Reporter Eutin

„Eine starke Truppe für die Gemeinde Ahrensbök“

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Ahrensbök (ed). Die Hilfsfrist, innerhalb derer der Rettungsdienst an einer Einsatzstelle sein muss, sollte laut Gesetz in mindestens 95 Prozent aller Einsätze maximal 12 Minuten betragen. Wer schon mal versucht hat, innerhalb dieser Zeit von Berlin/Seedorf nach Ahrensbök zu fahren, sollte sich nicht von der Polizei erwischen lassen. „Nach Gnissau klappt das“, sagt Christian Kraft aus dem Vorstand des Rettungsdienstes Holstein, „aber ins Zentrum von Ahrensbök wird schon schwierig.“ Und da lag bis vor Kurzem das Problem, denn der für die Gemeinde Ahrensbök zuständige Rettungsdienst war der in Berlin/Seedorf stationierte. Seit dem 1. Mai aber hat Ahrensbök seine eigene Rettungsstation, eingerichtet vom Rettungsdienst Holstein, erstmal installiert in der Ahrensböker Feuerwache und als Provisorium, das es aber nicht lang bleiben soll, wenn es nach den Beteiligten geht. 24 Stunden sieben Tage die Woche steht den BewohnerInnen der Gemeinde Ahrensbök, des Kernortes und seiner 19 Dörfer, ein Rettungswagen samt Notfallsanitätern zur schnellen rettungsdienstlichen Versorgung zur Verfügung. „Das ist das erste Mal in der Geschichte des Rettungsdienstes Holstein“, sagt Christian Kraft, „dass wir hier fest ein Fahrzeug installieren.“ Grund dafür ist eine Analyse des Hilfsfristenerreichungsgrades in Ostholstein – wie schnell erreicht der Rettungsdienst die verschiedenen Regionen Ostholsteins? In 90 Prozent aller Fälle können die 12 Minuten gehalten werden – aber in zwei Regionen gebe es deutlichen Handlungsbedarf, so Christian Kraft. In Schönwalde und in Ahrensbök. Während es in Schönwalde wohl noch einen Moment dauert, um eine Lösung zu finden, rannte der Rettungsdienst mit seinem Anliegen bei der Gemeinde und der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensbök offene Türen ein. Die Wegezeiten hätten ihm wirklich Sorge bereitet, erzählt Christian Kraft. „Wir sind als Rettungsdienst zum Handeln verpflichtet und wollten dieses Problem gern schnell lösen, denn das ist hier eine bevölkerungsreiche Region – hier müssen wir als Erstes handeln.“ Also wurden die Krankenkassen als Kostenträger kontaktiert – eine Zusage der Kostenübernahme kam postwendend, „ein Zeichen dafür, dass ein Handlungsbedarf tatsächlich gegeben ist.“ Dann reichte ein Anruf von Michael Mallé, dem Leiter des Rettungsdienstes, bei der Ahrensböker Feuerwehr, die wiederum an die Gemeinde herantrat. Und innerhalb eines Monats war alles geklärt, in der Feuerwache Platz und die Rahmenbedingungen für eine Rettungsstation geschaffen.
Christian Kraft wirkt sichtlich erleichtert, dass zumindest eine der beiden Schwachstellen im Kreis so problemlos behoben werden konnte – „das ist wirklich großartig, wie das hier alles geklappt hat, wie Gemeinde und insbesondere die Feuerwehr uns entgegengekommen sind – dafür ein großes Dankeschön an unsere Ahrensböker Freunde.“
„Das Problem mit der Hilfsfrist war ja für uns kein neues“, so Tim Pichura, der Ahrensböker Wehrführer. Es passiere nicht selten, dass die Feuerwehr in der Gemeinde deutlich eher an der Einsatzstelle sei als der Rettungsdienst. „Wir leisten dann natürlich Erste Hilfe, aber der Rettungsdienst ist doch etwas ganz anderes.“ Den Platz für die Rettungsstation und das Rettungsfahrzeug in der Halle habe man gern geschaffen, als der Anruf von Michael Mallé kam, sei man sich untereinander schnell einig gewesen, dass die Feuerwehr das gut hinbekomme. Natürlich müsse man nun ein bisschen zusammenrücken, sagt der Wehrführer, „aber diese Einschränkungen nehmen wir gern hin, denn wir sind ja selber begeistert, dass wir jetzt den Rettungsdienst im Rücken haben. Und mit den Einschränkungen können wir sehr gut leben, weil wir etwas Positives dafür zurückbekommen. Ich denke, wir sind hier jetzt zusammen mit der Polizei eine starke Truppe für die Gemeinde Ahrensbök.“
Denn die Ecke in der Poststraße gleich neben dem Rathaus ist jetzt quasi die „Sicherheits-Ecke“ der Gemeinde Ahrensbök mit Feuerwache, Rettungsstation und Polizei – ergänzt vom Rettungshubschrauber im nahen Siblin – an einem Fleck. Er sei froh, sagt der Ahrensböker Bürgermeister Andreas Zimmermann, dass die Ahrensböker Schutzengel Verstärkung bekommen, „das ist eine echte Bereicherung für die Gemeinde.“
Für die Ahrensböker Rettungsstation wurde eigens ein nagelneues Rettungsfahrzeug angeschafft, das nun allzeit einsatzbereit in der Halle der Feuerwehr steht, und mit Anna-Lena Kohlscheen und Alexander Jakobs, der „Erstbesetzung“ des Rettungswagens am 1. Mai, und ihren Kollegen sind erfahrene Rettungssanitäter an Bord. Bisher ist es eine Art Nebenstelle der Rettungsstation Timmendorfer Strand, mit einem fest installierten Rettungswagen, der derzeit noch aus den Teams in Eutin und Timmendorfer Strand besetzt wird. Ein festes Ahrensböker Team mit zehn Leuten ist allerdings schon im Aufbau.
Als nächster Schritt wird nun ein Hilfsfrist-Gutachten für den Standort in Auftrag gegeben, erläutert Christian Kraft, um die Schwachpunkte in der Region aufzuzeigen und eine Idee zu bekommen, wie man den schlechten Erreichungsgrad lösen kann. „Aber wir sind erstmal safe hier und dürfen auch bleiben, selbst wenn es nicht zwingend notwendig wäre.“ Denn eine Idee für eine feste Rettungsstation gibt es bereits – „und unserer Unterstützung dabei“, versichert der Ahrensböker Bürgermeister, „können Sie sich sicher sein.“


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