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Preis für Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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Eutin (hr). Kind oder Karriere? Diese Frage müssen sich noch immer viele Menschen, insbesondere Frauen, stellen - doch das muss nicht so sein: Der Kreis Ostholstein zeichnete fünf Unternehmen mit dem Label „Familienfreundliches Unternehmen 2020“ aus, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in besonderem Maße möglich machen.
„Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist enorm wichtig für den Wirtschaftsstandort Ostholstein und langfristig gut für die Unternehmen“, sagt Kreispräsident Harald Werner, der die Unternehmen in einem Festakt am 22. Oktober auszeichnete. „Das hat die Corona-Pandemie gezeigt wie nie: Wenn die Betreuung nicht funktioniert, geraten Unternehmen und ihre Beschäftigten unter immensen Druck.“ Aus diesen Gründen rief der Kreis 2016 diese Auszeichnung ins Leben und verlieh sie nun zum dritten Mal.
Beworben hatten sich Unternehmen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Der Zweckverband Ostholstein mit verschiedenen Standorten über ganz Ostholstein verteilt wurde ebenso ausgezeichnet, wie die Ambulante Krankenpflege Pittelkow mit ihren 59 Mitarbeitern, das Software Unternehmen TimberTec AG ebenso wie die Curtius Klinik und die AMEOS Krankenhausgesellschaft Holstein.
Dass unter den ausgezeichneten Unternehmen drei sind, die direkt mit dem Bereich Pflege zusammenhängen, ist sicherlich kein Zufall. Der Pflegeberuf ist noch immer weiblich dominiert und gleichzeitig durch den Schichtdienst nur selten mit den Zeiten einer regulären Kinderbetreuung vereinbar. Noch immer scheiden werdende Mütter deshalb oft ganz aus dem Pflegeberuf aus - ein Punkt, an dem die AMEOS Krankenhausgesellschaft Holstein gegensteuert: „Wir versuchen an den Punkten Lösungen zu finden, wo Mütter früher aus dem Beruf ausgeschieden sind“, erklärt Personalmanagerin Svenja Wulf. Mit der sogenannten „Wunschdienstplanung“ wird auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen eingegangen, es gibt eine Notfallbetreuung für Kinder und Senioren und in dem Mitarbeitendenunterstützungsprogramm finden Mitarbeiter*innen Hilfe in allen Lebenslagen.
Aus diesen Gründen wurde die AMEOS Krankenhausgesellschaft Holstein gemeinsam mit zwei weiteren Unternehmen als besonders vorbildlich in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hervorgehoben.
So auch die TimberTec AG, die Familienfreundlichkeit bereits in den Stellenanzeigen und auf der Homepage kommuniziert. „Spätestens als mein jetziger Chef damals nach dem Bewerbungsgespräch sagte, er müsse jetzt aber auch los, er müsse noch zum Elternsprechtag, war mir klar, dass ich als Mutter hier willkommen bin“, erzählt Mitarbeiterin Alexandra Boselmann. Mobiles Arbeiten sei kein Problem, wenn beispielsweise das Kind krank ist, können Eltern meist problemlos von zuhause aus arbeiten - eine entscheidender Vorteil, der dem Unternehmen auch in der Corona-Pandemie zu Gute kam. Weil Frauen in der IT-Branche noch immer unterrepräsentiert sind, stellt das Unternehmen bei gleicher Qualifikation bevorzugt Frauen ein und fördert Frauen in Führungspositionen, die teilweise auch in Teilzeit besetzbar sind.
Das dritte Unternehmen mit besonders vorbildlichen Regelungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist der Zweckverband Ostholstein. „Als Unternehmen, dass mit seinen 93 Jahren älter ist als der Kreis selbst, haben wir natürlich viele gelebte Traditionen, die immer männlich dominiert waren“, sagt Verbandsvorsteherin Gesine Strohmeyer. Doch gegen diese Strukturen will das Unternehmen aktiv gegensteuern und hat nicht zuletzt dank der Gleichstellungsbeauftragten Stephanie Stürholdt bereits große Schritte in die richtige Richtung gemacht: Neben genderfreien Strategien bei Bewerbungsverfahren und entsprechenden Fortbildungen für Führungskräfte wurde auch ein Eltern-Kind-Zimmer eingerichtet. „Das ist ein voll ausgestattetes Büro, in dem sich aber auch ein Spieltisch mit Spielzeugen für Kinder verschiedener Altersgruppen. Fällt also die Kinderbetreuung spontan aus, kann das Kind einfach mit zur Arbeit gebracht werden“, erklärt Stürholdt. Zur einfacheren Kommunikation zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird ein soziales Intranet entwickelt, dass auf Smartphones wie auf Computern verwendet werden kann und unkompliziert Mitarbeiter*innen vernetzt.
Es geht also Vorwärts im Bereich Gleichberechtigung von Männern und Frauen - nicht zuletzt auch zum Vorteil der Unternehmen: Mitarbeiter, die sich wohlfühlen und in stressigen Lebenslagen unterstützt werden, die sich keine Sorgen um Kinderbetreuung oder Altenpflege machen müssen, arbeiten konzentrierter und bleiben eher im Unternehmen. Möglichkeiten wie das mobile Arbeiten oder die Mitarbeiter-App sind auch in anderen Situationen - wie gerade erst in der Covid-19 Pandemie - hilfreich. Das sieht auch Kreispräsident Werner: „Familienfreundliche Personalpolitik ist wichtig, und eine Auszeichnung wert.“


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