Reporter Eutin
19. Januar 2017 | Allgemein

„Das Interessante sind die Geschichten dahinter“

Bilder
Das Team der Landesbibliothek mit den Herausgebern Gern und Kristof Warda.

Das Team der Landesbibliothek mit den Herausgebern Gern und Kristof Warda.

Eutin (ed). Die Eutiner Landesbibliothek birgt Schätze, von denen kaum jemand weiß. Das traumhaft schöne Blumenbuch der Maria Sybilla Merian steht hier wohl verwahrt ebenso wie das herrliche Gesangbuch der Anna Petrowna, ganz zu schweigen von der Flora Danica oder den einzigartigen Reisebeschreibungen des Adam Olearius. Die meisten Bücher sind mehrere hundert Jahre alt und von hohem Wert – sie sind aber auch wunderschön anzusehen, vor allem aber erzählen sie Geschichten, nicht nur ihre eigene sondern die der Menschen und die ihrer Entstehungszeit. Um die eine oder die andere dieser Geschichten zu erzählen, hat Dr. Rolf-Peter Carl sich in den vergangenen Jahren immer wieder eines der Werke vorgenommen und in „Schleswig-Holstein“, der Kulturzeitschrift der Familie Warda, vorgestellt – „wir wollen zeigen, was wir für tolle Sachen hier oben haben“, sagt Herausgeber Gerd Warda. Zweck der Zeitschrift und vor allem der Themenhefte sei das, ergänzt er, das zu erhalten, was es Schönes gibt hier im Norden. So erscheinen regelmäßig auch Beiträge auch dänisch, friesisch und natürlich plattdeutsch. „Die Grundidee ist, Schleswig-Holstein nach draußen zu bringen, allen zu zeigen, was wir haben: Theater, Literatur, Kunst, Kultur und all das Versteckte in unseren Museen.“ Wie die bibliophilen Schätze der Eutiner Landesbibliothek eben – „das muss man mal rauszerren aus den Schränken“, schmunzelt er. Seine Kulturzeitschrift erscheint viermal im Jahr – zusätzlich ein Themenheft, das sich in diesem Jahr eben der Eutiner Landesbibliothek widmet. Denn das Team der Landesbibliothek hat tatsächlich seine Schätze „aus den Schränken gezerrt“ und über sie geschrieben. Mit ganzem Herzen, geballter Kompetenz und Wissenschaft, anschaulich und spannend aufbereitet erzählen sie die Geschichten hinter den Büchern. „Für uns als kleine regionale Bibliothek mit tollem Bestand ist die Öffentlichkeitsarbeit immer wichtiger“, weiß Dr. Frank Baudach, der Leiter der Landesbibliothek. „so können wir einem breiteren Publikum auf verständliche Art zeigen, wie toll das ist, was wir haben, einzelne Prachtstücke zeigen, die Geschichte haben.“ Denn die Geschichte dahinter, hinter dem Buch, „das ist meist das Interessante“, schmunzelt Dr. Susanne Luber. Fünf der insgesamt 14 Artikel beschäftigen sich mit Prachtstücken der Sammlung – und ihrer Geschichte natürlich. So hat Dr. Susanne Luber die Reisebeschreibungen des Adam Olearius in einen spannenden Artikel verpackt und beschreibt ebenso faszinierend die „Schülerfahrt nach den kanarischen Inseln“ von 1908, die ein bekannter Reeder einer Schülergruppe spendierte und die so ungewöhnlich für diese Zeit war, dass ein schön gestalteter Reisebericht über sie veröffentlicht wurde. Wunderschön ist Susanne Lubers Beitrag über das „Blumenbuch“ der Maria Sybilla Merian, eines der wenigen Exemplare, die es noch gibt, und das kaum noch gezeigt wird, um die traumhaften Farben vor dem Tageslicht zu schützen, das sie ausbleichen ließe. Diese können jetzt aber auf diese Weise bewundert werden – ebenso das Leben einer erstaunlichen Frau. Besonders spannend ist auch die Geschichte der „Flora Danica“ und was sich hinter ihr verbirgt – währenddessen hat sich Axel. E. Walter der Kartensammlung Dreyer-Eimbcke als kreatives Gedächtnis der Geschichte gewidmet. Dr. Frank Baudach hat über den Eutiner Arzt und Universalgelehrten Hellwag geschrieben – und auch der Artikel über die Stammbücher als Denkmäler der Freundschaft erzählen ganze Geschichten. Und nicht vollständig wäre die Zeitschrift, wenn nicht Voß als Übersetzer des Homer zu Wort käme. Dr. Anke Scharrenberg hat sich das Material vorgenommen, das die Landesbibliothek über eine der bekanntesten Affären des 18. Jahrhunderts geschrieben: Die Struensee-Affäre, die nicht nur weitreichende Folgen für die Geschichte Dänemarks haben sollte. Und auch die nähere Vergangenheit hat Dr. Scharrenberg sich in Form von (Reise-)Beschreibungen des „American Way of Life“ vorgenommen und über das Bild, das man in Deutschland in den 1950er Jahren von Amerika hatte. Der Untertitel „Eine Reise in die Zukunft“ kommt nicht von ungefähr… Die Schatzkammer all dieser Schätze stellt Dr. Rolf-Peter Carl mit ebenso herzlichen wie informativen Worten vor und führt im Anschluss ein Interview mit Dr. Frank Baudach über die Landesbibliothek, ihren Bestand und ihre Zukunft mit der Vergangenheit. Und einen Schummelartikel gibt es auch – gäbe es aber das vorgestellte Buch tatsächlich, so könnte es nirgendwo anders stehen als in der Eutiner Landesbibliothek. Tatsächlich aber stammt es aus der Feder des Itzehoer Künstlers Manuel Zint und passt perfekt dazu. Das Team der Landesbbibliothek ist zufrieden mit der Zeitschrift rund um seine Schätze – der Einband des Themenheftes ist übrigens Band V des De praedaro apparentu, einem lateinischen Werk aus dem Jahre 1699 nachempfunden und macht dem Original alle Ehre. Die Hauptsache aber sind die großartig geschriebenen Artikel und die Bilder dazu als echte Augenweide. „Das ist eine tolle Sache geworden – und es hat großen Spaß gemacht“, freut sich Dr. Frank Baudach, „schön gelayoutete Beiträge und nur Kultur, das machen wir weiter, wir haben ja noch ein paar tausend Bücher.“ So ist das Heft selbst ein kleiner Schatz geworden, erhältlich in der Landesbibliothek und in ausgesuchten Buchhandlungen wie der der Familie Hoffmann – für alle Liebhaber von Büchern, die man selbst nicht haben kann, aber so gern hätte. Hier sind sie wunderbar beschrieben und so mit Fotos versehen, dass man meint, man hätte sie fast in Händen.


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