“, meinte die erfahrene Pädagogin Barbara Kleinmann, die inmitten des fröhlichen Trubels den Überblick behielt und diejenigen ihrer Schützlinge, die gerade nicht mehr für die Vorbereitungen zum Waffelbacken gebraucht wurden, kurzerhand in der Kartoffelernte einsetzte. Da wurde gebuddelt, gesucht, schließlich fielen die Pflanzsäcke und die freudige Entdeckung „Ich hab‘ welche!“ mischte sich in das Brummen des Handmixers. Eine große Schale voll Kartoffeln war die Ausbeute: Was daraus werden soll, überlegte Barbara Kleinmann schon mal. Doch egal, ob Kartoffelsalat oder Pellkartoffel mit Butter und Salz, die Ausstattung der Gustav-Peters-Grundschule am Kleinen See hinkt weit hinter dem Ideenreichtum des Kollegiums her: „Hätten wir eine Schulküche, wäre das alles viel leichter“, stellte Kleinmann mit Blick auf die unterschiedlichen Kochplatten auf den eigens dafür nach draußen geschafften Tischen fest. Es wäre längst Zeit für eine moderne Schule.
 
Derweil kamen die Waffeleisen auf Temperatur und es zeigte sich, dass die Jungen und Mädchen nicht nur prima sind in Teamarbeit und Küchenjobs, sondern auch geduldig warten und gönnen können. Smilla bekam die erste Waffel, Daisy kredenzte der Freundin den Puderzucker: „Schmeckt!“ lautete das Urteil. Und die beiden jungen Praktikantinnen backten zügig, damit alle schnell genießen konnten: „Hier ist es kein Tag wie andere“, sagte Sarah Westphal. Sie studiert auf Lehramt – und sie war einmal selbst Schülerin von Barbara Kleinmann: „Sie macht einfach tolle Sachen“, befand auch Nele Petersen und erzählte davon, wie die Klasse Schmetterlinge aufgezogen und freigelassen hat. „Mir ist wichtig, dass die Kinder den Kreislauf des Lebens erfahren“, betonte die Lehrerin. Deshalb werden auch die Samen des Kürbis aufgehoben und nächstes Jahr in die Erde gebracht. An diesem sonnigen Tag aber gab es erst einmal Kürbiswaffeln und die mundeten so munden so prima, dass Nurhan klarstellte: „Heute ist der beste Tag!“


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