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Malente hat die Wahl

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in besonderer Wahlkampf liegt hinter Tanja Rönck (parteilos) und Heiko Godow (CDU, li.): Corona schränkte die Möglichkeiten der persönlichen Begegnung ein und der Krieg in der Ukraine liegt als dunkler Schatten über allem. Beim direkten Aufeinandertreffen im Kursaal präsentierten die Amtsinhaberin und ihr Herausforderer ihr Programm - und sich. Moderator war der Journalist Carsten Kock.

in besonderer Wahlkampf liegt hinter Tanja Rönck (parteilos) und Heiko Godow (CDU, li.): Corona schränkte die Möglichkeiten der persönlichen Begegnung ein und der Krieg in der Ukraine liegt als dunkler Schatten über allem. Beim direkten Aufeinandertreffen im Kursaal präsentierten die Amtsinhaberin und ihr Herausforderer ihr Programm - und sich. Moderator war der Journalist Carsten Kock.

Foto: A. Jabs

Malente (aj). Malente hat die Wahl: Am kommenden Sonntag können die Bürger*innen entscheiden, wer künftig im Rathaus Regie führt. Beim öffentlichen Aufeinandertreffen im Kursaal in der letzten Woche zeigte sich Amtsinhaberin Tanja Rönck sattelfest in allen Projekten und unaufgeregt angesichts der Vorwürfe gegen ihre Amtszeit, die bereits lange im Vorfeld von den Fraktionen der Gemeindevertretung formuliert worden waren. Heiko Godow (CDU) spielte indes die Karte des selbstbewussten Herausforderers souverän aus. Die Bürger*innen, die der Einladung zur Vorstellung zahlreich gefolgt waren, erlebten zwei konzentrierte Bewerber, deren unterschiedliche Charaktere sich bereits im achtminütigen Vorstellungsblock offenbarten. Während Tanja Rönck vor der Tür warten musste, präsentierte sich Heiko Godow als erfolgreicher Geschäftsmann mit Erfahrung in Kommunalpolitik und ehrenamtlichen Funktionen in der Schützengilde und bei der Drohnenrettung: „Ich kann Menschen zusammenführen“, so lautete einer der zentralen Sätze seiner Einführungsrede. Verbindlich im Ton fanden sich zwischen den Zeilen Kampfansagen in Richtung der Kontrahentin. Die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und Freien Wählern, die Godows Kandidatur geschlossen unterstützen, werfen Bürgermeisterin Tanja Rönck unter anderem ein Versagen in der Personalführung vor. Zu viele unbesetzte Stellen im Rathaus, zu viele Kündigungen, der Krankenstand zu hoch, so die Kritiker*innen. „Ich kann Team, ich kann Wirtschaft und habe in meinem Unternehmen genügend Stellen besetzt und kann die Aufgaben erledigen“, meinte der Inhaber eines Eutiner Pflegedienstes. Seit 1994 führt er das Unternehmen mit seiner Frau Margitta. In Malente lebt der gebürtige Eutiner seit zwei Jahren. Über sein Zuhause in Krummsee, das das Paar gemeinsam mit den beiden Söhnen bewohnt, habe er schnell eine innere Beziehung zum neuen Wohnort aufgebaut. Nach Godow hatte Tanja Rönck acht Minuten Redezeit. Die Reihenfolge war auslost worden, auch Godow musste den Saal für diese Zeit verlassen. Seit 1991 lebt die gelernte Köchin, die später erfolgreich eine Verwaltungslaufbahn einschlug, in Malente. „Aus Malente für Malente“ war ein Schlüsselbegriff ihrer Ansprache. In einer Bilanz ihrer Amtszeit nannte sie unter anderem die Umstrukturierung der Gemeindewerke in eine GmbH und den Aufbau der Malente Tourismus und Service GmbH als Erfolge. Für die anfallenden Aufgaben von Wohnen über Infrastruktur bis zum ÖPNV befand sie: „Das muss die Kommune selbst in die Hand nehmen.