Reporter Eutin
16. März 2017 | Allgemein

„Nostalgie zum Anfassen“

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Hans-Peter Klausberger und Elke Gradert mit dem Armsessel von Theodor Petersen von 1925.

Hans-Peter Klausberger und Elke Gradert mit dem Armsessel von Theodor Petersen von 1925.

Eutin (ed). Manchmal finden sich ganz per Zufall zusammen mit Familienerbstücken Geschichten, die weit mehr als nur über diese Familie erzählen, in der sie vererbt werden – die dann wie eine Tür zur Vergangenheit sind und an längst Vergangenes erinnern. So war es, als Elke Gradert und Hans-Peter Klausberger bei einem Plausch unter Nachbarn auf die Freimaurerei zu sprechen kamen. “Da habe ich gesagt, warte, da habe ich einen ganz tollen Stuhl”, erinnert sich Elke Gradert lachend. “Und ich war sprachlos, als ich diesen Armstuhl gesehen und die Geschichte dazu gehört habe.” Denn Hans-Peter Klausberger erkannte den Stuhl sofort als das, was er war: Einen Armsessel der Loge Zum Goldenen Apfel aus dem Jahr ihrer “Wiederbelebung” 1925. Und das ließ dem derzeitigen Meister zum Stuhl der Loge das Herz aufgehen. “Der Stuhl hätte kaum zu einem besseren Zeitpunkt auftauchen können.” Denn in diesem Jahr feiert die moderne Freimaurerei ihr 300jähriges Bestehen – 1717 wurde sie in London gegründet und verbreitete sich von dort aus über ganz Europa. Schon 1771 wurde die Eutiner Loge Zum Goldenen Apfel gegründet, für damalige Verhältnisse sehr früh nach der Gründung der modernen Freimaurerei, wenn man bedenkt, welche Möglichkeiten Ideen damals hatten, sich zu verbreiten. “Weil es hier mit Peter Friedrich Ludwig aber einen sehr modernen, weltoffenen Fürsten gab”, weiß Hans-Peter Klausberger, “der sich mit den entsprechenden klugen Köpfen umgab, kamen die Ideen aus London schnell hier an und eine Loge wurde gegründet.” Da die Logenbrüder aber nach kurzer Zeit nach und nach Richtung Lübeck abwanderten, schlief die Tempelarbeit ein zu den sogenannten maurerischen Kaffeekränzchen. Die wenigsten Eutiner wissen heute wohl nur noch, dass das Haus in der Peterstraße 7 einmal nicht nur das Haus der Familie Petersen war sondern auch das Haus der Loge Zum Goldenen Apfel, der alten Eutiner Freimaurerloge. “Und dieses Haus gehörte meiner Großmutter”, erinnert sich Elke Gradert gut, “oben wohnten meine Großeltern, unten hatte die Loge ihr Domizil. Mein Großvater stammte aus Schleswig und hatte ein Baugeschäft – zusammen mit einigen anderen Eutinern hatte er die Loge wieder aufleben lassen.” 1925 aber “wurde das Licht wieder eingebracht”, erzählt Hans-Peter Klausberger, “von eben dem Theodor Petersen und 25 Gleichgesinnten wie dem Sparkassendirektor Constanz Lohmann.” Theodor Petersen war es auch, der im Haus der Familie die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Jeder der Brüder hatte anlässlich seiner Aufnahme in die Loge einen handgeschnitzten Armsessel bekommen, mit seinem Nachnamen in die Vorderseite der Sitzfläche eingearbeitet und drei goldenen Äpfeln in der Rückenlehne. 1933 verboten die Nationalsozalisten jegliche Logenarbeit, viele der Logenbrüder mussten ihr Geschäft aufgeben oder wurden ihres Postens enthoben – so auch Theodor Petersen und der damalige Meister vom Stuhl Constanz Lohmann. Vor der Plünderung konnten die Logenbrüder aber zumindest ihre Sessel retten. Erst 1948 wurde die Eutiner Loge wiederbelebt und komplett neu aufgebaut, “die Stühle und alles andere Mobiliar sind nicht mehr aufgetaucht”, so Hans-Peter Klausberger, “bis jetzt Frau Gradert mir ihren Stuhl gezeigt hat. Und der ist etwas sehr Besonderes, echte Nostalgie zum Anfassen. Denn andere Logen haben noch viele alte Dinge, wir leider nicht.” Und der Stuhl könnte kaum passender aufgetaucht sein, denn aus Anlass ihres 3oojährigen Bestehens veranstalten die Logen des hiesigen Distriktes eine große Ausstellung in der Kieler Landesbibliothek mit einer Vielzahl von Ausstellungsstücken aus der Geschichte der norddeutschen Freimaurerei. Die Loge Zum Goldenen Apfel – mit dazu gehört die Neustädter Loge Zum Nesselblatt, die nicht wieder eröffnet wurde – hätte eigentlich nur ihre “Kanonen” (Gläser) und ihren Insignien, die sogenannten Bijoux beitragen können. Jetzt dürfen sie dank Elke Gradert auch den Stuhl von 1925 ausstellen – sie überlässt ihn den Sommer über der Loge, damit er in Kiel ausgestellt werden kann. Zur großen Freude der Logenbrüder, allen voran des Meisters zum Stuhl. Die Freimaurer seien dazu angehalten, im Hier und Jetzt zu leben und Gutes zu tun, sagt Hans-Peter Klausberger, “aber dieser Stuhl ist wie eine Tür zur Vergangenheit, die aufgestoßen wird.” Öffentlich zu sehen wird der Stuhl von Theodor Petersen bei der großen Freimaurer-Ausstellung in Kiel – und dann geht er wieder zurück zu Elke Gradert, um weiter von Generation zu Generation vererbt zu werden, zusammen mit der Geschichte von Theodor Petersen und dem Haus in der Peterstraße 7.



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