Reporter Eutin
08. Dezember 2016 | Allgemein

Neues ambulantes Angebot der Suchthilfe der Vorwerker Diakonie

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Eutin (ed). Grundsätzlich können Suchterkrankungen jeden Betreffen, hat Dirk Preugschat, Sozialtherapeut bei der Suchthilfe der Vorwerker Diakonie, die Erfahrung gemacht. „Suchterkrankungen gehen durch sämtliche Gesellschaftsschichten.“ Hilfe gibt es, so der Betroffene sie will, in vielerlei Form. Die meisten Suchterkrankten wählen eine Therapie über mehrere Wochen in einer Fachklinik – wer sich aber nicht in eine abgeschlossene Umgebung fern seines Alltags begeben möchte, für den bietet die Suchthilfe der Vorwerker Diakonie in Kürze die „Ambulante Rehabilitation“ in ihren Räumen in der Lübecker Straße 23 in Eutin an. Diese Therapieform wird in der Lübecker Suchtberatungsstelle bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzt – „umso mehr freuen wir uns“, sagt Dirk Preugschat, „sie nun auch in Eutin anbieten zu können. Bisher mussten die Menschen immer für ein solches Angebot weit fahren, und das ist nicht immer möglich.“ Die Termine der „Ambulanten Therapie“ finden in den Abendstunden statt und bestehen sowohl aus Einzel- als auch aus Gruppengesprächen – die Therapie dauere zwischen einem halben und einem Jahr und habe den Vorteil, dass die Suchterkrankten in ihrem Lebensumfeld verbleiben können. „Das ist vor allem für Berufstätige wichtig“, weiß Friedemann Ulrich, Leiter der Suchthilfe der Vorwerker Diakonie. Denn während die Betroffenen in der Fachklinik fernab von ihrer Lebenswelt Hilfe finden, verbleiben sie während der ambulanten Therapie in ihrem sozialen Umfeld, können weiter ihrem Beruf nachgehen und ihr Leben leben. „Ein Faktor für viele, überhaupt eine Therapie machen zu können, ohne ihren Arbeitsplatz zu verlieren.“ Zielgruppe der „Ambulanten Therapie“ sind vor allem Alkohol- und Medikamentenabhängige – in den meisten Fällen wird die Therapie von den Renten- oder Krankenversicherungen übernommen, das zu klären, dabei helfen Dirk Preugschat und seine Kollegen gern. Noch bevor die Übernahme zugesichert ist, können die Betroffenen bereits an den Motivationsrunden teilnehmen, der Vorstufe zur „Ambulanten Therapie“, aber auch eine Art Wegweiser, denn nur wenn die Suchterkrankten es schaffen, zumindest während dieser Gruppengespräche „trocken“ zu bleiben, können sie auch an der „Ambulanten Therapie“ teilnehmen. „Suchterkrankungen sind eine mißverstandene Konfliktlösungs-Strategie“, sagt Dirk Preugschat, „und während der Therapie sollen sie erfahren, wo genau ihr Problem begonnen hat, welche Rolle dabei ihre Lebensbiographie spielt. Sie müssen mehr über sich erfahren, damit sie neue Strategien für sich finden können, um Konflikte zu lösen.“ Dafür seien Gruppengespräche sehr hilfreich, im Austausch untereinander profitierten die Teilnehmer gegenseitig von den Erfahrungen. „Sie helfen sich gegenseitig dabei, den Alltag gelingen zu lassen. In den Einzelgesprächen finden wir dann einen persönlichen Weg für jeden Betroffenen.“ Während die stationäre Therapie – meist über 16 Wochen – sich vor allem für instabilere Suchterkrankte eignet, die einen Schutzraum brauchen, sei die „Ambulante Therapie“ eher für bereits abstinenzfähige Betroffene mit stabilem sozialem Umfeld und Arbeitsplatz, mit einer Tagesstruktur, die nicht in Versuchung führt, erklären die Suchtberater. Wie viele von Sucht Betroffene es gibt, ist nicht gewiss – mindestens aber kann man von zwei bis zweieinhalb Prozent aller Erwachsenen sprechen. „Und jeder, der für sich bemerkt, dass er ein Suchtproblem hat, sollte sich Hilfe suchen.“ Dabei sei oft erst ein sogenanntes Schlüsselerlebnis vonnöten, dass man überhaupt gewahr wird, dass irgendetwas schiefläuft, berichtet ein Betroffener, der die ambulante Therapie erfolgreich hinter sich gebracht hat und sich nun sicher, stabil und gestärkt abstinent fühlt. Die Auslöser für die Suchterkrankung können ganz unterschiedlich aussehen, hat er im Austausch mit ebenfalls Suchterkrankten die Erfahrung gemacht. Meist aber seien es Partnerschaftskrisen, Mobbing, der Tod naher Menschen, plötzliche Arbeitslosigkeit, Lebenskrisen in all ihren Facetten. „Man entzieht sich dem Stress durch Rauschmittel.“ Und bis man merke, dass eine Flucht keine Lösung ist, ist es oft schon schwer, wieder ohne Hilfe aufzuhören – „man muss Wege finden, offen damit umzugehen, und sich Unterstützung suchen“, rät er. „Allein schafft man es nicht.“ Ausschlaggebend kann aber auch ein Satz des Partners sein, eines Familienangehörigen, der das Suchtproblem ahnt – und es auf jeden Fall ansprechen sollte, aber ohne Etikett und Tabu. „Keinesfalls decken oder weggucken“, rät Friedemann Ullrich, „das Thema offen ansprechen mit einem Satz wie: „Ich habe ein Problem mit Deinem Alkoholkonsum“ – das kann aufrütteln.“ Das Portfolio an Unterstützungsmöglichkeiten – für den Betroffenen wie auch für seine Angehörigen – ist groß: „Wir können gemeinsam für jeden den richtigen Lösungs-Weg, die richtige Therapieform finden“, ist Dirk Preugschat sich sicher. Aber ganz egal, für welches Hilfs- oder Therapieangebot man sich entscheidet: „Ohne die Einsicht des Betroffenen geht gar nichts.“ Die „Ambulante Therapie“ soll demnächst starten, wenn die entsprechende Gruppengröße erreicht ist – die Suchthilfe der Vorwerker Diakonie in der Lübecker Straße 24 ist erreichbar unter Telefon 04521-8419635.



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