Reporter Eutin
15. Januar 2017 | Allgemein

„Es ist unfassbar, wie vielseitig dieser Mann war“

Bilder

Eutin (ed). Er war ein echter Tausendsassa, der Mann, dem sich die Ausstellung wirdmet, die das Museumsjahr im Erdgeschoss des Ostholstein-Museums beschließt: Wenzel Hablik war Handwerker, Künstler, Designer, Kunsthandwerker und Visionär, der seiner Zeit weit voraus war. „Es ist unfassbar, wie vielseitig dieser Mann war“, sagt Ulrike Plötz, die Dr. Julia Hümme, die Museumsleiterin, bei den Führungen durch die Sonderausstellung im Erdgeschoss unterstützt. Selbst Künstlerin staunt auch sie darüber, in welcher Bandbreite Wenzel Hablik tätig war. Und mit welcher Schaffenskraft – „und wie früh sich das bereits abzeichnete, wie begabt er war.“ Denn schon als Kind interessierte Wenzel Hablik, 1881 in Böhmen geboren, sich fürs Zeichnen und Malen – trotzdem machte er nach der Schule eine Lehre als Tischler und trat damit in die Fußstapfen seines Vaters. „Sogar seinen Meister hat er in seinem Beruf gemacht“, erzählt Ulrike Plötz. Und während sich die meisten von uns mit einem Beruf begnügen, lernte Wenzel Hablik unter anderem Porzellanmaler, Geometer, besuchte die Kunstgewerbeschule in Wien und die Kunstakademie in Prag. Sein eigentliches Ziel aber ist Paris – auf dem Weg dorthin besteigt er ganz allein den Mont Blanc. Dieses Erlebnis soll ihn für sein ganzes Leben prägen – der fast traum-hafte Sonnenaufgang auf dem Mont Blanc in kräftigen Orangetönen und unglaublichen Nuancen von Blau, der im Erdgeschoss des Ostholstein-Museums hängt, zeugt davon. Und die Kristallvorkommen dort oben fesseln ihn für den Rest seines Lebens und inspirieren ihn zu seinen kristallenen Städten. Ein weiteres prägendes Erlebnis ist Habliks Begegnung mit der Nordsee – „er war viel unterwegs, immer auf der Suche nach Arbeit“, so Ulrike Plötz, „und auf Umwegen erreichte er Sylt und dann Helgoland. Und die See hat ihn schier überwältigt.“ Wunderbar zu sehen an seinen utopischen Meereslandschaften – ob in Öl oder gezeichnet, man spürt seine Faszination für das Meer. In der Kaiserzeit mit ihrem Plüsch und Pomp schufen Wenzel Hablik und seine expressionistischen Kollegen Gegensätze – ganz ohne Plüsch und Pomp, ganz im Gegenteil. Es sind meeresmonsterähnliche Wellen, ein lodernder Waldbrand, utopische Städte aus Farben oder KristallMit „delikat gemischten Farben und ihrer Anwendung schafft Hablik Zwischentöne und Details, von denen ich immer neue entdecke“, strahlt Ulrike Plötz. Seine gewöhnungsbedürftigen Portraits, die durch die Farbenauswahl einen ganz besonderen Ausdruck erhalten – und den Betrachter aus der Nähe fast schwindelig machen, aus der Ferne aber fesseln können. „Er war mutig im Einsatz seiner Farben.“ Und dann das zarte kleine Blumenbild mit der schemenhaften Vase, die doch die Begonien auf fast überirdische Weise zusammenhält. Das allein zeugt von Vielseitigkeit – aber Wenzel Hablik war nicht nur Tischler und Maler. Dieser so vielseitig interessierte Mann schuf Möbel, Tapeten, ganze Inneneinrichtungen und entwarf unglaublich schönes Kunsthandwerk, das er von sorgfältig ausgewählten Kunsthandwerkern umsetzen ließ. Auf Sylt lernte er Holzgroßhändler Richart Biel und Hofbesitzer Otto Lindemann aus Westerwohld – mit ihnen kommt er ins Gespräch und die beiden sind fasziniert von Hablik und seiner Kunst. Sie laden ihn nach Westerwohld ein und er folgt dieser Einladung. 1907 lässt er sich ganz in der Nähe, in Itzehoe nieder. Die beiden Geschäftsmänner verschaffen ihm die unterschiedlichsten Aufträge von der Inneneinrichtung über das Porträt bis zum Notgeld. Und hier lernt er auch Elisabeth, die Tochter Lindemanns, kennen und lieben – von ganz unterschiedlichem Temperament sind die beiden ein echtes Traumpaar. Lange leben die beiden in wilder Ehe, heiraten dann aber doch nach 17 Jahren. Ihre Beziehung ist fruchtbar, über die beiden Kinder hinaus vor allem in künstlerischer Hinsicht. Er entwirft traumhaft farbenfrohe Muster, sie webt sie in ihrer Webschule und trägt die daraus geschneiderten und für Itzehoe recht extravaganten Kleider. Die Fotos der beiden Künstler sprechen Bände und sprühen vor Lebensfreude – gemeinsam schaffen sie Möbelstoffe, ganze Inneneinrichtungen. Ein Sofa der beiden steht in der Ausstellung und ist, wie wir heute sagen würden, herrlich retro. Gemeinsam gründeten die beiden die größte Weberei Europas zu dieser Zeit. Ihr Haus machten sie zu einem gesamtkunstwerk – das übrigens heute noch ein paar Mal im Jahr besichtigt werden kann, denn bewohnt wird es von einem Urenkel der beiden. Allerdings vermittelt schon die von Dr. Julia Hümme großartig gestaltete Ausstellung ein eindrucksvolles Bild von Habliks Vielseitigkeit – Möbelstücke stehen neben großformatigen Ölgemälden, die zeigen, wie wundervoll er mit Farbe arbeitete, Zeichnungen und Radierungen vermitteln Habliks Vorstellungskraft und die Aquarelle faszinieren durch Formen und Farben. Sie zieht einen spannenden Bogen durch das Leben dieses Künstlers, der mit nur 53 Jahren an Krebs starb und auf dem von ihm gestalteten Friedhof in Westerwohld bestattet wurde. Und als habe er um seinen frühen Tod gewusst, war er lebenslang von unglaublicher Schaffenskraft gepackt – auch das zeigt diese außergewöhnliche Ausstellung, gewidmet einem norddeutschen Künstler, der vor allem in Itzehoe seine farbenfrohen Spuren hinterlassen hat. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Januar zu sehen – die nächste Führung findet am heutigen Mittwoch, dem 11. Januar um 15 Uhr ,mit Dr. Julia Hümme statt.


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