Reporter Eutin
15. Februar 2017 | Allgemein

„Wir geben ganz bewusst Macht ab“ In der Kinderinsel wird Demokratie von klein auf gelebt

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Zur Zertifikatsübergabe reisten die Kinder der Kinderinsel mit ihren ErzieherInnen und vielen Eltern nach Kiel und waren ziemlich stolz, die Urkunde von Staatssekretärin Anette Langner in Empfang zu nehmen.

Zur Zertifikatsübergabe reisten die Kinder der Kinderinsel mit ihren ErzieherInnen und vielen Eltern nach Kiel und waren ziemlich stolz, die Urkunde von Staatssekretärin Anette Langner in Empfang zu nehmen.

Eutin (ed). In einer Zeit, in der in allen möglichen Ecken der Welt Demokratie irgendwie nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste zu stehen scheint, hat die Kinderinsel, die KiTa des Kinderschutzbundes Eutin, soeben ihr Zertifikat als eine der ersten acht Demokratie-KiTas des Landes erhalten. Aber nicht erst mit dem Zertifikat wird in der Kinderinsel Demokratie gelebt – schon seit vielen Jahren ist Partizipation, Teilhabe und Mitbestimmung, in der KiTa an der Tagesordnung. Auf liebevolle, kindgerechte Weise werden hier die Kinder in alle Entscheidungen eingebunden, die sie unmittelbar betreffen. „Was sie entscheiden können“, sagt KiTaLeiterin Uta Steinkamp, „sollen sie auch entscheiden dürfen. Es ist ein Kinderrecht, beteiligt zu werden.“ Bis 2020 werden alle Kindertagesstätten der AWO Schleswig-Holstein als Demokratie-Kita nach dem Konzept “Die Kinderstube der Demokratie” des Instituts für Partizipation und Bildung in Kiel (IPB) anerkannt sein – „jede KiTa der AWO will Demokratie in ihrem Konzept implementieren“, macht Uta Steinkamp deutlich. Dafür hat die AWO Kooperationspartner gesucht und natürlich im Kinderschutzbund gefunden. Der wiederum hat nach KiTas in den eigenen Reihen gesucht, die sich beteiligen wollen – und in der Kinderinsel die KiTa gefunden, die Demokratie schon längst in Form von Partizipation im Konzept festgeschrieben hat. Für die Zertifizierung waren dann nur noch wenige Schritte notwendig – eingezogen ist eigentlich nur das neue Wort „Demokratie“, mitbestimmen können die Kinder schon lang. „Wir haben einfach das, was wir seit vielen Jahren machen, aufgeschrieben“, schmunzelt Uta Steinkamp. So gibt es den Kinderrat, in den die Kinder alles mitbringen, was sie doof finden – aber auch die Erwachsenen dürfen sich beschweren. Themen des Miteinanders, wo man Hilfe braucht, was geändert werden sollte, welche Wünsche wo offen sind. Das alles wird dann besprochen und nach Lösungen gesucht, gemeinsam natürlich. Wie das mit den Fotos, erzählt die vierjährige Lina, da sei sie ganz schön sauer gewesen. Denn wenn die Kinder im Bauraum die tollsten Bauwerke bauen, dann dürfen die stehenbleiben – dafür kleben die Baumeister dann ihr Foto dran. Das heißt: Das hab ich gebaut, bitte stehen lassen. „Aber Kinder haben die Fotos einfach abgerissen“, sagt Lina und das treibt ihr immer noch eine Zornesfalte auf die Stirn. Wofür im Kinderrat keine Lösung gefunden wird, geht in die KVV, die Kindervertreterversammlung – die Kindervertreter werden in einer richtigen Wahl ermittelt. Jedes Kind hat eine Stimme – auf ihren Wahlplakaten stellen die Kinder sich vor, die sich in die KVV wählen lassen wollen, und dass diese Vertreter etwas beschließen und bewirken können, das verstehen auch die Jüngsten schon. Mit Klebepunkten werden dann die Vertreter ermittelt und in einer konstituierenden Sitzung eingesetzt – die wiederum dann gemeinsam Lösungen für schwierige Fälle finden. „Dabei gehen die Kinder deutlich härter vor, als wir es tun würden“, hat Uta Steinkamp die Erfahrung gemacht, „aber es klappt, weil es ihre Regeln sind.“ Und die ganz besonderen Sachen, die werden ebenfalls in der KVV besprochen – wie damals 2011 das neue Außengelände, als die Kinder als Experten in die Planung mit einbezogen wurden. Dabei ist das ganz logisch: Die Kinder sind es, die damit spielen, also sollten sie auch entscheiden dürfen, was gebaut wird. Zuerst hätten die Kinder nicht geglaubt, dass die Erwachsenen auf sie hören würden, erzählt Uta Steinkamp, „und dann haben sie sich gegenseitig angestoßen und gesagt: Du, die machen das in Echt.“ Dann kam die Sachen mit den Bullaugen – in fast jeder Tür im Haus ist eines, damit man gucken kann, ob man mitmachen will, aber ohne zu stören. Denn in der Kinderinsel gibt es die unterschiedlichsten Angebote, an denen die Kinder teilnehmen können. Sich aussuchen zu können, was sie machen wollen, basiert auf der Tatsache, dass Kinder am besten wissen, was sie wann lernen wollen – und das Recht darauf, das räumt das Team der Kinderinsel seinen Kindern gern ein. „Kinder haben Rechte, die wollen wir ihnen zugestehen, gerade als Kinderschutzbund. Wir haben bewusst beschlossen und genau festgehalten, wo wir die Macht an die Kinder abgeben.“ Beim Essen zum Beispiel – das ist ein Selbstbestimmungsrecht, niemand sollte essen müssen, was er nicht mag. Ebenso das Schlafen oder das Gewickeltwerden – die Kinder entscheiden, von wem sie gewickelt werden wollen, „das sollten sie dürfen, denn das ist etwas sehr Intimes.“ Derzeit beschäftigt sich die KVV in verschiedenen Ausschüssen gerade mit der Gestaltung des Naschifestes, das früher mal Rosenmontag war – und wer denkt, da gäbe es nur Naschis, der liegt ganz falsch. Denn die Lütten finden ein Gurkenkrokodil genauso wichtig wie die Piñata voller Naschis…sie entscheiden, was gegessen, gespielt wird, die Deko und überhaupt alles Die Demokratie lebt vom Einmischen und Mitmachen – wer das aber nicht lernt, lässt die anderen machen. Und das ist die Gefahr. Die Kinder der Kinderinsel wissen, dass jedes von ihnen eine Stimme hat, und dass sie die auch nutzen können, um die Welt so mitzugestalten, wie sie es richtig finden. „Das Tolle ist, dass die Kinder sehr gut wissen, dass ihre Stimme zählt, das lernen sie von klein auf“, sagt Uta Steinkamp. „Und es gibt nichts Besseres als Prävention, sie müssen wissen, dass sie gehört werden. Immer weniger Menschen beschäftigen sich mit Demokratie. Hier erleben die Kinder sie und lernen, dass sie etwas bewirken können, wenn sie sich einmischen.“


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