Reporter Eutin
16. Dezember 2016 | Allgemein

Freiwillige Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf bangt um ihren Fortbestand

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Bosau (ed). “Wir befassen uns intensiv mit der Frage, ob die Freiwillige Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf 81 Jahre nach ihrer Gründung fortbestehen kann” steht in dem Brief, den 113 Männer und Frauen zwischen 16 und 60 Jahren in den Dörfern Quisdorf und Majenfelde in diesen Tagen bekommen. Grund für die ungewöhnliche Post ist die Tatsache, dass von den 14 Mitgliedern, die die Freiwillige Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf derzeit noch hat, nur neun in den Dörfern leben und in der vorgeschriebenen Hilfsfrist von zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein könnten. Nun hat der Kreis Ostholstein, der die durch Austritte und Krankheit schrumpfende Zahl von Aktiven registriert hat, von der Gemeinde Bosau gefordert, zur Situation der Ortswehr Stellung zu beziehen, Maßnahmen zu ergreifen – eine der Maßnahmen ist der dringlich gehaltene Brief, den Bürgermeister Marion Schmidt, Benjamin Blöcker als Wehrführer der betroffenen Ortswehr und Andreas Riemke als Gemeindewehrführer unterschrieben haben. Die Freiwillige Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf ist, so heißt es in dem Brief, alleine nicht mehr in der Lage, ihren Aufgaben nach dem Brandschutzgesetz in Majenfelde und Quisdorf nachzukommen. Die derzeit kleinste der Bosauer Ortswehren braucht also neue Mitglieder, um weiter fortbestehen zu können – und um weiter innerhalb kürzester Zeit da zu sein, wenn es, flapsig gesagt, brennt. Dabei sind in der Gemeinde Bosau insgesamt 204 Menschen in ihren Ortswehren aktiv – sechs Prozent der Bevölkerung, laut Gemeindewehrführer eine hohe Quote. Um diese Quote zu erfüllen, müssten in der Ortswehr der Dörfer Quisdorf und Majenfelde 17 Menschen in ihrer Wehr aktiv sein, sind es aber nicht. Die fehlenden 8 (und gerne noch einige mehr) wollen Bürgermeister und Wehrführer nun erreichen, damit Brandschutz und Hilfe bei Sturmschäden, Unfällen und anderen Unglücken innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist gewährleistet sein können. Die anderen Wehren der Gemeinde Bosau weisen allesamt zumindest die vom Feuerwehrbedarfsplan vorgeschriebenen 18 Aktiven, die eine Einsatzabteilung als Mindeststärke zur täglichen Verfügbarkeit braucht: Löja hat 28, Bosau-Kleinneudorf 22, Hutzfeld-Brackrade 42, Hassendorf 26, Liensfeld-Kiekbusch 30, Thürk 22 und Braak-Klenzau 20. Optimal für eine Ortswehr wären allerdings 27 – 18 Aktive und neun in Reserve und darauf, dass sich auf den Brief an die Quisdorfer und Majenfelder nun viele Interessierte melden, die in die Ortswehr eintreten wollen, hoffen nun Bürgermeister Schmidt und Ortswehrführer Benjamin Blöcker. Finden sich keine Quisdorfer und Majenfelder, die bereit sind, ihre Wehr zu retten und aktiv in der Feuerwehr ehrenamtlich tätig zu sein, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie es für die Ortswehr weitergehen könnte. Sie könnte mit einer nahen Ortswehr zusammengelegt oder aber komplett aufgelöst werden. Keine Szenarien, die man sich für den Ernstfall vorstellen möchte – aber auch nicht nach 81 Jahren Freiwilliger Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf. Vor allem aber seien die Wehren so gestaltet, dass innerhalb der vorgeschriebenen zehn Minuten die komplette Gemeinde einsatztechnisch abgedeckt wird – fehle nun eine der Wehren, müssten die Ausrück-Bezirke komplett neu aufgeteilt werden, aber trotzdem besteht die Gefahr, dass die Wehren nicht alle Lücken schließen können. Eine Zusammenlegung zweier oder gar mehrerer Wehren sei also nicht zweckmäßig, betont der Gemeindewehrführer. “Um den Anforderungen für einen Einsatzfall gerecht zu werden, benötigt die Freiwillige Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf neue Mitglieder”, appellieren Gemeinde und Wehrführer an die Quisdorfer und die Majenfelder – im Klartext: Mit neun Feuerwehrleuten rechtzeitig am Einsatzort, selbst wenn alle verfügbar sein sollten, könnte gegebenenfalls einfach zu wenig sein. Selbst wenn die Ortswehr einer anderen Ortswehr angegliedert würde und nur noch als Löschzug weiterbestünde, bräuchte es dafür 16 Aktive. Den Grund dafür, wieso sich die Zahl der Aktiven so verringert hat, vermuten die Verantwortlichen vor allem in der Tatsache, dass die beiden Dörfer sogenannte “Satellitendörfer” seien, die Menschen schlafen nur hier, für ihr Dorf interessieren sich nur noch wenige. Ein Zeichen dafür sei, dass zu den Tagen der offenen Tür kaum noch Besucher erschienen. Dabei könnte die Ausstattung der Ortswehr kaum besser sein – ein nahezu nagelneues Fahrzeug, ein Top-Gerätehaus und mehr als 80 Jahre Feuerwehr-Tradition in den beiden Dörfern wartet auf neue Aktive. Davon können sich Interessierte am 4. Januar 2017 um 19.30 Uhr überzeugen – dann findet der nächste Übungsabend (einer von zweien im Monat) statt, zu dem die Feuerwehrleute der Ortswehr alle herzlich einladen. “Feuerwehr zum Anfassen” lautet das Motto. Ganz unverbindlich kann man sich dann über die Arbeit, den Zeitaufwand und alle Bedingungen, die die ehrenamtliche Arbeit bei der Feuerwehr mit sich bringt, informieren – und mit dem Eintritt in die Ortswehr nicht nur die Majenfelde-Quisdorfer Freiwillige Feuerwehr retten sondern auch die eigene Sicherheit und die der Nachbarn gewährleisten. Die Entscheidung über die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf muss zeitnah getroffen werden – haben sich also bis zum 15. Januar nicht mindestens die erhofften neun Quisdorfer und Majenfelder gefunden, die als Aktive in die Ortswehr eintreten und sich zu Feuerwehrleuten ausbilden lassen, wird es langsam knapp, denn ob die Wehr fortbestehen kann, wird bei der Jahreshauptversammlung am 3. Februar entschieden.


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