“ Um sieben Prozent sei die Bevölkerung in ihrer Amtszeit gewachsen. Als Leitbild nannte sie „Malente 2030“. „Ich möchte diesen Weg mit Ihnen weitergehen“, schloss Rönck. Im Anschluss erfragte Moderator Carsten Kock Stellungnahmen zu vier Themenbereichen. In Sachen Zukunft sahen beide Handlungsbedarf in der Schulentwicklung. Tanja Rönck erklärte, dass für den Bau einer Turnhalle Fördergelder in Höhe von 3 Millionen Euro eingeworben werden konnten, weshalb man mit diesem Projekt beginnen müsse. Godow sah die Notwendigkeit eines Gesamtkonzeptes als zentralen Punkt. Ein weiteres Muss für Zukunft sah er darin, den Altersdurchschnitt zu senken und Anreize für einen Zuzug junger Familien zu schaffen. Es fehlte bezahlbarer Wohnraum auf der Mietebene. Tanja Rönck machte in der Sanierung der Finanzen eine Zukunftsaufgabe aus. Grundsätzlich gelte es, Fördergelder für einzelne Projekte zu generieren. Die Konzentration auf Fördertöpfe kritisierte Godow: „Da muss immer auch ein großer Eigenanteil geleistet werden“, merkte er an. Auch die Privatisierung von Eigenbetrieben ist in seinen Augen nicht hilfreich. Für Rönck indes ist ein eigenes Wärmenetz auch ein Instrument zur Bewältigung der Klimakrise, genau wie das Ziel, als Gemeinde eigener Stromkonzessionär zu werden. Zu den einzelnen Punkten ließ Carsten Kock Publikumsfragen zu. So munter wie der erfahrene Moderator gab sich auch das Publikum. Wie man Malente attraktiver machen wolle für junge Menschen, wollte ein Bürger wissen. Godow nannte den Wohnungsmarkt, Rönck unter anderem einen freien Raum, „wo man auch mal sprayen und laut sein kann“. Auch der Umgang mit dem Intermar interessierte die Menschen. Eine Reaktivierung sei nur im Bereich Kur möglich, meinte Tanja Rönck, Godow antwortete, er wolle aktiv nach einem Nutzer suchen. Zu den wassergebundenen Wegen, von denen es viele gibt und die für Ärger sorgen, sagte Rönck, bei einem Ausbau würden Gebühren fällig, das sei problematisch. Zwischenlösung könnte Hansegrand sein. Eine solche konkrete Antwort hatte Godow nicht, die Ausbaubeiträge indes seien „ein unfaires Mittel.“ Für den Tourismus setzt Rönck auf die Vernetzung innerhalb der Region in der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz und hofft auf ein großes Hotel. Vernetzen will auch Godow und nicht nur an dieser Stelle wurde der typische Vorteil einer Amtsinhaberin, in allen Punkten voll im Tagesgeschäft verhaftet zu sein und versiert antworten zu können, deutlich. Man arbeite daran, die Bahnhofstraße, die aktuell eine Landstraße ist, abstufen zu lassen und den Schwerlastverkehr aus der Bahnhofstraße zu verbannen. Für seine Bemerkung, für ihn sei Malente, was das Parken im Ort angehe, bis vor zweieinhalb Jahren ja fast Ausland gewesen, erntete Godow einen vielsagenden Blick seiner Kontrahentin.
So ging es mit Schwung durch den Themenparcours. Als es zum Haushalt kam, die Personalsituation im Rathaus zur Sprache kam und das Verhältnis zwischen Bürgermeisterin und den politischen Fraktionen, wurde Spannung spürbar. Gleichwohl blieb Rönck ruhig und kontrolliert: „Meine Tür ist offen“, so ihre Botschaft in Richtung der örtlichen Politik, die sie bisweilen im Vorfeld scharf attackiert hatte. Ihr gehe es um die Projekte, nicht um Parteienpolitik. Für die Stellensituation nannte sie konkrete Gründe wie Zeitverträge, Schwangerschaften, berufliche Umorientierung. Zur Stimmung im Rathaus sagte sie: „Wir sind eins!“ Es brauche einen neuen Stellenplan, mehr Personal, darin sei man einig. Godow hatte an diesen Punkten eine Reihe von Vorwürfen parat: Jahresabschlüsse und Bilanzen lägen nicht vor: „Das ist der handwerkliche Teil, das muss erledigt werden“, meinte er nachdrücklich. Die Personallücke kommentierte er mit: „Da stimmt etwas nicht!“ Das will er ändern. Seine Vision für 2030 entspricht diesem Vorhaben: „Dann ist das Rathaus der Best place to work“, so Godow, das Eckhaus mit der Eisdiele an der Bahnhofstraße und der Bahnhof seien ansehnlich. Nicht nur dafür erntete er an diesem Abend den Applaus der 120 Anwesenden. Tanja Rönck hat für 2030 reaktivierte Hotelbrachen vor Augen, außerdem zwei gut laufende Schulen und ein Nahwärmenetz. Nicht ganz so weit in die Zukunft zielte Carsten Kock mit seiner Frage nach der Schlagzeile am Tag nach der Wahl. Tanja Röncks Antwort: „Rönck im Amt bestätigt“, Heiko Godow parierte selbstbewusst: „Weil er es kann“.
Der Abend ist aufgezeichnet worden und der Mitschnitt kann auf der Internetseite der Gemeinde noch bis 8. Mai aufgerufen werden.


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