Reporter Eutin

„Schöner gehts nicht – so verwöhnt zu werden!“

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Eutin (ed). In Eutin hat das Wort Mittagstisch eine ganz andere Bedeutung als anderswo – denn hier werden schon seit 20 Jahren immer freitags um 12 Uhr im Gemeindehaus in der Schloßstraße alle die bekocht, die nicht alleine essen wollen und die sich über eine warme Mahlzeit freuen, über gutes Essen gemeinsam verspeist an schön gedeckten Tischen. Zubereitet wird der Eutiner Mittagstisch in Vierer- und Fünfer-Teams von den rund 30 Kochdamen – zumeist Damen im Rentenalter, die wissen, wie man gutes Essen auch für viele kocht, freundliche, zugewandte Frauen mitten im Leben, die kochen und Gutes tun, ohne groß Aufhebens darum zu machen, denn sie wissen: Essen hält Leib und Seele zusammen. Und das machen sie ehrenamtlich und mit so viel Herz, dass sie der Weihnachtsmann dafür eigentlich nochmal extra bedenken müsste – das aber übernimmt schon seit vielen Jahren Eutins Hotel- und Gaststättenverband. Einmal im Jahr werden die Kochdamen – und natürlich auch ihre Mittagstisch-Gäste – selbst bekocht. Eine kleine Gruppe Eutiner GastronomInnen hat sich zusammengetan, um ihnen mit einem festlichen Weihnachtsmenü Danke zu sagen, und das genießen die Kochdamen ebenso sehr wie ihre Mittagstisch-Gäste, denn die Atmosphäre ist so festlich wie das Essen und die Stimmung ist Weihnachten in seiner schönsten Form.
Einen besonders schönen Rahmen hatte das diesjährige Weihnachtsessen im Landgasthof Kasch in Timmdorf – hier hatte Küchenchef Marvin Langner für einen Tag die Führung in der Küche an Dehoga-Chef Harry Heinsen übergeben und kochte mit seinem Team ein Weihnachtsessen der Extraklasse, so wie ein Weihnachtsessen nun mal sein muss: „Als Vorspeise gibt es unsere Festtagssuppe, eine schöne Rinderkraftbrühe mit Einlage“, erzählt Marvin Langner. „Dann Bauernente mit Apfelrotkohl, Rosenkohl, Kroketten und einem Bratapfel mit Preiselbeermarzipan“, übernimmt Harry Heinsen. „Und als Nachtisch“, strahlt Anja Kasch, die ihren Landgasthof nur zu gern für diese Weihnachtsfreude zur Verfügung stellte, „Eis und Heiß – Vanilleeis mit heißen Kirschen. Das geht dann fließend über in Kaffee und die selbstgebackenen Kekse unserer Konditorin Zaneta Cordts.“
Während Silwia Steffens dafür sorgte, dass der Rosenkohl rundherum in Butter brutzelte, spritze Siegfried Pönsch das natürlich hausgemachte Preiselbeermarzipan in die Bratäpfel – über die Festtagssuppe wachte Monika Wöhlk, Bauernente und Rotkohl sind natürlich Chefsache. „Bei uns ist alles hausgemacht“, schmunzelt Anja Kasch, „es soll ja schmecken.“ Und gerade nach einem solchen Jahr, das auch den Mittagstisch nicht verschont hat, muss das Weihnachtsessen besonders gut sein – „obwohl wir im August 20 Jahre Mittagstisch gefeiert hätten“, erzählt Pastor Philipp Bonse, „konnten wir erst nach den Sommerferien wieder starten.“ Er staune selbst, wie stabil die Zahl der Gäste sei, sagt er, Zu Anfang habe der Mittagstisch Einbußen hinnehmen müssen wegen 3G und dann 2G, „aber mittlerweile sind fast alle wieder an Bord. Und auch unsere Kochdamen sind noch da.“ Unter ihnen noch ein Gründungsmitglied – Margret Kania, die zum Mittagstisch-Auftakt das Essen kochte, das es auch vor 20 Jahren gab: Hühnchen mit Curry-Reis.
38 Kochdamen und Gäste waren der Einladung nach Timmdorf gefolgt – die meisten per Kirchenbus, „und einige standen schon um halb 11 vor dem Museum und freuten sich drauf“, strahlt Philipp Bonse, „für viele ist es das Weihnachtsessen schlechthin – sie freuen sich unheimlich auf diesen Tag.“ „Dieses Weihnachtsessen ist etwas ganz Besonderes“, bestätigt eine Dame, die regelmäßig am Mittagstisch teilnimmt, „schöner gehts nicht, so verwöhnt zu werden.“ Aber auch der Mittagstisch sei ein echter Segen: „Viele von uns sind allein, und da treffen wir uns“, sagt sie, „Begegnung ist wichtig – und etwas, worauf man sich freut.“ Die Freude am Mittagstisch allerdings ist auf beiden Seiten – auch die Kochdamen haben Freude an dem, was sie freitags tun. Irmgard Thienemann und ihr Team zum Beispiel kochen schon seit gut acht Jahren alle vier Freitage zusammen, „einfach weil es Spaß macht“, schmunzelt die Köchin, wie ihre „Beiköchinnen“ sie nennen. Wenn man ins Rentenalter kommt, brauche man doch etwas Sinnvolles zu tun, erklärt sie, „und das ist ein schönes Ehrenamt.“ Da pflichten ihre Damen ihr gern bei: „Wenn man die Leute sieht, die gut gegessen haben und sich drüber freuen, das ist doch schön. Viele sind so dankbar, das freut uns sehr – und wer mag, bekommt gern einen Nachschlag.“ Die Kochdamen haben den Mittagstisch komplett unter ihrer Ägide – sie kaufen ein, kochen, decken und dekorieren die Tische und servieren das Essen. Viele der Zutaten und die Tischdeko sowieso kommt aus ihren Gärten – und dann gibts Leckeres wie Muskartoffeln mit Sauerkraut und Kassler. Aber egal was auf den Tisch kommt, es steckt immer viel Liebe drin, das schmecke man, ruft ein Gast des Mittagstischs – und ein kleines bisschen von dieser Liebe bekommen die Kochdamen mit dem Weihnachtsessen zurück.


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